Rezension: Schattenstill (von Tana French)

26 09 2012
Schattenstill (French)

Schattenstill (French)

gelesen von Astrid Walter

Worum geht’s?

Zwei mit Kissen erstickte Kinder, mit Küchenmessern erstochene Eltern, große Löcher in den Wänden, eine riesige Falle auf dem Dachboden, Babyphone mit Kameras in allen Ecken: Das Bild, das sich Ermittler Mike Kennedy (genannt Rocky) und seinem jungen Kollegen Richie Curran am Tatort bietet, ist gleichermaßen erschreckend wie seltsam. Was ist in der noch vor Fertigstellung schon wieder ausgestorbenen Siedlung Broken Harbor am Dubliner Stadtrand passiert?

Rocky ist ein mitleidsloser Einzelkämpfer mit guter Aufklärungsquote, der zuletzt ein paar Fehler gemacht hat. In Broken Harbor funktioniert sein neutraler Blick auf die Dinge nicht mehr, denn an diesem Ort hat sich viele Jahre zuvor seine Mutter umgebracht. Ausnahmsweise ist er deshalb dankbar für die Unterstützung seines unbedarften, aber cleveren Partners. Gemeinsam scheinen sie dem Täter schnell auf die Spur zu kommen, doch in Broken Harbor ist vieles nicht so, wie es auf den ersten Blick scheint.

Und, wie war’s?

Hardcoverbücher kaufe ich normalerweise nicht. Zu groß, zu schwer, zu teuer. Bei Tana French ist mir das egal, seit „Grabesgrün“ bin ich süchtig nach ihren Büchern und muss sie sofort nach Erscheinen lesen. Bei „Schattenstill“ habe ich das nicht bereut, das Buch ist jeden der 17 Euro wert.

Von der ersten Seite an hat mich der Charakter des Polizisten Rocky und sein vielleicht schwerster Fall in den Bann gezogen. Viel Aufmerksamkeit widmet die Autorin dem Zusammenspiel zwischen den Ermittlern und der Psyche der Charaktere. Tana Frenchs starke Seite liegt dabei wie immer in den leisen, analytischen Tönen und in ihrer wunderschönen, bildhaften Sprache. Die Spannung ist subtil. Langsam, ganz langsam schleicht sich in den Bauch des Lesers ein schlechtes Gefühl, die Ahnung, dass da etwas ganz schrecklich schief läuft.

Normalerweise sind Krimis und Thriller für mich eher Fast-Food-Literatur. Schnell gelesen, schnell vergessen. Bei „Schattenstill“ dagegen habe ich jede Seite bewusst genossen und kann mir gut vorstellen, das Buch in einigen Jahren nochmal zu lesen.

Schattenstill, Tana French
Scherz, 731 Seiten, 16,99 Euro, ISBN 978-3502102236


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