Randnotiz: Kein schlimmerer Dieb als ein schlechtes Buch

19 07 2009

angemerkt von Michele Rassinger und Astrid Walter

Sternenwanderer ruft zur Blogparade auf und möchte, dass wir uns mit etwas zu befassen, für das die Zeit eigentlich viel zu schade ist: Schlechte Bücher.

„Was macht für euch ein schlechtes Buch aus? Was sind eure Bewertungskriterien für Literatur bei diesem Aspekt? Welches Buch werdet ihr nie wieder in die Hand nehmen und auch nicht weiter empfehlen? Und warum? Oder aber gibt es Bücher, die sich auf den ersten Blick als Fehlkäufe erwiesen haben, die ihr in einem bestimmten Alter gelesen und als schlecht befunden hat und das hat sich, bei erneuter, vielleicht zufälliger Lektüre, geändert? Haben sich eure Vorstellungen, was ein gutes bzw. ein schlechtes Buch ausmachen, geändert? Oder gibt es Autoren, die ihr automatisch, ohne auch nur ein Buch von ihnen gelesen zu haben, nicht in die Hand nehmt und vor allem, warum?“

Micheles Antworten:
Ein schlechtes Buch versteckt sich manchmal hinter einem wunderschönen Cover und lockt mit einem interessanten, lustigen oder auch spannenden oder geheimnisvollen Klappentext.  Manchmal steckt sogar ein bekannter und beliebter Autor dahinter und man ist sich sicher, ein kleines Schmuckstück erworben zu haben.

Manch ein schlechtes Buch zeigt sein wahres Wesen bereits auf den ersten Seiten; durch eine verworrene Sprache, durch überladenen Kitsch oder dadurch, dass ich nach ein paar Seiten merke, dass ich völlig abgeschaltet habe und gar nicht mehr weiß, worum es nun geht.

Es kommt aber auch vor, dass ein Buch vielversprechend anfängt und dann stetig an bergab geht; weil manche Dinge völlig unlogisch sind oder weil die Geschichte am eigentlichen Thema vorbeigeht. Richtig schade ist es, wenn der Autor es nicht schafft, seine Geschichte und vor allem die Personen so lebhaft werden zu lassen, dass man daran Anteil nimmt.

Bei manchen Büchern schreckt mich aber schon das Cover ab. Thriller haben oftmals ein lächerlich blutrünstiges Cover, z. B. ein blutverschmiertes Messer. Das ist mir zu plump. Fürchterlich finde ich auch die typischen Frauenromane, bei denen ein weibliches Model mit Plüschschuhen und buntem Nachthemd auf dem Bett liegt, in der einen hand den Teddy, in der anderen das Telefon. Wichtig sind aber auch die Buchtitel. So etwas wie „Die schottische Brautjagd“ oder „Nur der Tod kann dich retten“ würde ich erst gar nicht in die Hand nehmen.

Hier eine Auswahl meiner persönlichen „bad books“:
Pia Frankenberg, Nora
Cilla Naumann, Eriks Zimmer
Nick McDonell, Der dritte Bruder
Francois Lelord, Hector und die Entdeckung der Zeit
Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz
Kate Pepper, 7 Minuten zu spät

Astrids Antworten:
Als ich von der Blogparade gelesen habe, erinnerte ich mich sofort mit Grauen an ein Buch zurück: Berlin Alexanderplatz von Alfred Döblin. In der Schule musste ich es lesen, wurde darüber auch geprüft, und doch es gehört zu den ganz wenigen Werken, wenn es nicht sogar das einzige ist, die ich nie fertig gelesen habe. Interessant dabei ist, dass Berlin Alexanderplatz auf fast jeder Liste der 20/50/100 wichtigsten/besten/muss-jeder-gelesen-haben Bücher steht. Offensichtlich gibt es also viele Menschen, die eine komplett konträre Meinung darüber haben. Damit ist schon mal klar: ob ein Buch gut oder schlecht ist, ist eine sehr subjektive Einschätzung.

Für mich ist vor allem der Stil eines Autors entscheidend, der Inhalt ist mir verhältnismäßig egal. Jede Geschichte, ob spannend, romantisch, traurig, nachdenklich, belehrend, kitschig, amüsant… kann gut oder schlecht erzählt werden. Und selbst Bücher, in denen gar nichts passiert, können grandios sein, wenn nur der Erzählstil stimmt.

Was für mich ein guter Stil ist, kann ich nicht so leicht an festen Kriterien messen. So Dinge wie „kurze Sätze sind besser als lange Schachtelsätze“ greifen da nicht. Obwohl ich nicht näher erklären kann, was ich als guten Stil empfinde, merke ich schon nach wenigen Sätzen, ob ein Buch das Potential hat, mich zu berühren. Und darum geht es für mich bei Büchern (abgesehen von Sachliteratur): Sie müssen mich emotional berühren, damit ich sie als gut empfinde.

Autoren, die ich ohne je was von ihnen gelesen zu haben, nicht anrühren würde, gibt es nicht. Fehlkäufe, die ich später dann doch noch zu schätzen gelernt habe, auch nicht. Zum einen lese ich Bücher, die mir nicht gefielen, nicht nochmal – ich behalte sie meistens nicht mal. Und zum anderen hat sich mein Geschmack über die Jahre kaum geändert. Was mich mit 10 begeistert hat, begeistert mich auch heute noch, was ich mit 18 grottig fand, möchte ich auch jetzt nicht lesen müssen.


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19 07 2009
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