Rezension: Verachtung (von Jussi Adler-Olsen)

7 09 2012
Verachtung (Jussi Adler-Olsen)

Verachtung (Jussi Adler-Olsen)

gelesen von Astrid Kopp

Worum geht’s?

„Verachtung“ ist der vierte Band der Reihe „Sonderdezernat Q“.

Carl Mørck widmet sich dem Fall, den Sekretärin Rose aus einem dicken Aktenstapel ausgewählt hat, erstmal nur widerwillig. Eine vor über 20 Jahren vermisste Prostituierte erscheint ihm weniger aufregend als seine zahlreichen privaten Probleme. Die Ex-Frau, die zur Scheidung auch noch viel Geld will, die neue Freundin, die scheinbar noch einen anderen hat, die böse Erkältung, die ihn flach zu legen droht, und nicht zuletzt die Ermittlungen seiner Kollegen in einem alten Fall. Vor einigen Jahren gerieten Carl und zwei Kollegen in einen Schusswechsel. Ein Kollege starb, der andere lebt nun gelähmt und von der Frau verlassen in Carls Wohnzimmer, nur Carl entkam ohne schlimmere Verletzungen. Das ist sowieso schon verdächtig genug, aber nun weisen auch noch neue Spuren darauf hin, er könnte mit den Gangstern gemeinsame Sache gemacht haben.

Erst als sein Assistent Assad und Rose herausfinden, dass zeitgleich mit der Prostituierten noch fünf andere Personen verschwunden und nie wieder aufgetaucht sind, wird Carls Aufmerksamkeit geweckt. Die Spur führt ihn und sein gewohnt schrulliges Team zu dem rechtsradikalen Politiker Curt Wad, und auf die Insel Sprogø, auf der jahrzehntelang Frauen weggesperrt und zwangssterilisiert wurden.

Und, wie war’s?

„Verachtung“ ist ein sehr (sehr!) gutes und erschütterndes Buch. Die atemlose Spannung, die ich aus den ersten drei Bänden der Reihe gewohnt war, hat mich zwar diesmal nicht ergriffen. Die Ermittlungen plätschern ein wenig dahin, die zahlreichen Rückblicke in die Vergangenheit einer Protagonistin sind hoch interessant, aber eben kein Kampf gegen die Zeit oder ums Überleben.

Dafür greift Jussi Adler-Olsen ein dunkles und mir bis dato unbekanntes Kapitel der dänischen Geschichte auf. Dass jahrzehntelang Frauen, die als schwachsinnig betitelt wurden, wie Arbeitssklaven auf einer Insel weggesperrt waren und nach Gutdünken der Ärzte sterilisiert wurden, um zu verhindern, dass sie sich „vermehren“, ist einfach nur erschreckend. Der Autor zeigt anschaulich, was Menschen mit anderen Grausames anstellen können, nur weil sie sich ihnen überlegen fühlen und die richtige Gelegenheit bekommen. Und er schafft es, in mir vollstes Verständnis für eine eiskalt planende Mörderin zu wecken, so eindringlich sind die Erlebnisse und daraus resultierenden Gefühle einer Protagonistin geschildert.

Als Thriller hat mich „Verachtung“ nicht ganz überzeugt, als grandiose Gesellschafts- und Charakterstudie dafür umso mehr.

Verachtung, Jussi Adler-Olsen
Deutscher Taschenbuch Verlag dtv, 544 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3423280020

Ich danke dtv herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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