Rezension: Vater Unser (von Jilliane Hoffman)

29 12 2008
Vater Unser (Hoffman)

Vater Unser (Hoffman)

gelesen von Astrid Walter

Worum geht’s?
Die junge Staatsanwältin Julia Valenciano bekommt den spannendsten Fall ihrer bisherigen Karriere übertragen: Erstmals darf sie als zweite Anwältin einen Mörder anklagen. Allerdings ist der Fall nicht so einfach, wie er zu Beginn erscheint.
Zwar zweifelt kaum jemand daran, dass der angesehene Chirurg Dr. David Marquette seine Frau und seine drei Kinder bestialisch umgebracht hat. Doch Marquette plädiert auf Unzurechnungsfähigkeit wegen Schizophrenie. Zunächst kämpft Julia Valenciano an der Seite ihres Liebhabers und ersten Staatsanwalts für seine Verurteilung und die Todesstrafe, doch dann kommen ihr Zweifel.
Und, wie war’s?
Spannend, unterhaltsam, sozialkritisch und ein bisschen romantisch. Mir hat das Lesen viel Spaß gemacht. Die Charaktere sind glaubwürdig und vielfältig, die Geschichte interessant erzählt. Sozialkritische Aspekte (Todesstrafe: ja, nein?; psychisch Kranke in der Gesellschaft – integrieren oder wegschließen?; Karriere oder Gewissen) werden zwar nur am Rande angesprochen, aber immerhin auch nicht völlig ignoriert. Interessant finde ich es auch, mal den Blickwinkel der Staatsanwaltschaft einzunehmen. Meistens ist man ja eher mit Polizisten und Gerichtsmedizinern auf Mörderjagd oder kämpft mit dem Anwalt des Unschuldigen.
Jilliane Hoffman vermischt den aktuellen Fall mit Kindheitserlebnissen ihrer Protagonistin. Das ist gut gemacht, nimmt erst nach und nach einen größeren Raum ein, und hilft dabei, das Verhalten von Julia Valenciano zu verstehen.
Die eingeflochtene Liebesgeschichte wird so angenehm nebenbei erzählt, dass sie dem Buch nichts von seiner eigentlichen Spannung nimmt. Als positiv empfinde ich auch, dass der Mord zwar grausam ist, aber so erzählt wird, dass ich beim Lesen noch nebenbei ein paar Kekse mampfen konnte, ohne dass sich mir der Magen umdreht hat.
Einziger Wermutstropfen für mich ist das Ende, da wird bei der persönlichen Entwicklung der Protagonistin ein wenig übertrieben. Ein Schicksalsschlag weniger hätte es auch getan. Trotzdem ein absolut empfehlenswerter Thriller, der mich bis morgens um drei wach gehalten hat, obwohl doch der Mörder schon zu Beginn gefasst ist und niemand mehr um sein Leben kämpft.
Vater Unser. Jilliane Hoffman
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 572 Seiten, 9,95 Euro, ISBN 978-3-499-24456-8

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2 responses

17 05 2011
vater-und-mutter.de » Blog Archiv » Vater und Sohn

[…] dazu gibt’s bei Leselust Tags » Sohn, Vater « Autor: vaterundmutter Datum: Dienstag, 17. Mai 2011 3:32 […]

31 01 2010
Rezension: Cupido (von Jilliane Hoffman) « Leselust

[…] schon in “Vater Unser” verstärken Jilliane Hoffmans realistisch wirkende Schilderungen des Gerichtsverfahrens den […]

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