Rezension: Knochen zu Asche (von Kathy Reichs)

7 02 2010
 
Knochen zu Asche (Reichs)

Knochen zu Asche (Reichs)


gelesen von Astrid Walter 

Worum geht’s?

Auf dem Schreibtisch der forensischen Anthropologin Temperance Brennan landen an einem Morgen gleich mehrere Fälle. Die Polizei hat die Wasserleiche eines Mädchens gefunden, das eventuell einem Serienmörder zum Opfer gefallen sein könnte. Ein Senior soll sich im Schlaf selbst mit einer vergessenen Zigarette verbrannt haben. Und dann gibt es da noch die Knochen eines Teenagers, die angeblich antik sind, Dr. Brennan aber aufgrund des Fundortes sofort an eine seit Jahrzehnten verschwundene Freundin aus Kindertagen denken lassen. Parallel bearbeitet die Wissenschaftlerin alle Fälle und stößt dabei tief in die eigene Vergangenheit vor.

Und, wie war’s?

Zu Beginn war ich sehr enttäuscht, denn als großer Fan der Serie “Bones” hatte ich mir erhofft, einige der Charaktere aus dem Fernsehen in den Büchern von Kathy Reichs wiederzufinden. Dem war leider gar nicht so. Die Hauptperson heißt zwar auch Temperance Brennan, das war es dann aber auch schon mit Gemeinsamkeiten. Das Arbeitsumfeld ist anders, das Team fehlt komplett und Dr. Brennan hat einen ganz anderen Charakter. Bestimmt ein Drittel des Buches habe ich deshalb vor mich hin gegrummelt und hatte keine rechte Lust, “Knochen zu Asche” weiterzulesen.

Aber dann hat mich Kathy Reichs doch überzeugt. Die Charaktere wirken angenehm real, die Fälle sind außergewöhnlich und es ist sehr interessant zu lesen, wie forensische Anthropologen vorgehen. Alles in allem war “Knochen zu Asche” bestimmt nicht der spannenste Krimi, den ich je gelesen habe, hat mich aber durchaus genug überzeugt, um weitere Bände der Reihe auf meinen Wunschzettel zu setzen.

Knochen zu Asche, Kathy Reichs
Blanvalet, 384 Seiten, 8,95 Euro, ISBN 978-3442372836





Rezension: Die einzige Wahrheit (von Jodi Picoult)

3 02 2010

gelesen von Michele Rassinger

Die einzige Wahrheit (Jodi Picoult)

Die einzige Wahrheit (Jodi Picoult)

Worum geht’s?

Amische lügen nicht. Amische betrügen nicht. Und Amische töten ganz gewiss nicht.
Doch genau das wird der jungen Katie vorgeworfen. Die Polizei findet auf dem Hof ihrer Eltern ein totes Neugeborenes unter Decken im Stall und alle Beweise sprechen eindeutig gegen Katie. Das amische Mädchen wird festgenommen und angeklagt. In der fremden Welt der Englischen fühlt sie sich völlig eingeschüchtert und verängstigt. Keiner glaubt ihr, dass sie das Kind nicht geboren und erst recht nicht geötet hat.

Ihre Tante, die vor Jahren aus der amischen Gemeinde verbannt wurde und seither ein normales Leben als Englische führt, steht ihr bei. Sie überredet ihre Nichte Ellie, Katie als Anwältin zu vertreten. Ellies eigene Zweifel werden durch das ablehnende Verhalten von Katies Vater und die Wiederstände durch die für sie befremdlichen Regeln und Ritualen der amischen Glaubensgemeinschaft verstärkt. Doch Ellie nimmt den Kampf gegen die Justiz und gewissermaßen auch gegen ihre eigene Klientin auf.

Und, wie war’s?

Eine Geschichte, die im Zentrum einer amischen Glaubensgemeinschaft spielt. Das hat mich auf “Die einzige Wahrheit” sehr neugierig gemacht. Bis dato wusste ich über dieses Thema, was man eben so weiß: Amische leben abseits der zivilisierten Welt, sie fahren Kutschen statt Autos, sie versorgen sich fast auschließlich durch eigenen Anbau und Viehzucht, sie nutzen keinen elektrischen Strom und haben einige seltsam anmutenden Anschauungen und Regelungen.
Jodi Picoult brachte mir diese fremde Welt sehr anschaulich aus den verschiedenen Perspektiven nahe und die Geschichte, die im Leben dieser Leute spielt, ist sehr unterhaltsam. Der Konflikt durch die unterschiedlichen Weltanschauungen kommt durch Ellie und Katie sehr gut hervor, so dass ich mich beim Lesen automatisch damit auseinandergesetzt habe, was die Amischen von uns “normalen” abgrenzt.

Neben ein paar wenigen Längen gibt es einige kleine Schönheitsfehler. Ellie wird als knallharte und professionelle Anwältin dargestellt. Allerdings stellt sie in den entscheidenden Momenten nicht die richtigen Fragen. Nicht, dass dadurch etwas total unlogisch erscheinen würde. Aber es gibt Kleinigkeiten, die wirklich auf der Hand liegen, die die Autorin aber einfach missachtet (z.B. warum brannte im Stall das Licht? Wie kann Ellie Katies Aussage kurz vor Prozessende so missdeuten?).

Insgesamt hat mich “Die einzige Wahrheit” aber überzeugt. Das vermittelte Hintergrundwissen ist ungeheuer interessant und lehrreich. Und die Kriminalgeschichte ist spannend und gut aufgebaut.

Die einzige Wahrheit, Jodi Picoult
Piper, 464 Seiten, ISBN 3492237169, 9,95 €





Rezension: Cupido (von Jilliane Hoffman)

30 01 2010

 

Cupido (Hoffman)

Cupido (Hoffman)


gelesen von Astrid Walter

Worum geht’s?

Ein brutaler Serienmörder treibt in Los Angeles sein Unwesen. Er entführt junge Frauen, quält sie einige Tage und tötet sie schließlich, indem er ihnen das Herz herausschneidet. Scheinbar zufällig wird der Täter von einem jungen Deputy festgenommen.

Der taffen Staatsanwältin C.J. Townsend fällt die Aufgabe zu, ihn für immer hinter Gitter oder auf den Todesstuhl zu bringen. Angesichts der guten Beweislage – der “Cupido” genannte Mörder wurde immerin mit einer Leiche im Kofferraum festgenommen – erscheint das ein leichtes Unterfangen zu sein. Doch eine grausame, persönliche Verbindung der vor Jahren vergewaltigten C.J. mit dem Verdächtigen könnte die Anklage zu Fall bringen.

Und, wie war’s?

Die Inhaltsangabe sagt es ja schon: “Cupido” ist ein brutales Buch und wer jetzt schon meine Zusammenfassung schauerlich fand, sollte auf alle Fälle die Finger davon lassen. Allerdings schildert Jilliane Hoffman die Morde nie direkt, sondern lässt später den Gerichtsmediziner berichten, wie es geschehen sein müsste. Das machte die Taten für mich erträglicher, so dass ich den bis zur vorletzten Seite spannenden und überraschenden Thriller gerne und schnell gelesen habe.

Meine Wohnungstür habe ich an den zwei Abenden, an denen ich das Buch gelesen habe, allerdings extra gut verschlossen und noch dreimal kontrolliert. Ein beruhigender Schmöker für entspannte Stunden ist “Cupido” also nicht.

Wie schon in “Vater Unser” verstärken Jilliane Hoffmans realistisch wirkende Schilderungen des Gerichtsverfahrens den Reiz des Buches.

Cupido, Jilliane Hoffman
Rowohlt, 480 Seiten, 9,95 Euro, ISBN 978-3499239663





Rezension: Der talentierte Mr. Ripley (von Patricia Highsmith)

26 01 2010

gelesen von Michele Rassinger

Der talentierte Mr Ripley (Patricia Highsmith)

Der talentierte Mr Ripley (Patricia Highsmith)

Worum geht’s?

Tom Ripley ist manipulativ, ein Lügner und Betrüger, aber vor allem ein Blender. Von seiner Tante ausgehalten, lebt er sein Leben vor sich hin, ohne sich um irgendetwas wirklich zu kümmern. Eines Tages spricht ihn der Vater seines flüchtigen Bekannten Richard Greenleaf an. Dieser sorgt sich um seinen Sohn, denn der genießt ein lässiges Leben in Reichtum und Glamour in Italien anstatt sich auf die Nachfolge des Familienunternehmen vorzubereiten. Mr. Greenleaf bietet Tom eine Stange Geld, wenn dieser seinen Sohn zurück nach Hause bringt.

Tom findet Richard und macht sich schnell im mondänen Haus von Richard und seiner Freundin breit – sehr zu deren Missfallen. In seiner gewohnten Art schafft es Tom, Richard für sich zu gewinnen, ihn dazu zu bringen, seine Zeit nicht mit seiner Freundin, sondern mit ihm zu verbringen und ihn mehr und mehr für sich einzunehmen.
Tom gefällt sein neues Leben in Italien und beschließt, seinen Kurzurlaub zu verlängern. Mr. Greenleaf vertröstet er mit Briefen, doch dieser streicht ihm die finanziellen Mittel. Nun muss Tom handeln. Als er feststellt, dass ihm nicht nur Richards Anzüge passen, sondern mit einer neuen Frisur die Ähnlichkeit der beiden überragend ist, beschließt er, dessen Leben zu führen. Der einzige Haken an der Sache ist Richard selbst…

Und, wie war’s?

Patricia Highsmith weckt beim Leser genau das, was nur wenige schaffen: Sympathie für einen fiesen Kerl. Ihr Protagonist Tom Ripley ist ein Künstler in vielerlei Hinsicht und es gelingt ihr, nicht nur ihn sympathisch hinzustellen, so dass ich nicht anders konnte, als mit ihm zu fiebern, sondern vor allem die Orte des Geschehens so real werden zu lassen, dass man das Gefühl hat, mitten dabei zu sein. Dabei hat sie eine wunderschöne Kulisse ausgewählt: Italien in den 50er Jahren. Ihre Beschreibungen sind wunderschön, arten aber nicht in Langweile aus.

Die Geschichte und vor allem deren Spannung wird von Seite zu Seite langsam aufgebaut – ähnlich einer Welle, die anfangs kaum wahrnehmbar ist und am Ende unglaubliche Ausmaße hat. Auf die gleiche Weise zieht Tom Ripley seine Mitmenschen ins Verderben und den Leser in seinen Bann.

“Der talentierte Mr. Ripley” ist ein absolut empfehlenswertes Werk!

Der talentierte Mr. Ripley, Patricia Highsmith
Süddeutsche Zeitung Bibliothek, 428 Seiten, ISBN 3937793135, nicht mehr erhältlich
Diogenes, 428 Seiten, ISBN 325723404X, 11,90 €

 





Rezension: Sommer mit Emma (von Borger/Straub)

22 01 2010

Sommer mit Emma (Borger/Straub)

Sommer mit Emma (Borger/Straub)

gelesen von Astrid Walter

Worum geht’s?

Luisa und Daniel sind seit Jahrzehnten zusammen, haben gemeinsam zwei Kinder gezeugt, aber nie geheiratet. Jetzt kriselt es in der Beziehung. Ein gemeinsamer Sommer mit den beiden pubertierenden Kindern Lea und Jasper und Jaspers Freund Can auf einem Hausboot in England soll den Frieden im Familienkreis wieder herstellen.

Auch mit von der Partie ist Emma, das Ergebnis einer Affäre Daniels, die zwecks Kennenlernens des Papas kurzfristig mitreist. Für Lea, Jasper und Can ist schnell klar: die verwöhnte Göre spielt ein ganz falsches Spiel. Nur die Eltern sind so mit ihren eigenen Problemen beschäftigt, dass sie von den Intriegen nichts mitbekommen und blind in die Katastrophe hineinschippern.

Und, wie war’s?

Von dem Autorinnenduo Borger und Straub bin ich schon seit “Kleine Schwester” begeistert. Während “Katzenzungen” und “Im Gehege” ein bisschen hinter dem Debüroman abfielen, erzeugte “Sommer mit Emma” einen Strudel, in ich unweigerlich hineingezogen wurde.

Dabei habe ich die Geschichte mehr wie einen Film als wie ein Buch erlebt, so genau sah ich alles vor mir.

Oberflächlich betrachtet passiert in diesem Familienurlaub lange nichts. Langeweile stellt sich trotzdem keine Sekunde ein, denn durch den geschickten Wechsel der Erzählfiguren ist der Leser mitten drin im Geschehen und erlebt die seelischen Qualen der Hausbootfahrer förmlich mit. Die Spannung kommt dabei vor allem aus einem selbst, aus den geschickt geschürten Befürchtungen und Erwartungen, was wohl noch passieren könnte.

Sommer mit Emma, Martina Borger und Maria Elisabeth Straub
Diogenes, 432 Seiten, 21,90 Euro, ISBN 978-3257067132





Lieblingssätze_21

20 01 2010
lieblingssätze“Für den leichten Seegang muss man der richtige Typ sein.
Die einen erleben Windstille als innere Ruhe, die anderen als ewige Flaute.”

Daniel Glattauer, Alle sieben Wellen