Rezension: Hector und die Entdeckung der Zeit (von Francois Lelord)

1 04 2009
gelesen von Michele Rassinger

Hector und die Entdeckung der Zeit (Francois Lelord)

Hector und die Entdeckung der Zeit (Francois Lelord)

Worum geht’s?

Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück ist der dritte Band über den Psychiater Hector (Rezension Band 1; Rezension Band 2).

Hectors Patienten haben alle irgendwelche Probleme mit der Zeit; dem einen vergeht sie zu schnell, dem anderen zu langsam, der eine bemisst sie in Hundeleben, der andere fühlt sie in seinem Bauch ticken. Auch privat wird Hector mit der Zeit konfrontiert; so fragt er sich z.B. ob er nicht schon zuviel Zeit verloren hat und seine Freundin Clara nun endlich heiraten soll.

Während er sich Gedanken über die Zeit macht, verfasst er kurze Zeit-Etüden, die einem helfen sollen, mit der Zeit besser umzugehen. Da er einen angemessenen Gesprächspartner zu diesem Thema braucht, möchte er mit dem alten Mönch sprechen. Doch dieser ist unauffindbar. Also macht sich Hector auf die Suche nach ihm und lernt dabei allerhand über die Zeit.

Und, wie war’s?

Absolut enttäuschend. Von „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ und „Hector und die Geheimnisse der Liebe“ war ich ja wirklich begeistert. Doch bei diesem dritten Band habe ich mich die meiste Zeit durch die Seiten gequält und das auch nur aus zwei Gründen: Ich wollte die Reihe komplettieren und ich hatte die Hoffnung auf eine Wende. Diese kam leider nicht.

Den lapidaren und flapsigen Schreibstil war ich ja schon gewöhnt. Doch ich hatte den Eindruck, als hätte Francois Lelord hier nochmal eins oben drauf gelegt. Genauso wie bei den zufällig anmutenden Sätzen über die Zeit, wie z.B. dass an Hectors Möbeln die Zeit nicht spurlos vorüber gegangen ist. Sätze dieser Art werden so häufig eingepflochten, dass ich beim Lesen nur noch die Augen verdreht habe.
Anstrengend und nervig fand ich auch die vielen Träume, die Hector hat und dass er in diesem Buch wohl sein gesangliches Talent entdeckt hat; alle Nase lang fällt ihm (oder einer seiner Freunde) irgendein Lied ein, dass dann geträllert werden muss. Was bitte soll das?

Sehr auffällig und lächerlich ist das triebgesteuerte Verhalten von Hector. So wird 10x betont, dass er auf seiner Reise seiner Clara treu bleiben will und nicht mit dieser und jener Frau, die ihm zufällig über den Weg läuft, gleich in die Kiste springt. Dabei hatte ich den Eindruck, dass Lelord ihm dafür am liebsten die Ehrenmedaille verliehen hätte. Dass im Nachwort dann noch erwähnt wird, dass Lelords Freunde und Bekannte in Hector Lelord selbst wiedererkannt haben, baut nicht gerade ein gutes Image auf.

Alles in allem rate ich von diesem Buch vehement ab. Die ersten beiden Bände sind wirklich zu empfehlen, aber glücklicherweise ist ja jedes für sich abgeschlossen, so dass keine Notwendigkeit besteht, sich durch dieses zu quälen.

Hector und die Entdeckung der Zeit, Francois Lelord
Piper, 224 Seiten, 8,50 €, ISBN 3492252672


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3 responses

19 07 2009
Randnotiz: Kein schlimmerer Dieb als ein schlechtes Buch « Leselust

[…] Pia Frankenberg, Nora Cilla Naumann, Eriks Zimmer Nick McDonell, Der dritte Bruder Francois Lelord, Hector und die Entdeckung der Zeit Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz Kate Pepper, 7 Minuten zu […]

4 06 2009
Lieblingssätze_ « Leselust

[…] Francois Lelord, Hector und die Entdeckung der Zeit […]

1 04 2009
Rezension: Hector und die Geheimnisse der Liebe (Francois Lelord) « Leselust

[…] Hector und die Geheimnisse der Liebe ist der zweite Band über den Psychiater Hector (Rezension Band 1; Rezension Band 3). […]

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