Rezension: Der Teufel von Mailand (von Martin Suter)

25 10 2008

gelesen von Michele Rassinger

Der Teufel von Mailand (Martin Suter)

Der Teufel von Mailand (Martin Suter)

Worum geht’s?
Sonia glaubt, allmählich verrückt zu werden. Sie sieht auf einmal Geräusche, schmeckt Formen oder fühlt Farben. Um vor ihrem Alltag zu fliehen und ihre Sinne wieder auf die Reihe zu kriegen, tritt sie eine Stelle als Physiotherapeutin in einem Berghotel an. Schnell stellt sie fest, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Es passieren mysteriöse Dinge, die der Sage des „Teufels von Mailand“ nach alle in einem bestimmten Zusammenhang stehen und Sonia versucht, der Sache auf den Grund zu gehen. Je tiefer sie gräbt, desto mehr scheint ihr der Boden unter den Füßen zu weichen….

Und, wie war’s?
Die ersten Seiten des Buches fand ich sehr wirr. Die Protagonistin Sonia wacht in einem ihr unbekanntem Raum auf, sieht Geräusche, schmeckt Formen und fühlt Farben. Wer – wie ich – bisher nicht wußte, dass dies die Symptome der Synästhesie sind (eine spezifische, neuronale Vernetzung im Gehirn, wodurch mehrere Sinne gleichzeitig aktiviert werden) fragt sich einen kurzen Moment lang, ob man so etwas schräges wirklich lesen will. Aber dann war ich doch zu neugierig und wurde von dem typischen Suter-Syndrom mitgerissen. Das Buch ist kein Pageturner, aber irgend etwas bewegt einen dazu, es doch zügig zu lesen. Die Auflösung rundet das Buch ab, aber so richtig zufriedenstellend fand ich sie trotzdem nicht. Ich hatte den Eindruck, dass ein paar Seiten mehr dazu nicht geschadet hätten.

Sehr gelungen sind die SMS-Dialoge zwischen Sonia und ihrer Freundin Malu, die immer wieder mitten in den Text eingeschoben werden. Die düstere Stimmung, die durch das ewig miese Wetter, den mürrisch-neugierigen Dorfbewohnern und Sonias Halluzinationen und Ängste beschrieben werden, hat mich das ganze Buch lang ergriffen.

Wünschenswert wäre gewesen, die Hintergründe einiger Charaktere mehr zu beleuchten. So lässt Suter immer mal wieder durchblicken, dass es mit der Chefin des Hotels irgendetwas auf sich haben muss – aber wirklich aufgelöst hat er dies und so manche andere Dinge dann nicht. Sehr gut beschrieben sind die Dorfbewohner mit ihrer knorzigen, eigenbrötlerischen Art.


Der Teufel von Mailand, Martin Suter

Diogenes, 304 Seiten, 9,90 €, ISBN 3257236530


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