Rezension: Urlaub im Schilderwald (von Titus Arnu)

31 03 2011
bestaunt von Michele Rassinger
Urlaub im Schilderwald (von Titus Arnu)

Urlaub im Schilderwald (von Titus Arnu)

In Deutschland gibt es mehr als 20 Millionen Verkehrsschilder. Manche sind unnütz, einige sind unverständlich und ein paar wenige sind äußert amüsant. Genau diese hat die Langenscheidt-Redaktion aus unzähligen Zusendungen in „Urlaub im Schilderwald“ zusammengestellt und mit Kommentaren versehen.

Ich muss gestehen, dass ich wirklich viele Male herzhaft lachen musste. Bei Schildern wie „Vorsicht Elektrozaun. Füttern verboten“ oder „Illegally parked cars will be fine“ konnte ich einfach nicht mehr an mich halten. Die von Titus Arnu verfassten Kommentare zu den Bildern treffen den Nagel auch wirklich auf den Kopf: kurz und präzise, aber mit der nötigen Spur Sarkasmus und Humor weist er auf die Kurriositäten im Schilderwald hin.

Trotz allem stellt sich mir die Frage: wer kauft sich solch ein Buch? Es ist ein netter kleiner Zeitvertreib, um mal darin zu stöbern, aber das war’s dann auch. Lobend erwähnen muss ich noch die Gestaltung: sehr ansprechend und auch innen gut aufgeteilt.

Urlaub im Schilderwald,  Titus Arnu
Langenscheidt, 134 Seiten, 9,95 €, ISBN 3468298889

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Rezension: Ehrenwort (von Ingrid Noll)

4 02 2011
gelesen von Michele Rassinger
Ehrenwort (von Ingrid Noll)

Ehrenwort (von Ingrid Noll)

Worum geht’s?

Opa Willy ist ein herrischer, alter Mann, dem die Ärzte nach einem Sturz und einem Oberschenkelbruch höchstens noch ein paar Wochen geben. Zwar sind weder Schwiegertochter Petra, geschweige denn Sohn Harald davon begeistert, den Alten daheim aufzunehmen, doch mit dem Erbe im Blick und der schlechten Diagnose der Ärzte im Ohr, sehen sie das als eine kurze Angelegenheit. Doch Opa Willy erholt sich schneller und besser, als alle geglaubt haben. Nicht zuletzt durch die fürsorgliche Pflege seines Enkels. Harald und Petra wird schnell klar, dass sie etwas dagegen unternehmen müssen. Ein Sturz von der Treppe, ein mit Schlafmitteln durchsetzer Cognac – irgendeine Möglichkeit wird sich doch finden lassen….

Und, wie war’s?

„Ehrenwort“ ist ein herrlich fieses Buch in typischer Ingrid Noll-Manie. Ich habe die Seiten nur so verschlungen, obwohl mich das Thema anfangs nicht so begeistert hat wie andere Geschichten der Autorin.

Aber die Schilderungen des Familienlebens sind so real, dass man unweigerlich Parallelen in der eigenen Familie findet. Das macht den Roman so vertraut und nachvollziehbar. Und dass sich nach und nach eher nebenbei ein paar Überraschungen auftun und mal hier und da eine Leiche entsorgt werden muss – nun, das ist eben so bei Ingrid Noll.

Etwas störrend und überflüssig fand ich die Geschichte um die Pflegerin Jenny, die zwar geheimnisvoll wirken soll, aber bei mir einfach nur ein Stirnrunzeln verursacht hat. Diese Figur wirkte auf mich nicht sehr authentisch und passte mit ihrer eigenen dunklen Vorgeschichte nicht so ganz in die eigentliche Handlung.

Ehrenwort, Ingrid Noll
Diogenes, 336 Seiten, 21,90 €, ISBN 3257067607





Rezension: Mariaschwarz (von Heinrich Steinfest)

5 09 2010
Mariaschwarz (Steinfest)

Mariaschwarz (Steinfest)

gelesen von Astrid Walter

Worum geht’s?

Kindesentführung, das Verhältnis von Wirt und Gast, enttäuschte Liebe, Seeungeheuer, Inzest, Mord, unheimliche Wasserflecken, erfüllte Liebe, Plastik-Äffchen, die versteinerte Ursuppe im schwarzen See, schöne Autos, noch zwei Morde und die Frage, wieso eigentlich in allen Wänden Löcher sind.

Und, wie war’s?

Irrsinnig, witzig, rätselhaft. Geht es erst darum, ein entführtes Kind zu finden, ist man auf einmal auf der Jagd nach einem Seeungeheuer und schließlich einer Plastikfigurenmafia auf der Spur. Fast nebenbei wechselt Steinfest seine Hauptfigur und gleitet von Thema zu Thema. Einen roten Faden scheint es nicht zu geben und doch fühlte ich mich als Leser nicht verloren. Das ganze Buch ist skurril und sicher kein klassischer Krimi, aber absolut lesenswert, wenn man das Außergewöhnliche mag.

Mariaschwarz, Heinrich Steinfest
Piper, 316 Seiten, 8,95 Euro, ISBN 978-3-492-25751-0