Rezension: Sehschlachten (von Bernhard Jaumann)

15 02 2009
gelesen von Michele Rassinger

Sehschlachten (Bernhard Jaumann)

Sehschlachten (Bernhard Jaumann)

Worum geht’s?

In Sydney treiben zwei Diebe ihr Unwesen und bestehlen ahnungslose Touristen. Als der verdeckte Ermittler O’Neill den Dieben auf die Schliche kommen will und einen von beiden quer durch Sydney verfolgt, fliegt auf einmal neben ihnen ein Haus in die Luft. Der Dieb stirbt und O’Neill erblindet. Umgehend machen sich O’Neills Kollegen an die Arbeit, um die Explosion aufzuklären und verfolgen dabei die Spur eines augenscheinlich sauberen Geschäftsmannes, der einen Kinderpornoring betreibt.

Zwischen den Kapiteln erfährt man, dass zwei festgehaltene Kinder kurz vor der Explosion aus dem Haus flüchten konnten und nun völlig verstört durch Sydney irren, in dem Wahn, einen Drachen töten zu müssen.

Und, wie war’s?

Lächerlich, absurd, unlogisch, langweilig.
Der Anfang – die Verfolgungsjagd zwischen Dieb und Polizist – war langweilig und völlig übertrieben. Ständig wurde wiederholt, wie gut trainiert der Polizist doch ist und dass er diese und jene Hürde mühelos schaffen müsste. Die Szene zog sich über endlos lange Seiten und es wurden Situationen eingepflochten, die völlig zusammenhangslos und störend waren.
Dann endete dieser Part aprubt und die Explosion war das Hauptthema. Sofort gab es nur diesen Geschäftsmann als Hauptverdächtigen und die Hälfte des Buches wurde damit verbracht, ihn zu suchen.

Zwischendrin ging es um das Verhältnis zwischen dem Hauptkomissar und seiner Angestellten, das aber kein wirkliches ist, aber noch wird – ich weiß es nicht. Mitunter hatte ich das Gefühl, hier fehle einfach die filmische Einspielung, die Blicke, die Gesten, die man in einem Film eben sieht, die in einem Buch aber beschrieben werden müssen. Die Dialoge passten stellenweise überhaupt nicht zusammen und die verschiedenen Handlungen wurden wie zerissen zusammengefügt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Handlung ist langweilig und flach. Die Ermittler sind einfach zu stupide, um das Offensichtliche zu kapieren. Es werden Handlungen eingeflochten, die überhaupt nichts mit der Geschichte zu tun haben und sie auch in keinster Weise fördern und der Täter und das Motiv, dass einem letztlich präsentiert wird, ist so an den Haaren herbeigezogen, das ich dieses Buch schon fast in die Kategorie „Amüsantes“ einordnen müsste.
Die Sprache ist unschön, abgedroschen und einschläfernd. Wäre es nicht ein deutscher Autor, hätte ich die Schuld auf die miese Übersetzung geschoben.

Ein Kritiker der ZEIT sagte zu diesem Buch „Es gibt Bücher, in denen man sich von der ersten Seite an zu Hause fühlt. Jaumann bezaubert immer wieder durch kluge, feinsinnige Erzählweise und beobachtungsgenaue Sprache.„. Zum Glück sind Meinungen subjektiv und nicht allgemeingültig. Denn ich weiß beim besten Willen nicht, wie er solch ein Lob aussprechen kann, nachdem er dieses Buch gelesen hat. Ich kann nur hoffen, dass vielleicht ein anderes gemeint war.

Sehschlachten, Bernhard Jaumann
Aufbau Tb, 313 Seiten, 7,95 €, ISBN 3746615054

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