Rezension: Der Vorleser (von Bernhard Schlink)

2 04 2009
Der Vorleser (Schlink)

Der Vorleser (Schlink)

gelesen von Astrid Walter 

Worum geht’s?

Hals über Kopf verliebt sich ein 15-Jähriger in die deutlich ältere Hanna Schmitz. Aus anfänglichem Sex wird ernsthafte Zuneigung. Entsprechend verletzt ist der Junge, als die schon immer ein bisschen geheimnisvolle Frau auf einmal umzieht, ohne ihm ihre neue Adresse zu hinterlassen. Erst Jahre später sieht er sie wieder: Als Angeklagte in einem Prozess gegen die Wärterinnen eines Konzentrationslagers.
 
Und, wie war’s?

So nichtssagend, dass es mir echt schwer fällt, diese Rezension zu schreiben. Vor einigen Jahren (das Buch trägt noch den DM-Preis) habe ich „Der Vorleser“ zum ersten Mal gelesen. Als er jetzt als hoch gelobter Film in die Kinos kam, wollte ich das zum Anlass nehmen, um über das Buch schreiben. Doch schon bei der Zusammenfassung musste ich passen, ich konnte mich an zu wenig erinnern. Also habe ich das Buch jetzt nochmal gelesen und bin genauso wenig beeindruckt wie beim ersten Mal.

Klar, „Der Vorleser“ liest sich flüssig und Schlinks Sprache ist wirklich sehr präzise. Aber der Inhalt überzeugt mich nicht. Da geht es auf nur 200 Seiten um die ungleiche Liebe zwischen einem Teenager und einer Mittdreißigerin, Analphabetismus und Nationalsozialismus. Die Beziehung begann und endete für mich zu schnell, entsprechend wenig fühlte ich dann mit, als Hanna Schmitz vor Gericht stand.

Während bei der Geschichte weniger mehr gewesen wäre, hätte ich mir die Gedankengängen des Ich-Erzählers gerne ausführlicher gewünscht. Die Grundkonstellation bietet nämlich durchaus Stoff für reichlich Selbstzweifel, Konflikte, Gefühle und große Fragen nach Schuld und Vergebung. Aber alles wird nur kurz angedacht, Schlink ist keinem Aspekt soweit nachgegangen, dass es interessant geworden wäre.
 
Der Vorleser, Berhard Schlink
Diogenes, 207 Seiten, 14,90 Euro, ISBN 3-257-22953-4
Advertisements

Aktionen

Information

8 responses

8 12 2010
ein andere Hanna

Astrid, ich glaube dass du nicht richtig das Buch verstanden hat. Zum Ersten fand ich auch dass das Verhältnis zwischen Michael und Hanna zu kurz war, aber als ich das Buch weitergelesen habe, verstand ich dass es kurz war aber Tiefe Spuren hinterlassen hat. An beide. Und Hanna, sie ist nicht eine Analphabetin und Nationalsozialistin wenn Michael sie kennengelernt hat! Das ist nicht die Person, die er liebt. Sie ist so viel mehr, man soll sie nicht flach und einfach machen. Und nichtssagend? Das ist das Letztes Adjektiv, das ich benutzen würde, dieses Buch zu beschreiben. Ich bin wahrlich berührt.

8 12 2010
Sofia

Ich habe auch das Buch in der Schule gelesen, und ich stimme dir zu, dass es gibt zu wenig von der Gedankengänge des Erzählers. Groβe Fragen wie Schuld, Vergebung, Bosheit und Liebe wurden betreffenden, aber es scheint aus als der Verfasser zu wenig über die Hauptpersonen, die Veranstaltungen und die Umstände erzählt. Man kann verstehen, dass der Ich-Erzähler verwirrt ist und sich verloren fühlt. Aber ich glaube der Roman braucht ein bisschen mehr von die internen Dialog des Erzählers, weil es nicht immer so klar ist, was er denkt oder philosophiert über. Das Meldungen und Nachricht des Verfassers scheint mir etwas vage und doppelsinnig sein.

8 12 2010
Der Bücherwurm

Ich stimme dir zu, dass das Buch nicht immer so ereignisreich ist, weil man die großen Fragen ausführlicher antworten können hätte. Ich finde auch, dass die Sprache ein bisschen zu hochtrabend ist, wenn man als Leser über den Zweck des Buchs denkt.

Trotz des offenbaren Mangels an Spannung, der in gewissen Teilen besonders deutlich wird, beschreibt der Autor die Gefühle den Hauptpersonen in einem Weg, der man nicht nur ignorieren kann. Vielleicht beruhen die verschiedenen Eindrücke auf den verschiedenen Betrachtungsweisen, die wir alle haben.

8 12 2010
Fräulein Vorleserin

Hallo Freuden! Ich lese auch das Buch in der Schule und ich finde es super! Ich mag, dass die Erzähler spricht über schwierig Themen und ich glaube, dass wir müssen über diesen Themen sprechen. Es tut mir leid, dass es enttäuscht dir Astrid, weil ich finde es so wundervoll. Ich finde es auch sehr gut, dass die Lehrer enthält das Buch in den Lehrplan, doch kann ich verstehe, dass es ein bisschen langweilig ist.

8 12 2010
Elin

Hallo,
Ich verstande deine Meinung. Die Sprache ist sehr präzise und ich kann sehen was Sie meint wann Sie sagt dass das Buch zu kurz sind, es ist ein sehr kurzen Buch. Aber ich denke nicht wie Sie. Ich finde dass es ist ein schönes Abwechslung von die viele anderen sehr lange Buchen, ich bin froh dass Bernhard Schlink hat ein kurzen Buch wie diskutiert ein schwerigen Thema geshreibt. Es ist ein bisschen wie Ernest Hemmingway, nicht die Sprache, aber dass es kurz ist und dass Bernhard Schlink findet 200 Seiten genug fur sein Geschichte. Es ist ein nur gutes Autor dass kan viele sagen in einige Seiten.

8 12 2010
Herr Vorleser

Ich finde das Buch sehr präzise und sprachliche fortgeschrittene, aber ein bisschen ansprochsvoll. Danke für eine intresante und ehrliche Rezension.

28 05 2010
Astrid Walter

Hallo Bayfan, schön, dass Dir das Buch besser gefallen hat. Wie Dir geht es sicher auch vielen anderen Lesern, sonst wäre „Der Vorleser“ wohl kaum ein Buch geworden, das in der Schule gelesen und verfilmt wird. Ich weiß noch, dass ich beim ersten Lesen total enttäuscht war, weil es mir so gar nichts gesagt hat. Vielleicht trifft Schlink einfach nicht meinen Nerv. An mangelnder Vorkenntnis kann es jedenfalls nicht liegen, dafür haben die Lehrer, die in sämtlichen Fächern von Religion über Sachkunde bis Deutsch und Geschichte den Nationalsozialismus immer wieder auf den Lehrplan setzten, schon gesorgt…

27 05 2010
bayfansbuecherwelt

Ich musste das Buch in der Schule lesen und stimme dir in den meisten Punkten zu, doch finde ich, dass die Situationen von Michael und Hanna schon sehr gut beschrieben worden sind und man sich in das Buch hereinversetzen kann. Außerdem finde ich, dass Schlink den Aspekten im Buch schon so nachgegangen ist, dass es interessant war. Vielleicht hat er auch beim Nationalsozialismus einfach eine Vorkenntnis der Leser vorausgesetzt oder wollte anrege, sich mehr zu informieren.

Wir freuen uns über Deine Meinung

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s