Rezension: Kleine Schwester (von Borger & Straub)

28 09 2008
 
Kleine Schwester (Borger/Straub)

Kleine Schwester (Borger/Straub)

gelesen von Astrid Walter

Worum geht’s?

Eine Familie mit zwei Kindern, das wünscht sich die psychisch labile Ela. Mit ihrer elfjährigen Tochter Lilly hat sie sich diesen Wunsch schon halb erfüllt,  doch dann kann ihr Mann Carl keine Kinder mehr zeugen. Um trotzdem eine richtige Familie zu sein, nimmt das Ehepaar das fünfjährige Pflegekind Lotta bei sich auf.

Doch das Leben mit Lotta gestaltet sich schwieriger als von dem Ehepaar erwartet und als Ela dann auch noch ihren Job verliert und das Geld knapp wird, ist sie endgültig mit der Situation überfordert.

Lotta wird in den Keller abgeschoben, bekommt die Haare kurz rasiert und die einzige, die ihr und ihrer unmenschlichen Situation überhaupt noch Aufmerksamkeit schenkt, ist die verunsicherte Lilly…

Und, wie war’s?
„Kleine Schwester“ hat mich emotional sehr mitgenommen. Und das auch, oder vermutlich gerade, weil das Autorenduo Borger/Straub die Geschichte aus kindlich naiver Sicht und in klaren, nüchternen Sätzen von der elfjährigen Lilly erzählen lässt. So, wie das Mädchen langsam begreift, was da mit ihrer Pflegeschwester geschieht, so habe ich langsam begriffen, wie es dazu kommen kann, dass Mütter ihre Babys in Balkonkästen verbuddeln und Kinder in verdunkelten Räumen verhungern lassen.

Die Überforderung der Eltern und das schleichende Abrutschen des ehemals normalen Familienalltags in einen pechschwarzen Alptraum haben mich noch wochenlang beschäftigt und viel Gesprächsstoff geboten.

Ganz abseits der eigentlichen Geschichte finde ich „Kleine Schwester“ auch faszinierend, weil die Autorinen so weit von einander entfernt wohnen, wie es in Deutschland überhaupt möglich ist (Hamburg-München) und es trotzdem geschafft haben, ein Buch wie aus einem Guss zu schreiben, bei dem man nicht einmal stockt – es sei denn, aus Entsetzen.

Kleine Schwester, Martina Borger/Maria Elisabeth Straub
Diogenes Verlag, 224 Seiten, 8,90 Euro, ISBN 978-3-23390-2

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2 responses

16 07 2010
Rezension: Im Gehege (von Borger und Straub) « Leselust

[…] dem Autoreninnenduo Borger & Straub bin ich seit „Kleine Schwester“ begeistert. Sie besitzen das Talent, eine Geschichte so flüssig zu erzählen, dass ich mich […]

28 09 2008
Randnotiz: Bücher, die man gelesen haben muss « Leselust

[…] Borger & Straub: Kleine Schwester […]

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