Rezension: Der letzte Weynfeldt (von Martin Suter)

27 01 2011
gehört von Michele Rassinger

Der letzte Weynfeldt (Martin Suter)

Der letzte Weynfeldt (Martin Suter)

Worum geht’s?

Adrian Weynfeldt braucht eigentlich nicht mehr als seinen guten Namen, um sich Tür und Tor zu öffnen. Von Beruf Erbe und weil es ihm Spaß macht zudem noch Kunstexperte lebt der Mittfünfziger ein sehr strukturiertes Leben, das auf einer Vielzahl von Routinen beruht und ihn davor bewahrt, aus dem Konzept zu kommen.
Doch eines Abends lernt er Lorena kennen: jung, hübsch, irgendwie unnahbar und Adrians verflossener Liebe wie aus dem Gesicht geschnitten. Am nächsten Morgen wacht Adrian auf und findet Lorena statt neben ihm im Bett auf der Außenseite seines Balkons. Mit viel Überredungstaktik schafft er es, sie zurück in die Wohnung zu holen und damit unweigerlich in sein Leben. Denn Lorena glaubt von nun an, dass Adrian sie aus jeder miserablen Lebenslage zu befreien hat…
Und, wie war’s?

„Der letzte Weynfeldt“ ist typisch, aber auch irgendwie untypisch für Martin Suter. Überzeugend ist wie immer die wunderschöne Sprache, die Suter einsetzt, um seine Geschichte zu erzählen: sachlich, präzise, elegant. Schon allein das ist ein kleines Kunstwerk, das der Autor mit seinen Büchern jedes Mal wieder erschafft. Und das macht „Der letzte Weynfeldt“ absolut hörenswert. Ich betone hierbei allerdings das „hörenswert“ und nicht lesenwert, denn Gert Heidenreich spricht dieses Hörbuch so unglaublich authentisch, dass ich das Gefühl hatte, Adrian Weynfeldt mir persönlich gegenübersitzen zu haben. Heidenreich hat für mich diese Geschichte lebendig und spannend gemacht. Denn das für Martin Suter untypische an diesem Werk ist, dass mir zu oft der Gedanke kam, der Geschichte überhaupt nur weiter zu folgen, weil sie von einem genialen Sprecher vorgelesen wird und ich so über die zahlreichen Längen getröstet werde.

Suter bleibt seinem Schema treu und beginnt die Geschichte still und leise, schildert Hintergründe und Zusammenhänge, beschreibt die Kunstszene und die gesellschaftlichen Schichten seiner handelnden Personen und beleuchtet das Geschehen aus unterschiedlichen Sichtweisen. Nach und nach bringt er dem Leser seinen Protagonisten näher, dessen Werte und Überzeugung, dessen Charakter und unendliche Gutmütigkeit. Und nach und nach begreift der Leser, was Weynfeldt erst sehr spät erkennen kann. Diese schleichende Entwicklung von lebensverändernder Falschheit ist das Geniale an Suters Werk. Doch um das zu erreichen, hätte er dem Leser einiges ersparen können.

Leselust ist Mitglied im Rezensionsprogramm von audible.de. Ich danke der Audible GmbH für das kostenfreie Hörbuch.

Der letzte Weynfeldt, Martin Suter
Hörbuch gelesen von Gert Heidenreich
Diogenes über audible.de 24,95 €, 8 Stunden 21 min, ISBN 3257802005

Taschenbuch: Diogenes, 313 Seiten, 10,90 Euro, ISBN 3257239335


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