Rezension: Abbitte (von Ian McEwan)

24 01 2009
gelesen von Michele Rassinger

Abbitte (Ian McEwan)

Abbitte (Ian McEwan)

Worum geht’s?

Briony ist ein 13-jähriges Mädchen mit einer großen Phantasie, die über das Schreiben eines Theaterstücks weit hinaus geht. So dichtet sie sich ihren eigenen Reim auf die Situation, als sie eines heißen Sommertages im Jahre 1935 ihre Schwester Cecilia mit dem befreundeten Robbie am Brunnen sieht und einen Brief liest, der nicht für sie bestimmt ist. Als am Abend dann noch etwas Schreckliches geschieht, deutet Briony die Situation völlig falsch und verwechselt ihre Phantasie mit der Wirklichkeit. Wie falsch sie lag und wie weitreichend die Konsequenzen sind, wird ihr erst Jahre später bewusst – doch da ist es schon zu spät.

Und, wie war’s?

Als ein grandioses literarisches Panorama wurde dieser Roman von Ian McEwan gelobt. Und die Zusammenfassung hat auch viel versprochen. Doch der erste Teil des Buches (immerhin 267 Seiten) zieht sich so endlos wie der heiße Sommertag, den Ian McEwan beschreibt.

Auch wenn die psychologisch feinsinnige Zeichnung der Charaktere – vor allem Brionys – sehr gut gelungen ist, so sind die ausführlichen Schilderungen der Familienverhältnisse und des bevorstehenden Abendessens etwas ermüdend und wenig mitreißend. Die Tragödie zeichnet sich erst auf den letzten Seiten dieses ersten Teils ab und erst dann beginnt das Buch, an Klasse zu gewinnen.

Der zweite Teil versetzt den Leser in die Zeit des 2. Weltkrieges und lässt ihn  mit einem schockierenden Bericht über die Ereignisse daran teilhaben. Der Leser erfährt, was aus Robbie, Cecilia und Briony geworden ist und inwiefern Brionys kindliche Anschuldigungen deren Leben für immer verändert hat.

Das Ende von „Abbitte“ hat mich die Durststrecke des ersten Teils beinahe vergessen lassen. Denn McEwan schafft es schlussendlich noch, den Leser auf stärkste Weise emotional zu berühren.

Abbitte, Ian McEwan
Diogenes, 544 Seiten, 12,90 €, ISBN 3257233809


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