Rezension: Grabesgrün (von Tana French)

21 07 2010
Grabesgrün (French)

Grabesgrün (French)

gelesen von Astrid Walter

Worum geht’s?
Rob Ryan und Cassie Maddox sind das Traumteam der irischen Mordkommission. So eng befreundet, dass sie sich ohne Worte verstehen, arbeiten sie eng zusammen. Die Kollegen sind fest davon überzeugt, dass die beide mehr verbindet als nur gute Zusammenarbeit und platonische Freundschaft. Doch Rob und Cassie lassen die Spekulationen kalt, sie stürzen sich lieber auf ihren neuen Fall: An einer Ausgrabungsstelle wird auf einem Opferaltar ein kleines Mädchen ermordet aufgefunden.
Verdächtige gibt es schnell viele, eindeutige Beweise dafür umso weniger. Die Ausgrabungen sollen zugunsten einer neuen Straße frühzeitig beendet werden. Der Vater des toten Mädchens leitet eine Initative gegen den Straßenbau und macht sich damit viele mächtige Feinde.Die Suche nach dem Mörder stellt Cassie und vor allem Rob vor eine Bewährungsprobe. Denn als Rob 12 war, sind in genau dieser Gegend seine zwei besten Freunde verschwunden. Er selbst wurde mit Schuhen voller Blut, aber ohne eigene Verletzungen, im Wald gefunden. Das Mädchen und der Junge tauchten nie wieder auf, aber die Haarspange des Mädchens findet sich bei den Untersuchungen des aktuellen Mordfalls am Opferstein.

Und, wie war’s?

„Grabesgrün“ ist ein intelligenter Krimi mit literarischem Anspruch. Sprachlich ist das Buch ein Hochgenuss. Tara French versteht es wunderbar, Atmosphäre zu erzeugen und Stimmungen einzufangen. Ihre Worte lassen Bilder im Kopf entstehen. Dankenswerter Weise verwendet sie diese seltene Begabung nicht, um besonders blutrünstige Szenen vorzuführen. Im Gegensatz zu grausamen Thrillern, die den Leser vor Schrecken und Angst kaum durchatmen lassen, setzt „Grabesgrün“ auf eine leise, dafür umso länger nachwirkende Spannung, und die Fantasie der Leser.

Das Buch ist aus der Ich-Perspektive von Rob Ryan geschrieben. Langsam nur findet er seine Erinnerung an die Geschehnisse im Wald vor 20 Jahren wieder. Ungeduldig habe ich darauf gewartet, endlich zu erfahren, was mit seinen Freunden und ihm passiert ist. Dabei ist nie ganz klar, ob Rob sich wirklich erinnert, oder langsam durchdreht. Tief taucht der Leser in die Psyche der Hauptpersonen ein, selbst Randfiguren sind noch fein bis ins Detail gezeichnet. Die Dynamik zwischen den Handelnden macht einen guten Teil der Spannung im Buch aus. Besonders gut gelungen sind neben den atmosphärischen Beschreibungen die Dialoge. Geschickt geführte Verhöre und amüsante persönliche Gespräch haben mich gleichermaßen in den Bann gezogen.

Tana French traut sich, nicht jede Frage zu beantworten, nicht jedes Rätsel zu lösen. Am Ende ist nicht einfach alles wieder gut. Das macht das Buch für mich besonders gelungen. Die Geschichte wirkte dadurch realer, denn auch in der Wirklichkeit gibt es eben keinen Superpolizisten, der mit einer richtigen Frage alle Lösungen aufdeckt.

Grabesgrün, Tana French
Fischer Taschenbuch, 672 Seiten, 8,95 Euro, ISBN 978-3-596-17542-0
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One response

31 10 2010
Rezension: Totengleich (von Tana French) « Leselust

[…] Fall in „Grabesgrün“ hat sie in den Sand gesetzt. Nun versucht die junge Polizistin Cassie Maddox mit einer […]

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