Rezension: Wir müssen über Kevin reden (von Lionel Shriver)

5 03 2009

Wir müssen über Kevin reden (Shriver)

Wir müssen über Kevin reden (Shriver)

gelesen von Astrid Walter

Worum geht’s?
 
Kurz vor seinem 16. Geburtstag läuft Kevin in seiner Schule Amok und tötet mehrere Menschen. Von Schuldgefühlen geplagt, versucht seine Mutter Eva in Briefen zu analysieren, wie es zu der Katastrophe kommen konnte. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Frage, ob Eva selbst die Tat hätte verhindern können, wenn es ihr gelungen wäre, ihren Sohn, von dem sie sich stets abgelehnt fühlte, mehr zu lieben.

Und, wie war’s?
 
Für mich das mit Abstand beste Buch der vergangenen Jahre. Obwohl man als Leser die Ausmaße des Horrors erst langsam versteht, haben mich Evas Briefe von Beginn an in die Geschichte gezogen. Auch nach dem wirklich spannenden und schockierenden Ende, das weit über die Inhaltsingabe hinaus geht, blieb „Wir müssen über Kevin reden“ noch lange in meinen Gedanken.
 
Lionel Shriver lässt in einem schlichten und gerade deshalb sehr eindringlichen Schreibstil langsam das berührende Portrait einer gebildeten, erfolgreichen und früher mal zufriedenen Frau entstehen, deren Unglück mit der Geburt ihres Sohnes begann. Das Bild, das Eva durch die Briefe von ihrer Familie zeichnet, machte mir weder sie noch ihren Mann und schon gar nicht Kevin sympathisch. Und trotzdem hatte ich Mitleid mit ihnen allen und habe zwischenzeitlich immer wieder den Atmen angehalten, so sehr lebte ich die Erzählungen mit.
 
Die Briefe sind voller schonungsloser Offenheit und Ehrlichkeit, die geäußerten Eingeständnisse und Erlebnisse scheinen so „wahr“ zu sein, dass mich zeitweise schon das Lesen unglaublich bedrückt, teilweise richtig gehend verstört, hat und ich mir immer wieder vor Augen halten musste, dass es nur ein Roman ist, um danach gut schlafen zu können.
 
„Wir müssen über Kevin reden“ ein ganz großes Buch, das jeder gelesen haben sollte. Und das nicht nur, weil das Thema leider immer wieder aktuell ist und es höchste Zeit wurde, dass es mal jemand abseits der „Killerspiele“-Thematik behandelt.

Wir müssen über Kevin reden, Lionel Shriver
List Taschenbuch, 560 Seiten, 9,95 Euro, ISBN 978-3-548-60742-9

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