Rezension: Gotteszahl (von Anne Holt)

22 03 2011
Gotteszahl (Anne Holt)

Gotteszahl (Anne Holt)

gelesen von Juliane Rusche

Worum geht’s?

Ausgerechnet am Heiligen Abend wird die berühmte schwedische Bischöfin Eva Karin Lysgaard auf offener Straße ermordet. Für den Osloer Ermittler Yngvar Stubø beginnt die Jagd nach dem Täter, parallel beschäftigen ihn der Tod eines aufstrebenden Künstlers, eines Strichjungen, einer attraktiven jungen Frau, eines Penners.

Währenddessen recherchiert Stubøs Frau Inger Johanne Vik für eine wissenschaftliche Arbeit zu so genannten Hassverbrechen: Gewalttaten gegen religiöse Minderheiten, Menschen einer bestimmten Hautfarbe oder Homosexuelle. Ihr besonderes Interesse gilt dabei einer US-amerikanischen Bewegung von Christen und Muslimen, die sich dem totalen Auslöschen der Homosexualität verschrieben hat …

Und, wie war’s?

Dass Anne Holt die beiden Handlungsstränge von „Gotteszahl“ im Laufe des Romans zusammenbringen wird, ist schnell klar. Schließlich setzte sich die Bischöfin offen für die Rechte von Schwulen und Lesben ein, der Strichjunge schlief gegen Geld mit Männern, der exzentrische Künstler war bekennend schwul. Doch trotz dieser vermeintlichen Vorhersehbarkeit baut die Bestsellerautorin kontinuierlich Spannung auf. Obgleich der zahlreichen Morde verkommt „Gotteszahl“ nie zum blutrünstigen Thriller. Stattdessen führt Holt ihre Ermittler und auch den Leser auf falsche Fährten, zeichnet dabei spannende Porträts ungewöhnlicher Figuren und taucht in diverse Milieus und deren Besonderheiten ein. Nebenbei kommt auch die Beschreibung von Inger Johannes und Yngvars Privatleben mit den beiden kleinen Töchtern nicht zur kurz. Dies ist vor allen Dingen für Kenner der kompletten Yngvar-Stubø-Serie interessant, verringert zugleich aber für Neulinge nicht das Lesevergnügen – auch das ist eine Stärke der 52-jährigen Autorin.

Wieder einmal gelingt es Anne Holt, ein Thema von fast erschlagendem Ausmaß greifbar zu machen. Eine Finesse ist, dass jeder Romanabschnitt mit dem Gedanken beginnt, der das vorherige Kapitel beendete. Ein mittelmäßiges Werk könnte dieser Trick nicht retten; in diesem Fall hebt er ein eh schon gutes Buch noch um ein weiteres Stückchen.

Gotteszahl, Anne Holt
Piper, 464 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 978-3492053952


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