Rezension: Die Essensfälscher (von Thilo Bode)

18 01 2011
Die Essensfälscher (Bode)

Die Essensfälscher (Bode)

gelesen von Juliane Rusche

Worum geht’s?

Mit seinem Sachbuch möchte Thilo Bode, ehemaliger Greenpeace-Chef und Gründer der Verbraucherschutzorganisation „foodwatch e. V.“, die dreisten Lügen der Nahrungsmittelkonzerne aufdecken. In Kapiteln mit Überschriften wie „Die große Irreführung als Wachstumsstrategie der Lebensmittelkonzerne“ klärt er darüber auf, welche Täuschungsmanöver genutzt werden, um Verbraucher zum Geldausgeben zu bewegen.

Dabei legt der Diplom-Volkswirt besonderen Wert auf Verständlichkeit – und arbeitet mit zahlreichen Beispielen aus der Praxis. Der Leser erfährt unter anderem, warum Kinderprodukte oft Zuckerbomben sind, welche Gaukelei hinter regionalen Herkunftsversprechen wie „Original Schwarzwaldschinken“ liegt und welche Zusatzstoffe sich in angeblich gesunden Lebensmitteln verstecken.

Und, wie war’s?

Thilo Bode hat sein Buch für ein Massenpublikum geschrieben. Dementsprechend ist „Die Essensfälscher“ kein anspruchsvolles Sachbuch, das vor Fachausdrücken wimmelt, sondern die 224 Seiten lassen sich recht zügig und entspannt durchlesen. Das liegt natürlich auch an den vielen Beispielen, die der 63-Jährige einstreut – hier greift Bode auf Markennamen und Produkte zurück, die in jedem Supermarkt zu kaufen sind, intensiv beworben werden und deshalb (fast) jedem ein Begriff sein dürften.

Wer sich zuvor noch nie mit Werbestrategien, Inhaltsstoffen und den Nährwerten von Nahrungsmitteln beschäftigt hat, wird viel Neues und Empörendes erfahren. Ich war beim Lesen allerdings etwas enttäuscht: Im Vorfeld hatte ich mir einmal die Homepage von „foodwatch e. V.“ angeschaut und ein oder zwei Interviews mit Thilo Bode gelesen. Nach dieser marginalen Vorbereitung kannte ich trotzdem schon die meisten der Beispiele und Darlegungen aus dem Buch; hier hätte ich mehr Tiefgang erwartet.

Natürlich bietet es sich an, Großkonzerne wie Nestlé und Danone ins Visier zu nehmen. Mir war das Bashing einiger weniger Hersteller aber zu einseitig. Darüber hinaus habe ich den Eindruck, dass manche der Themen, auf die Bode sich bezieht, nicht wirklich neu sind. Glaubt wirklich noch jemand, „Actimel“ stärke die Abwehrkräfte? Andererseits legt Bode Verkaufs- und Konsumentenzahlen insbesondere zu diesem Joghurtgetränk vor, die erschreckend sind.

Womöglich kann „Die Essensfälscher“ doch noch wertvolle Aufklärungsarbeit leisten – die Bestsellerlisten verraten, dass das Buch sehr, sehr viele interessierte Leser gefunden hat.

Die Essensfälscher, Thilo Bode
S. Fischer Verlag, 224 Seiten, 14,95 Euro, ISBN 978-3-10-004308-5


Aktionen

Information

3 responses

4 04 2011
Buchkiste

Also ich war total begeistert. Hab zwar wie Patrick auch eine Zeit lang gebraucht, bis ich mich durchgerungen haben es zu lesen, aber als ich dann begonnen hab, konnte ich es nicht mehr weglegen. Wie Patrich bereits angesprochen hat, nennt Thilo Bode Produkte und Konzerne beim Namen die jeder in seinem Kühlschrank hat, oder im Küchenregal aufbewahrt. Es sind Produkte aus dem täglichen Leben, bei denen man nicht mehr überlegt. Was ich sehr gut gefunden habe, ist das Thilo Bode auch Begriffe wie „bio“ oder „Wellness“ angreift und dem Konsument die Augen öffnet. Gute Werbestrategien sind anscheinend immer noch das beste Mittel um alles mögliche verkaufen zu können, egal was es wirklich ist! Und das ist schockierend! Ich würde dieses Buch jedem empfehlen. Die „Actimel Geschichte“ kennen zwar shcon viele, aber so manch andere Produkte genießen noch sehr hohen Status.

12 02 2011
Patrick

Ich habe mich bei dem Buch bisher zurückgehalten, da ich den Titel zu platt finde. Heute habe ich es im Buchladen aber auf der Topseller-Liste wiederentdeckt (immer noch recht weit oben) und erstmal gemerkt, dass es vom foodwatch Gründer ist. Foodwatch beobachte ich schon seit Längerem und finde deren „Aufklärungen“ immer ganz interessant.
Naja, nun habe ich es gekauft und die ersten Seiten angelesen. Man wird tatsächlich gleich mit sehr, sehr bekannten Marken konfrontiert, die man als Konsument kaum noch hinterfragt. Dabei sollte man das offensichtlich tun. Bin gespannt wie es weiter geht.

19 01 2011
Michele Rassinger

Ich fürchte, es gibt noch viel zu viele Menschen, die an die Werbebotschaften von Actimel, Activia usw. glauben und sich somit schön täuschen lassen. Insofern kann man nur hoffen, dass das Buch einen großen Absatz findet und zur Aufklärung beiträgt.

Wir freuen uns über Deine Meinung

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s