Rezension: Ohne sie (von Kluun)

30 05 2009
gelesen von Michele Rassinger

Ohne sie (Kluun)

Ohne sie (Kluun)

Worum geht’s?

Mitten ins Gesicht“ erzählte von Carmens Krebserkrankung und die Auswirkungen auf ihren Mann Stijn und deren kleine Tochter Luna. Diese Zeit war geprägt von Leid, Schmerz und Angst. Doch sie haben es irgendwie durchgestanden. Nun ist Carmen tot und Stijn und Luna müssen ohne sie auskommen.
Stijn bewältigt dieses neue Problem wie schon zuvor: mit Sex, Alkohol und diesmal auch Drogen. Für Luna nimmt er sich zwischendrin mal etwas Zeit, aber weder gibt er ihr die nötige Aufmerksamkeit noch die Liebe und Zuwendung, die dieses kleine Mädchen nach dem Tod ihrer Mutter bräuchte.

Ein exzessiver Urlaub auf Ibiza mit seinen Party-Freunden macht Stijn klar, dass es so nicht weitergehen kann. Er beschließt, mit Luna nach Australien zu reisen. Er möchte wieder zu sich selbst finden und all die Orte besuchen, die Carmen damals bei ihrer Weltreise besichtigt hatte.

Und, wie war’s?

Zu Beginn gibt es eine kurze Rückblende auf „Mitten ins Gesicht„. Die habe ich rasch überblättert, weil ich das Buch ja bereits gelesen hatte. Der erste Teil des Buches ist vorherrschend ordinär. Stijns Alkohol-, Drogen- und Sexexzesse werden ausführlich und sehr plump und vulgär geschildert. Ich hätte darauf verzichten können. Obwohl damit natürlich dargestellt werden soll, wie Stijn vor der Realität und der Trauer um seine verstorbenen Frau flüchtet und man vermutlich Mitleid mit ihm empfinden soll, empfand ich nur Antipathie. Dieser arme Mensch, der es sich leisten kann, einfach nicht mehr zu arbeiten, ein 400 m² großes Häuschen mitten in Amsterdam besitzt und tut und lässt, was er will, tat mir nicht wirklich leid.

Der Urlaub auf Ibiza stellt den Wendepunkt dar und mit seiner Reise durch Australien wandelt sich Stijn zu einem ruhigen, geduldigen und vernünftigen Menschen, der die Liebe zu seiner Tochter entdeckt.
Der autobiografische Hintergrund von „Mitten ins Gesicht“ und „Ohne sie“ legt nahe, dass dies tatsächlich so war – oder zumindest im Ansatz.
Doch der krasse Gegensatz zu Stijns bisherigem Verhalten und seine plötzliche Einsicht, was das Leben wirklich für ihn zu bieten hat, wirkten etwas unrealistisch.

Die Geschichte von Carmen in „Mitten ins Gesicht“ hat mich interessiert und sehr bewegt. „Ohne sie“ hingegen ist ein Buch, dass man nicht wirklich braucht. Es ist nett zu lesen, aber mehr auch nicht. Es kommt an seinen Vorgänger einfach nicht ran.

Ohne sie, Kluun
Fischer,  304 Seiten, 8,95 €, ISBN 3596175925


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