Rezension: Drachenläufer (von Khaled Hosseini)

3 11 2009

gelesen von Michele Rassinger

Drachenläufer (von Khaled Hosseini)

Drachenläufer (von Khaled Hosseini)

Worum geht’s?

Amir ist der Sohn eines wohlhabenden Afghanen. Der schiitische Hausdiener Ali ist mit Amirs Vater aufgewachsen, ist seit jeher mit der Familie verbunden und lebt zusammen mit seinem Sohn Hassan in einer Hütte neben dem prächtigen Haus.
Hassan und Amir verbringen jede freie Minute miteinander, lassen Drachen steigen, entdecken die Umgebung oder ruhen sich unter ihrem Lieblingsbaum aus, während Amir dem Analphabeten Hassan Geschichten vorliest.
So sehr Amir die Gesellschaft von Hassan genießt, so sehr schämt er sich aber auch in der Öffentlichkeit für seine Freundschaft mit Hassan, denn ein Hazara ist bei den Paschtunen nichts wert und lediglich als Hausdiener geeignet. Obwohl sich Amir Hassans unendlicher Treue und Loyalität gewiss ist, schafft er selbst es nicht, in einer dramatischen Situation für seinen Freund einzustehen und verändert beider Leben damit unwiderruflich.

Und, wie war’s?

Mir fiel es anfangs recht schwer, einen Einstieg in das Buch zu bekommen. Doch mit dem Schlüsselerlebnis nach den ersten 60 Seiten hat mich die Handlung in ihren Bann gezogen. Die mir bis dahin weitgehend unbekannten Bräuche der afghanischen Kultur haben sich mir auf befremdliche, aber auch interessante Weise durch Hosseinis Erzählung gezeigt.

Khaled Hosseini erzählt so lebhaft, dass ich die Handlung wie einen Film vor meinem inneren Auge gesehen habe und Amirs Leben neugierig gefolgt bin.

Sehr tragisch ist Amirs lebenslanger Versuch, vor seinem Vater zu brillieren und seine Aufmerksamkeit und seinen Stolz auf sich zu ziehen. Die fehlende Anerkennung setzt ihm dermaßen zu, dass er sogar seinen besten Freund verrät. Diese unerträgliche Schuld verfolgt ihn sein ganzes Leben und beeinflusst seine Handlungen unbewusst.

Nicht nur Amir, sondern auch sein Vater und Hassan sind wunderschön und detailliert gezeichnete Charaktere, denen es an Menschlichkeit aufgrund all ihrer Stärken, Schwächen und Verfehlungen nicht mangelt.

„Drachenläufer“ ist so bewegend, traurig und menschlich, dass ich es jedem nur weiterempfehlen kann.

Drachenläufer, Khaled Hosseini
bvt, 385 Seiten, ISBN 383330149X, 10,50 €


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4 responses

12 01 2010
Michele Rassinger

Hallo Nina,

ich kann’s Dir wirklich wärmstens empfehlen. Und ich selbst war ja anfangs auch mehr als skeptisch. Aber es hat sich sehr gelohnt!

Liebe Grüße
Michele

11 01 2010
Nina [libromanie]

Ich befürchte, dass mir der Einstieg in die Geschichte auch etwas schwerfallen wird, weil das einfach mal eine ganz andere Welt für mich ist. Nach den ganzen positiven Reaktionen wird es aber trotzdem Zeit, dass ich das Buch endlich mal zur Hand nehme.

Liebe Grüße,
Nina

12 11 2009
Michele Rassinger

Gegen Ende wird es tatsächlich recht „actionreich“. Allerdings glaube ich, dass dies zumindest zu 80% die harte Realität ist. Natürlich schmückt Hosseini das ganze noch ein bißchen aus. Daran kommt man ja heutzutage kaum noch vorbei – egal, ob im Buch oder im Film.

12 11 2009
Settembrini

Naja, ich fand, dass es zum Ende hin ein bisschen sehr zum „Actionfilm“ wird.

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