Rezension: Die Frau im Mond (von Milena Agus)

30 03 2009

gelesen von Michele Rassinger

Die Frau im Mond (Milena Agus)

Die Frau im Mond (Milena Agus)

Worum geht’s?

„Die Frau im Mond“ erzählt die Geschichte einer Bauerntochter von Sardinien, die 30 Jahre lang vergeblich auf die Liebe gewartet und gehofft hat und letztlich eine Vernunftsehe eingeht. Von ihrer Familie und den Nachbarn als verrückt abgestempelt, zieht sie sich immer mehr in ihre gefühlvolle innere Welt mit ihren Gedichten zurück.

Eine Thermalkur soll ihr Nierenleiden kurieren, aufgrund dessen sie bisher keine Kinder bekommen konnte. Sie sträubt sich innerlich gegen diese Kur, bis sie dort einen Mann kennenlernt. Einen Mann, der mit seiner Liebe zum Piano und zur Poesie dieses innere Feuer in ihr entfacht, nach dem sie jahrelang gesucht hat. Endlich lernt sie, was es heißt, wirklich zu lieben. Kurze Zeit später gebärt sie ihren einzigen Sohn.

Und, wie war’s?

Verzaubert hat mich die kurzweilige und fast schon poetische Sprache dieses kurzen Büchleins, mit der das unerfüllte Leben der Großmutter geschildert wird, die in Konventionen erstickte und ihre Gefühle nie ausleben konnte. Die Geschichte wird von der Enkelin erzählt, die ihre eigenen Erfahrungen und Erlebnissen mit ihrer Großmutter in die Handlung einbaut.

Verwundert hat mich das Verhalten des Großvaters, der offensichtlich nur daran interessiert war, dass seine Frau ihm die Dienste erbrachte, die er vorher teuer im Bordell bezahlt hat. Alles andere zählte für ihn nicht. Mir fällt es schwer, nachzuvollziehen, wie man ein ganzes Leben mit jemanden verbringen kann, ohne auch nur irgendwelche Gefühle für ihn zu empfinden.

Völlig unpassend in diesem Roman ist die Schilderung der Sexpraktiken. Das passt – und gehört – einfach nicht in diese Geschichte.

Verärgert hat mich der Schluss. Alles nur ein Phantasiegespinst? Das nimmt dem Ganzen die Grundlage. Und wenn die Grundlage fehlt, dann bleibt nur noch die schöne Sprache. Das ist leider zu wenig.

Die Frau im Mond, Milena Agus
dtv, 144 Seiten, 7,90 €, ISBN 3423137363


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