Rezension: Die einzige Wahrheit (von Jodi Picoult)

3 02 2010

gelesen von Michele Rassinger

Die einzige Wahrheit (Jodi Picoult)

Die einzige Wahrheit (Jodi Picoult)

Worum geht’s?

Amische lügen nicht. Amische betrügen nicht. Und Amische töten ganz gewiss nicht.
Doch genau das wird der jungen Katie vorgeworfen. Die Polizei findet auf dem Hof ihrer Eltern ein totes Neugeborenes unter Decken im Stall und alle Beweise sprechen eindeutig gegen Katie. Das amische Mädchen wird festgenommen und angeklagt. In der fremden Welt der Englischen fühlt sie sich völlig eingeschüchtert und verängstigt. Keiner glaubt ihr, dass sie das Kind nicht geboren und erst recht nicht geötet hat.

Ihre Tante, die vor Jahren aus der amischen Gemeinde verbannt wurde und seither ein normales Leben als Englische führt, steht ihr bei. Sie überredet ihre Nichte Ellie, Katie als Anwältin zu vertreten. Ellies eigene Zweifel werden durch das ablehnende Verhalten von Katies Vater und die Wiederstände durch die für sie befremdlichen Regeln und Ritualen der amischen Glaubensgemeinschaft verstärkt. Doch Ellie nimmt den Kampf gegen die Justiz und gewissermaßen auch gegen ihre eigene Klientin auf.

Und, wie war’s?

Eine Geschichte, die im Zentrum einer amischen Glaubensgemeinschaft spielt. Das hat mich auf „Die einzige Wahrheit“ sehr neugierig gemacht. Bis dato wusste ich über dieses Thema, was man eben so weiß: Amische leben abseits der zivilisierten Welt, sie fahren Kutschen statt Autos, sie versorgen sich fast auschließlich durch eigenen Anbau und Viehzucht, sie nutzen keinen elektrischen Strom und haben einige seltsam anmutenden Anschauungen und Regelungen.
Jodi Picoult brachte mir diese fremde Welt sehr anschaulich aus den verschiedenen Perspektiven nahe und die Geschichte, die im Leben dieser Leute spielt, ist sehr unterhaltsam. Der Konflikt durch die unterschiedlichen Weltanschauungen kommt durch Ellie und Katie sehr gut hervor, so dass ich mich beim Lesen automatisch damit auseinandergesetzt habe, was die Amischen von uns „normalen“ abgrenzt.

Neben ein paar wenigen Längen gibt es einige kleine Schönheitsfehler. Ellie wird als knallharte und professionelle Anwältin dargestellt. Allerdings stellt sie in den entscheidenden Momenten nicht die richtigen Fragen. Nicht, dass dadurch etwas total unlogisch erscheinen würde. Aber es gibt Kleinigkeiten, die wirklich auf der Hand liegen, die die Autorin aber einfach missachtet (z.B. warum brannte im Stall das Licht? Wie kann Ellie Katies Aussage kurz vor Prozessende so missdeuten?).

Insgesamt hat mich „Die einzige Wahrheit“ aber überzeugt. Das vermittelte Hintergrundwissen ist ungeheuer interessant und lehrreich. Und die Kriminalgeschichte ist spannend und gut aufgebaut.

Die einzige Wahrheit, Jodi Picoult
Piper, 464 Seiten, ISBN 3492237169, 9,95 €


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