Rezension: Der Feind im Schatten (von Henning Mankell)

10 08 2010

Der Feind im Schatten (Mankell)

Der Feind im Schatten (Mankell)

gelesen von Juliane Rusche

Worum geht’s?

Durch neun Kriminalfälle musste sich Henning Mankells Kommissar Wallander seit seiner Erfindung vor fast 20 Jahren kämpfen. Mit „Der Feind im Schatten“ kommt die wohl beliebteste aller Krimireihen nun zu einem Ende. Kurt Wallander erkrankt an Alzheimer, langsam verabschiedet er sich ins trübe Vergessen. Vorher aber lässt Mankell seinen widerspenstigen Helden noch einen Fall bearbeiten. Die Schwiegereltern von Wallanders Tochter Linda verschwinden kurz nacheinander spurlos, es gibt keine Anzeichen von Gewalt oder einer Entführung. Linda zuliebe widmet sich Kurt Wallander dem Fall trotzdem – und reist weit in die Vergangenheit Schwedens. Es geht um den Kalten Krieg, es geht um amerikanische und russische Spione, auch U-Boote spielen eine große Rolle. Letztlich ist all das aber nur Rahmenprogramm: „Der Feind im Schatten“ zelebriert in erster Linie seinen alt gewordenen Helden und dessen Marotten.

Und, wie war’s?

Henning Mankell muss beim Schreiben dieses Romans klar gewesen sein: Niemand liest den letzten Wallander, um die Aufklärung eines Kriminalfalles zu verfolgen – der in diesem Fall übrigens nur mäßig gut konstruiert ist. Und: Niemand liest den letzten Wallander, ohne einen der neun anderen Fälle des Ystader Kommissars zu kennen. „Der Feind im Schatten“ ist von der ersten bis zur letzten Seite ein Abschied. Viele der alten Fälle werden noch mal angerissen, der Kommissar versinkt in Selbstzweifel und -reflektion, alte Lieben tauchen auf, große Gefühle sind ungewöhnlich präsent.

Schon nach wenigen Seiten stand für mich fest: Es ist nicht der beste Roman, den der schwedische Starautor in den vielen Jahren seines Schaffens abgeliefert hat; es ist womöglich einer der schlechtesten. Im Laufe des Lesens hat sich dieser Eindruck bestätigt. Wären die Vorgängerbücher und ihre Handlungen nicht so präsent und hätten mir teilweise sehr gut gefallen, womöglich hätte ich dieses Werk nicht zu Ende gelesen. „Der Feind im Schatten“ ist oft langatmig, verliert sich gerne in Details und Gefühligkeiten und hat mit einem Kriminalroman so gut wie gar nichts zu tun. Immerhin liefert Henning Mankell damit einen Grund, guten Gewissens zu sagen: Schön, dass es jetzt vorbei ist. Es ist an der Zeit für neue Helden.

Der Feind im Schatten, Henning Mankell
Zsolnay, 592 Seiten, 26 €, ISBN 978-3552054967


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