Rezension: Bordeaux (von Paul Torday)

18 02 2010

Bordeaux

Bordeaux

gelesen von Astrid Walter

Worum geht’s?

Frankie Wilberforth lebt nur für seine eigene IT-Firma. Tag und Nacht programmiert er, ausschließlich unterbrochen von kurzem Schlaf und pflichtschuldigen Besuchen bei seiner Adoptivmutter. Erst als er zufällig an einem kleinen Weinladen vorbei kommt und die dort anwesenden Mitglieder der britischen High Society ihn in ein Gespräch verwickeln, dämmert Wilberforth, dass es vielleicht auch für ihn so etwas wie ein Privatleben mit Freizeit und Freunden geben könnte. An einem sonnigen Tag beschließt er, dass sich ab jetzt alles zum Besseren wenden wird. Ein Irrtum.

Und, wie war’s?

„Bordeaux“ erzählt auf eindringliche Weise die traurige Geschichte vom langsamen Verfall eines erfolgreichen Informatikers bis zum komplett ruinierten Alkoholiker. Trotzdem hat mich das Buch beim Lesen nicht bedrückt, sondern stellenweise sogar fröhlich gestimmt oder gar zum Lachen gebracht. Dabei ist „Bordeaux“ nicht platt komisch oder so überzogen, dass es lustig wäre. Paul Torday amüsiert den Leser, indem er alles aus Sicht seines Protagonisten erzählt – und Wilberforth ist weder mit seinem einsamen Programmiererleben unglücklich, noch bezeichnet er sich selbst je als Alkoholiker.

Das Buch ist antichronologisch aufgebaut. Auf den ersten Seiten wird das ganze Drama von Wilberforth‘ Leben ausgebreitet, danach taucht der Leser in drei weiteren Kapiteln in die Vergangenheit ein. Obwohl das Ende schon früh bekannt ist, kam bei mir beim Lesen keine Minute Langeweile auf. Zu neugierig war ich, zu erfahren, wie aus Wilberforth wurde, was er zum Schluss ist. Torday verwebt die einzelnen Abschnitte dabei nicht nur inhaltlich überaus geschickt, sondern greift vorherige Sätze auch sprachlich kunstvoll auf. Bei ihm sitzt jeder Satz.

Alles in allem ist „Bordeaux“ ein wahrer Genuss; ganz gewiss nicht nur, aber auch für Weinkenner.

Bordeaux. Ein Roman in vier Jahrgängen, Paul Torday
Berlin Verlag, 336 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3827008084

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One response

19 02 2010
Jenny

Vielen Dank für die Rezension! Ich freue mich darüber, weil es mir die Entscheidung abnimmt, was ich als nächtest hören werde. Ich war schon eine geraume Zeit am hin und her überlegen, ob ich mir das entsprechende Hörbuch zulegen soll. Das werde ich jetzt auf jeden Fall tun.

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