Rezension: Die souveräne Leserin (von Alan Bennett)

30 01 2009
Die souveräne Leserin (Bennett)

Die souveräne Leserin (Bennett)

gelesen von Astrid Walter

Worum geht’s?

Auf der Suche nach einem ihrer Corgis kommt Queen Elisabeth II. in einem sonst selten besuchten Teil des Palastes an einem Bücherbus vorbei. In diesem ist der Küchenjunge Norman gerade dabei, sich neue Lektüre auszusuchen. Um nicht unhöflich zu sein, nimmt sich die Queen auch ein Buch mit.

Bisher hatte sie sich persönliche Hobbys stets versagt, denn sie dachte, falls sie ein besonders Interesse an einer bestimmten Sache zeige, grenze sie damit all jene Untertanen aus, die mit diesem Hobby nichts anfangen können. Doch der verzaubernden Macht der Bücher von beispielsweise Dickens, Proust und Compton-Burnett kann auch sie nicht wiederstehen.

Schnell wird sie zur Leseratte und verursachte damit so manches Chaos. So wirft sie auf einmal den zuvor heiligen Zeitplan über den Haufen, um schnell noch ein paar Seiten zu lesen, verdutzt Bürger wie Politiker gleichermaßen mit Fragen nach ihren Lieblingsschriftstellern und befördert den belesenen Norman vom Küchenjungen zu ihrem persönlichen Literaturberater. 

Und, wie war’s?

„Die souveräne Leserin“ ist eine sehr schöne Liebeserklärung an Bücher und das Lesen. Dank des subtilen Humors, der das ganze Buch durchzieht, macht es viel Spaß, gemeinsam mit der Queen die Bücherwelt neu zu entdecken. Schmunzeln musste ich beispielsweise, als die Monarchin bei der Abnahme einer Parade heimlich im Auto ein fesselndes Buch liest, während sie wie ein Roboter weiter freundlich durch das Fenster winkt.

Zwar zieht Bennett vom königlichen Gatten über das intrigante Hofpersonal bis zum etwas dämlichen französischen Präsidenten alle Figuren schonungslos durch den Kakao, wird dabei aber nie boshaft.

Die souveräne Leserin ist in einer schönen, knallroten Ausgabe erschienen. Das, und die Tatsache, dass es so schmal ist, dass selbst Lesemuffel davor keine Angst haben können, macht es auch zu einem guten Geschenk. 

Ich habe nur für mich bedauert, dass ich bei weitem noch nicht von allen Autoren, auf die in dem Büchlein Bezug genommen wird, etwas gelesen habe. Aber insofern hat „Die souveräne Leserin“ in mir nur noch mehr Leselust geweckt.

Die souveräne Leserin, Alan Bennett
Verlag Klaus Wagenbach, 115 Seiten, 14,90 Euro, ISBN 978-3-803-11254-5

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12 07 2009
[Rezension] Alan Bennett: Die souveräne Leserin « Mein Leben als Leser

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