Rezension: Wie ich mich einmal in alles verliebte (von Stefan Merrill Block)

20 02 2009

Wie ich mich einmal in alles verliebte

gelesen von Astrid Walter

Worum geht’s?

Abel lebt seit Jahren alleine und ohne Kontakt zu seiner Umwelt in einem langsam verfallenden Häuschen in einem kleinen Ort in Texas. Früher war er von Wald, Feld und Landwirtschaft umgeben, doch mit der Zeit ist die Modernität bedrohlich nahe gerückt und Abel, dessen Haus von den Nachbarn als Schandfleck angesehen wird, könnte sein Grundstück für sehr viel Geld verkaufen. Eine Option, die für ihn nicht in Frage kommt. Denn vor 21 Jahren hat ihn seine Tochter Jamie überstürzt verlassen und er will an dem Ort bleiben, an dem sie ihn wiederfinden könnte.

Was Abel nicht weiß, ist dass Jamie an einer Alzheimer Form erkrankt ist. Ihr Sohn Seth hofft, über die Familie seiner Mutter mehr über die Krankheit herauszufinden und seiner Mutter so vielleicht zu helfen. Doch Jamie hat aus ihre Vergangenheit stets ein großes Geheimnis gemacht, nicht mal ihr Mädchenname ist Seth bekannt. Mit der Sturheit eines Teenagers macht er sich dennoch auf die aussichtslos erscheinende Suche.

Und, wie war’s?

Dem noch jungen amerikanischen Autoren Stefan Merrill Block ist in seinem Erstlingswerk ein ergreifendes Buch über die Tragik des Vergessens gelungen.

Geschickt verwebt er dabei drei Erzählstränge. In einem wird die Sage von Isidora, einem Land, in dem alle Menschen friedlich zusammen leben, weil sie sich an nichts erinnern können, erzählt. In einem anderen durchdenkt Abel gemeinsam mit dem Leser seine traurige Vergangenheit. Mit einem Buckel geboren und dann auch noch sehr in die Frau seines Bruders verliebt, scheint er das Pech anzuziehen, und es verwundert nicht und berührt doch sehr, als er schließlich ein großes Unglück erlebt. In einem anderen Erzählstrang versucht Seth, möglichst viele Menschen zu finden, die unter der gleichen, seltenen Form von Alzheimer leiden, die auch das Gedächtnis seiner Mutter verschwinden lässt.

Stefan Merrill Block hat in dem selbstironischen, und aktiv in sein Leben eingreifenden Seth den dringend nötigen Gegenpart zu dem abwartenden und traurigen Abel geschaffen. Das Buch ist bedrückend, handelt es doch von einer Krankheit, vor der sich die meisten älteren Menschen und auch ihre Familien fürchten. Aber es ist auch voller Liebe, Humor und Hoffnung. Mich hat es deshalb zwar nachdenklich gemacht, aber beim Zuschlagen der letzten Seite ein gutes Gefühl hinterlassen.

Wie ich mich einmal in alles verliebte, Stefan Merrill Block
Dumont, 342 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3-832-18039-3

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