Rezension: Chuzpe (von Lily Brett)

8 06 2014

gehört von Michele Reble

Worum geht’s?

Chuzpe (Lily Brett), Foto: audible.de

Chuzpe (Lily Brett), Foto: audible.de

Mit seinen fast 90 Jahren zieht Ruths Vater von Australien zu ihr nach New York. Ohne auf das Leben in einer Weltmetropole so richtig vorbereitet zu sein, findet er sich schnell zurecht und lebt sich gut ein. Ganz zu Ruths Missfallen, die mit Argwohn beobachtet, wie selbstständig und lebensfroh ihr Vater auf einmal ist. Und dann tauchen auch noch die beiden polnischen Urlaubsbekanntschaften auf und wollen mit dem Vater zusammen ein Restaurant in New York eröffnen – das kann ja nur schief gehen.

Und, wie war’s?

Ich habe die Hälfte der 5,5 langwierigen Stunden dieses Hörbuchs durchgehalten. Doch mehr ging einfach nicht. Das, was mich am meisten aufgeregt hat, war der nervtötende Tonfall der Sprecherin, wenn sie Ruths Vater immitierte. Die fürchterliche, grammatikalisch falsche Art zu sprechen trug noch ihr übriges bei.

Zudem haben mich die Charaktere fürchterlich gelangweilt und waren zu sehr den üblichen Schubladen entsprungen: der alternde, aber noch fitte Vater, der allzu naiv durch die Welt tappte und dabei fleißig das Geld seiner Tochter ausgab. Die in der Midlife-Crisis angekommene Tochter, die zwar beruflich erfolgreich und auch wohlhabend war, aber deren Ehe nicht mehr das Gelbe vom Ei ist und die sich über die neu gewonnene Eigenständigkeit ihres Vaters pausenlos aufregt. Und nicht zu vergessen, die beiden Witwen aus Polen. Natürlich vollbusig und kräftig gebaut und scharf auf ein neues Leben in New York und Ruths naiven Vater.

Außer, dass sich die Tochter über den Vater aufregte, weil er zu locker lebt und der Vater über die Tochter schimpfte, dass sie zu unlocker ist, war in der ersten Hälfte nicht viel passiert. Was auch immer aufregendes ich nun verpasst habe, es hätte mich sicher nicht über die anstrengenden ersten 2,5 Stunden getröstet.

Chuzpe, Lily Brett
gelesen von Marion Martienzen
Hoffmann und Campe über audible.de, 9,95 Euro, 5 Stunden 33 Minuten (gekürzt)
Taschenbuch: Suhrkamp, 334 Seiten, 9,99 Euro, ISBN 3518459228

Leselust ist Mitglied im Rezensionsprogramm von audible.de. Ich danke der audible GmbH für das kostenfreie Hörbuch.
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Kurzrezension: Nachricht von Dir (von Guillaume Musso)

26 02 2014

gelesen von Michele Reble

Nachricht von Dir (Guillaume Musso)

Nachricht von Dir (Guillaume Musso)

Jonathan und Madeline vertauschen versehentlich bei einem Zusammenstoß am Flughafen ihre Handys. Auf zwei verschiedenen Kontinenten lebend ist die Rückgabe nicht so einfach und so beginnen sie, die intimsten Inhalte des anderen im Handy zu erforschen. Sie stellen schockiert fest, dass es in ihrer Veragngenheit etwas gibt, was sie miteinander verbindet.

♥♥♥♥♥ Handlung
♥♥♥♥Sprache
♥♥♥♥♥ Charaktere
♥♥♥♥♥ Spannung
♥♥♥♥♥ Emotionen
♥♥♥♥♥ Anspruch
♥♥♥♥♥ Humor
♥♥♥♥♥ Glaubwürdigkeit

Nachricht von Dir, Guillaume Musso
Kindle Edition, 11,99 €
Taschenbuch: Pendo, 464 Seiten, ISBN 3866123132, 14,99 €





Rezension: Big Trouble (von Kate Christensen)

13 12 2013

gelesen von Michele Reble

Big Trouble (Kate Cristensen)

Big Trouble (Kate Cristensen)

Worum geht’s?

Viele würden Josie beneiden: sie ist beruflich erfolgreich, hat einen Ehemann und ein geregeltes Leben in New York. Doch sie ist unglücklich. Nach einem Flirt mit einem Fremden wird ihr klar, dass sie ihr Leben ändern muss und verlässt ihren Mann. Das Angebot ihrer Freundin kommt da gerade recht und sie reist zu ihr nach Mexiko. Sie möchte die Zeit nutzen, um sich darüber klar zu werden, wie es weitergehen soll und wie sie es schafft, wieder glücklich zu werden. Die unbeschwerten Stunden mit ihrer Freundin tun ihr gut, doch nach einer verhängnisvollen Nacht ist nichts mehr wie zuvor.
Und, wie war’s?

Nun ja. Josies unglückliches Leben in New York, ihre Eheprobleme, ihre verwirrende Gefühle durch den Flirt mit einem Fremden – all das wird interessant erzählt, die Beweggründe der Protagonistin sind nachvollziehbar und der lockere Schreibstil wirkt passend. Doch dann reist Josie nach Mexiko zu ihrer schrulligen Freundin und ab da geht’s bergab mit allem. Die Geschichte wird langweilig und langatmig. So richtig passiert einfach nichts.

Verzweifelt habe ich auf die in der Kurzbeschreibung erwähnte bahnbrechende Wendung in der Geschichte gewartet. Doch nachdem ich ca. 3/4 des Buches gelesen hatte und immer noch nichts passiert war, hat es mir gereicht. Mir war einfach die Zeit zu schade, auch nur noch eine weitere Seite dieses Buches zu lesen. Wirklich schade, denn der Anfang war sehr vielversprechend.

Big Trouble, Kate Christensen
Droemer, 352 Seiten, ISBN 3426226014, 14,99 €

Ich danke dem Verlag Droemer für das kostenlose Rezensionsexemplar.





Rezension: Das Schicksal ist ein mieser Verräter (von John Green)

28 02 2013

gehört von Michele Reble

Das Schicksal ist ein mieser Verräter (John Green; Foto: audible.de)

Worum geht’s?

Hazel weiß, dass ihre Chancen auf Heilung gering sind, und trotzdem hat die 16-jährige mehr Lebensmut, als manch anderer, dessen Schilddrüse und Lunge nicht voller Krebs sind. Auf die doofe Selbsthilfegruppe hat sie allerdings keine Lust und geht dort eigentlich nur ihrer Mutter zuliebe hin. Doch dann lernt sie Augustus kennen, der Hazel von da an nicht mehr aus den Augen lässt. Die beiden freunden sich an und merken, dass sie die gleiche verschrobene Art haben, die Welt zu betrachten. Es dauert nicht lange und die beiden sind unzertrennlich. Ziemlich schnell realisiert Hazel, dass sie Augustus verletzen wird, denn sie ist eine tickende Zeitbombe und je mehr sie ihn an sich ranlässt, desto schwieriger wird sein Leben nach ihrem Tod. Augustus überzeugt sie aber, dass er jede gemeinsame Minute mit ihr nutzen und genießen möchte und so erfüllt er ihr ihren Herzenswunsch mit einer Reise zu Hazels Lieblingsautor nach Amsterdam. Der schöne Schein trügt aber leider nicht darüber hinweg, dass die gemeinsame Zeit begrenzt ist.

Und, wie war’s?

„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist keins der Bücher, in denen der Protagonist sein Leiden beklagt und von seinem schwierigen Tagesverlauf und kräftezehrenden Therapien erzählt. Hazel ist eine intelligente, starke, junge Frau, die sich nicht unterkriegen lässt und in dem attraktiven und sehr direkten Augustus einen ebenbürdigen Vertrauten findet.
Erfrischend fand ich die schonungslose Offenheit und Direktheit, mit der die Jugendlichen mit ihrer Krankheit umgehen und auch mal den ein oder anderen derben Witz reißen. Gerade die Dialoge zwischen Hazel und Gus sind humorvoll und spritzig und heitern das tragische Thema ungemein auf. Es ist sicherlich ein trauriges Thema, aber irgendwie doch kein trauriges Buch.

Die Stimme der Sprecherin hat mich hingehen nicht wirklich begeistert. Sie klang immer ein wenig gedrückt und nasal. Die unterschiedlichen Charaktere hat sie meist in einem einheitlichen Tonfall gesprochen, so dass es nicht immer ganz leicht war, sofort zu wissen, wer nun sprach.

Das Schicksal ist ein mieser Verräter, John Green
gelesen von Anna Maria Mühe
HHV GmbH über audible.de, 9,95 Euro, 6 Stunden 9 Minuten

Hardcover: Carl Hanser Verlag, 285 Seiten, 16,90 Euro, ISBN 978-3446240094

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Rezension: Hannes (von Rita Falk)

11 02 2013

gehört von Michele Reble

Hannes (von Rita Falk; Foto: audible.de)

Hannes (von Rita Falk; Foto: audible.de)

Worum geht’s?

Hannes und Uli sind von Kindesbeinen an beste Freunde und unzertrennlich. Daran ändert sich auch nichts, als Hannes nach einem Motorradunfall im Koma liegt. Uli steht ihm weiterhin treu zur Seite, besucht ihn Tag für Tag und schreibt ihm Briefe, in denen er ihm erzählt, was so in seinem Leben passiert. Darin schildert Uli frei Schnauze wie er sein Leben in der schweren Zeit zwischen all den Krankenhausbesuchen meistert und wie Freunde und Familie mit Hannes‘ Koma umgehen.

Und, wie war’s?

Rita Falk lässt den Protagonisten Uli die Handlung in Form von Tagebucheinträgen erzählen, so dass die Geschichte dem Leser/Zuhörer sehr authentisch und nah am Geschehen vermittelt wird. Etwas nervig fand ich Ulis häufige Redewedung „mein lieber Freund“, die vor allem am Anfang der Geschichte nach fast jedem zweiten Satz kam.

Die Figuren sind gut gezeichnet und obwohl manche etwas eigenartig erscheinen, passen sie doch gut ins Gesamtbild. Nach und nach lernt man die Menschen in Ulis Leben kennen und schätzen. Man leidet, freut und trauert mit ihm und das, obwohl er seine Erlebnisse in knappen, recht nüchternen Worten schildert. Auf kitschiges Gefühlsgedusel wird verzichtet – eben so, wie ein Mann es auch erzählen würde.

Übrigens kann ich die Kritiken einiger Rezensenten nicht verstehen, die bemängeln, dass Rita Falk in diesem Buch den bekannten Witz von den Franz-Eberhofer-Büchern nicht einbringt. Nun, einigen scheint nicht aufzufallen, dass die Autorin durchaus in der Lage ist, auch abseits der Eberhofer-Reihe ganz andere Bücher zu schreiben. Und beweist damit, dass sie nicht nur richtig witzige Bücher schreiben kann, sondern auch solche, die tief unter die Haut gehen.

Hannes, Rita Falk
Hörbuch gelesen von Johannes Raspe
Der Audio Verlag über audible.de,  9,95 €, 4 Stunden 27 min
Gebunde Ausgabe: dtv, 208 Seiten, 17,90 Euro, ISBN 3423280018

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Rezension: Raum (von Emma Donoghue)

14 08 2012

gehört von Michele Reble

Raum (von Emma Donoghue)

Raum (von Emma Donoghue)

Worum geht’s?

Ein fünfjähriger Junge hält den 12 qm großen Raum, in dem er zusammen mit seiner Mutter lebt, für das Universum. Draußen – das ist nur irgendetwas nicht Greifbares, eine falsche Welt. Und im Fernseher sind auch nur irgedwelche Figuren, die es real nicht gibt.
Denn Jack kennt nichts anderes. Er kam in dem Raum zur Welt, in dem seine Mutter schon Jahre zuvor vor der Außenwelt versteckt wurde – schalldicht und so gut verriegelt, dass eine Flucht unmöglich erscheint. Doch genau darauf versucht Jacks „Ma“ ihn vorzubereiten, auf eine Flucht aus dem Raum, weg von ihrem Peiniger und raus in die reale Welt, ins richtige Leben.

Und, wie war’s?

Anfangs hatte ich Schwierigkeiten, einzuordnen, was Jack erzählt. Für ihn sind Gegenständie wie eine Badewanne, ein Teppich oder ein Tisch keine einfachen Gestände, sondern wirken wie Freunde, wie Verbündete. Die Bezeichnungen sind für ihn Namen. Schließlich kennt er nichts anderes als die spärliche Möblierung dieses kleinen Raumes.

Unschlüssig bin ich mir immer noch, ob die Geschichte nur dadurch erträglich war, dass sie aus Sicht eines Fünfjährigen geschildert wurde oder ob sie genau das nicht noch grausamer macht, als sie ohnehin schon ist. Zweifelsfrei lässt sich sagen, dass die Autorin eine unglaubliche Leistung erbracht hat. Mir scheint es schier unmöglich, sich solch eine Gefangenschaft aus Sicht eines ahnungslosen Kindes vorzustellen und zu schildern.

Während des Zuhörens sind mir immer wieder Parallelen zu „Kleine Schwester“ von Borger und Straub aufgefallen. Denn auch hier wird eine fürchterliche Geschichte aus Sicht eines hilflosen, naiven Kindes erzählt.

Mich hat „Raum“ sehr berührt, ja, sogar mitgenommen. Auch wenn die Geschichte alles andere als einfach ist, kann ich dieses Hörbuch trotzdem jedem wärmstens empfehlen.

Raum, Emma Donoghue
Hörbuch gelesen von Matthias Brandt
HHV GmbH über audible.de,  9,95 €, 6 Stunden 28 min
Gebundene Ausgabe: Piper, 416 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 3492054668

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Rezension: Nächsten Sommer (von Edgar Rai)

26 04 2012

gehört von Michele Reble

Nächsten Sommer (von Edgar Rai)

Nächsten Sommer (von Edgar Rai)

Worum geht’s?

Felix, Marc und Bernhard wissen noch nicht so richtig, wo sie im Leben eingentlich stehen und wo sie hingehören. Als Felix plötzlich von seinem verstorbenen Onkel dessen Haus in Südfrankreich erbt, setzen sich die drei kurzerhand in Marcs klapprig alten VW Bus und treten die Reise an. Dabei treffen sie auf die lebenslustige Lilith, die einsame und traurige Jeanne und schließlich schließt sich noch Zoe, Bernhards Schwarm und gute Freundin der drei Jungs, den Reisenden an.
Gemeinsam erleben sie verrückte Dinge, müssen vor der Polizei fliehen und können in letzter Minute vor dem Ertrinken gerettet werden.

Und, wie war’s?

„Nächsten Sommer“ ist das lässigste, schönste, traurigste, fesselnste, nachdenklichste und lustigste Roadmovie, das mir je untergekommen ist.
Die von Felix erzählte Geschichte braucht keine großen Worte, um den Leser/Hörer in seinen Bann zu ziehen. Felix‘ Gedanken, manchmal klar strukturiert und tiefgründig lehrreich, manchmal so flüchtig wie der Wind, lassen einen teilhaben an dem Leben und der Reise der jungen Leute. Dabei driftet die Erzählung nicht – wie so oft – ab in eine Suche nach sich selbst und philosophischen Ausschweifungen, sondern bleibt realitätsnah und zeigt auf, womit jeder der sechs Reisenden zu kämpfen hat.

Die Charaktere sind sehr unterschiedlich, aber jeder für sich authentisch und detailliert gezeichnet, so dass man als Leser am Ende des Buches den Eindruck hat, eine Reihe von Freunden dazugewonnen zu haben.

Ich hab allerdings auch was zu meckern: absolut überflüssig und sogar störend empfand ich die Musik, die zwischen einige Kapitel gespielt wurde.

Nächsten Sommer, Edgar Rai
Hörbuch gelesen von Andreas Petri
Jumbo Neue Medien Verlag über audible.de 13,95 €, 4 Stunden 35 min, ISBN383372580X

Taschenbuch: Aufbau Taschenbuch, 236 Seiten, 8,95 Euro, ISBN 374662732X

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