Rezension: Geschlossene Gesellschaft (von Jean-Paul Sartre)

24 09 2008
Geschlossene Gesellschaft (Sartre)

Geschlossene Gesellschaft (Sartre)

gelesen von Astrid Walter

Worum geht’s?Nach ihrem Tod finden sich Inés, Garcin und Estelle in der Hölle wieder. Zur allgemeinen Verwunderung

präsentiert sich dieser gefürchtete Ort als ein Zimmer mit Möbelstücken im Empirestil, in dem die drei bislang Fremden nun die Ewigkeit gemeinsam verbringen sollen. Feuer, Folterknechte – Fehlanzeige. Doch für Erleichterung ist es zu früh, denn die drei Zusammengepferchten fügen sich bald gegenseitig Seelenqualen zu, die ihnen schlimmer als ein glühender Rost vorkommen.
Und, wie war’s?“Geschlossene Gesellschaft” ist eine grandiose Gesellschaftsanalyse. Wie die Neu-Toten ihre Lebensgeschichten schönen, sich als Menschen darstellen, die sie nicht sind, die Rollen spielen, die ihr Umfeld während des Lebens von ihnen erwartet hat, und zusammenbrechen, als sie die Realität vor anderen und sich selbst zugeben müssen – das alles passiert so Tag täglich sicher nicht nur in Vorstellungsgesprächen ;-)

Jean-Paul Sartre hat “Geschlossene Gesellschaft” 1944 als Theaterstück geschrieben. Durch die Dialogform wirkt das Buch sehr dicht. Ich kam als Leserin kaum zum Innehalten und habe fasziniert verfolgt, wie die Charaktere sich vor mir aufblätterten, wie sich Lebenslüge um Lebenslüge enthüllte und schließlich hoffnungslose Verzweiflung aufkam.
Geschlossene Gesellschaft, Jean-Paul Sartre
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 59 Seiten, 4,95 Euro, ISBN 3-499-15769-1







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