
Die Sünderin (Hammesfahr)
gelesen von Astrid Walter
Worum geht’s?
Die unbescholtene Mutter Cora Bender verbringt mit ihrer Familie einen Tag am Baggersee. In der einen Minute schält sie Apfel für ihren kleinen Sohn, in der nächsten ersticht sie vor den Augen ihres entsetzten Ehemanns einen Mann auf der Nachbardecke. Dass sie die Tat begangen hat, steht für alle außer Frage – trotzdem nimmt Hauptkommissar Rudolf Grovian die Ermittlungen auf. Denn Cora Bender behauptet, ihr Opfer zuvor noch nie gesehen zu haben. Nur die zu laute Musik habe sie zu der tödlichen Tat motiviert. Grovian glaubt ihr aber nicht. Und so wird schnell klar, dass die junge Frau keine eiskalte Mörderin ist, sondern in ihrer Vergangenheit so Schreckliches erlebt hat, dass sie nun ständig am Rande des Wahnsinns balanciert.
Und, wie war’s?
Enttäuschend. Als Fan von Petra Hammesfahr schätze ich normalerweise ihre psychologisches Einfühungsvermögen (z.B. in “Die Mutter), die Spannung, die mich ihre Krimis in einer Nacht durchlesen lässt (z.B. “Mit den Augen eines Kindes”) und die Nähe, die sie gewöhnlich zu ihren Hauptpersonen herstellt. Aber “Die Sünderin” hat mir keinen Spaß gemacht. Spannend war es kein bisschen. Der Mord geschieht schon im ersten Kapitel. Wie die langatmig erzählte Geschichte aus der Vergangenheit endet, ist auch ziemlich schnell klar.
Auch war mir keiner der dargestellten Charaktere sympathisch – was mich sonst motiviert, weiterzulesen. Weder hatte ich Mitleid mit der Täterin (oder gar mit den Opfern), noch konnte ich die Verhaltensweise des Polizisten nachvollziehen. Dessen privater Hintergrund wird so nebenbei angerissen, dass ich mich frage, wieso Petra Hammesfahr ihn nicht einfach komplett rausgelassen hat.
Am Anfang fand ich das Abtauchen in die wirren Gedankengänge von Cora Bender noch interessant – doch ziemlich bald hat mich das großteils unverständliche und sprunghafte Gefasel mit den diversen Interpretationsversuchen nur noch genervt. Schade, von einem Hammesfahr-Buch hatte ich mir mehr versprochen.
Die Sünderin, Petra Hammesfahr
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 442 Seiten, 9,95 Euro, ISBN 978-3-499-22755-4




