Rezension: Mein Leben als Mensch (von Jan Weiler)

27 05 2012
Mein Leben als Mensch (Jan Weiler; Foto: audible)

Mein Leben als Mensch (Jan Weiler; Foto: audible)

gehört von Astrid Walter

Worum geht’s?

Die schwierige Suche nach dem perfekten Au-Pair, das alltägliche Chaos mit zwei Kindern, die demokratische Entscheidung für einen Urlaubsort, die Diplomatie innerhalb der Familie, das sind Jan Weilers Themen in seiner 2009 erschienenen Kolumnensammlung. Die Kolumnen sind zuvor bereits im Magazin „Stern“ erschienen, das Hörbuch ist eine Art „Best-of“, das vom Autor selbst gelesen wird.

Und, wie war’s?

„Maria, ihm schmeckt’s nicht“ habe ich geliebt und war deshalb schnell bereit, mir auch Jan Weilers Kolumnensammlung „Mein Leben als Mensch“ anzuhören. Die Hoffnung, darin alte Bekannte wie den Schwiegerpapa Antonio wiederzutreffen, wurde erfüllt – trotzdem hat mich das Hörbuch ein bisschen enttäuscht.

Stellenweise sind die Geschichten aus Jan Weilers Leben ganz amüsant, häufig aber auch ziemlich belanglos. Wobei mir diese noch lieber waren, als solche in denen über die Entwicklung der Menschheit philosophiert und teils auch moralisiert wird.

Anstrengend ist, dass Jan Weiler teilweise sehr bemüht versucht, jeder Geschichte am Ende eine Pointe zu verpassen. Vermutlich ist mir das besonders stark aufgefallen, weil ich das Hörbuch fast an einem Stück durchgehört habe. Dazu würde ich deshalb nicht raten.

Mein Leben als Mensch, Jan Weiler
gelesen von Jan Weiler
Der Hörverlag über audible.de, 13,95 Euro, 2 Stunden 18 Minuten

Taschenbuch: rororo, 244 Seiten, 8,99 Euro, ISBN 3499254018

Leselust ist Mitglied im Rezensionsprogramm von audible.de. Ich danke der Audible GmbH für das kostenfreie Hörbuch.

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Rezension: Makellose Morde to go (von Susanne Henke)

9 03 2011
gelesen von Michele Rassinger

Makellose Morde to go (von Susanne Henke)

Makellose Morde to go (von Susanne Henke)

Worum geht’s?

Susanne Henkes Sammlung mörderischer und hinterlistiger Kurzgeschichten liest sich prima zur nachmittaglichen Tasse Tee oder Kaffee, während der kurzen Bahnfahrt zur Arbeit oder auch im Wartezimmer, denn jede der 24 Kurzgeschichten geht nur über wenige Seiten. Dabei schöpft die Autorin aus dem vollen: von der Täuschung über die fahrlässige Tötung bis hin zum vorsätzlichem Mord bringt sie alles aufs Tablett.

Und, wie war’s?

Die extreme Kürze der Geschichten bedingt es, dass nicht viel Zeit und Raum bleibt, um die handelnden Personen näher zu beschreiben. Das macht es oftmals schwierig, mit dem Protagonisten eine Beziehung aufzubauen oder auch nur im entferntesten nachempfinden zu können, was ihn zu seinen Taten bewogen hat. Das nimmt die Spannung und mindert das Interesse an den Geschichten.
Auch der rasche und häufige Wechsel der Orte macht es schwierig, sich in das Geschehen einzufinden und auch zurechtzufinden. Ein paar mehr Erläuterungen oder ein paar weniger Schauplätze hätten der ein oder anderen Kurzgeschichte sicherlich gut getan.

Einige Gesichten sind mir auch einfach zu abstrus, unrealistisch und teilweise schon lächerlich. Dennoch gab es ein paar wenige, die wirklich Biss hatten und mich schmunzeln ließen.

Völlig unpassend finde ich die Einleitung des Buches, in der der Herausgeber selbst eine Kurzgeschichte darüber einfügt, wie er seiner Buchhändlerin Henkes Kurzgeschichtensammlung anpreist. Er will ihr Interesse wecken, indem er das Buch als orginell, spritzig und erfrischend beschreibt.
Da kann ich ihm leider so gar nicht zustimmen. Origniell ist weder die Sprache, noch die Schilderungen oder Handlungen an sich. Auf mich wirkte das zu gekünstelt, abgehackt und nicht richtig durchdacht.
Außerdem spricht es nicht für sich und wirkt ein wenig verzweifelt, wenn der Herausgeber im eigenen Buch für das Buch erstmal Werbung machen muss.

Makellose Morde to go, Susanne Henke
Books on demand, 130 Seiten, 9,95 €, ISBN 3839192528





Rezension: Meine russischen Nachbarn (von Wladimir Kaminer)

4 05 2010

Meine russischen Nachbarn

Meine russischen Nachbarn

gelesen von Astrid Walter

Worum geht’s?

Berlin wird von Russen übernommen. Ganz Berlin? Nein, nur Wladimir Kaminers Wohnhaus. Dort sind zwei seiner Landsmänner in die Wohnung über seiner eingezogen. Klar, dass das zu einem intensiven Austausch über russische Sitten und deutsche Marotten führt, an dem Kaminer seine Leser gerne teilhaben lässt.

Und, wie war’s?

Wie Bücher von Kaminer immer sind. Was zugleich positiv wie auch negativ ist. Wer Kaminer mag – und ich gehöre dazu – wird von diesem Buch nicht enttäuscht werden. Aber eben auch nicht begeistert, denn die Kurzgeschichten plätschern ohne größere Höhe- oder Tiefpunkte nett vor sich hin. Zum gelegentlichen Schmunzeln reichte es bei mir aber auf alle Fälle. Wer laut lachen möchte, sollte unbedingt zu einer Kaminer Lesung gehen, live ist der Autor wirklich super. Mindestens noch fünfmal besser als gedruckt. Alle Termine gibt’s hier (http://beta.russendisko.de/de/termine/lesungen/)

Meine russischen Nachbarn, Wladimir Kaminer
Manhatten, 224 Seiten, 17,95 Euro, ISBN 978-3442545766





Rezension: Verbrechen (von Ferdinand von Schirach)

16 01 2010

Verbrechen

Verbrechen

gelesen von Astrid Walter

Worum geht’s?

Ein Freier stirbt an einem Herzinfarkt, der Freund der Prostituierten wird panisch und zersägt den Toten. Eine junge Frau erlebt den krankheitsbedingten Verfall ihres Bruders und tötet ihn schließlich mit Gift. Betrunkene pöbeln einen harmlos am Bahnsteig sitzenden Reisenden an und der wehrt sich als Berufsverbrecher so gekonnt, dass die verblüfften Randalierer sterben. In all diesen Fällen tritt Ferdinand von Schirach auf den Plan. Ursprünglich als angesehener Verteidiger, jetzt als sprachgewandter Erzähler.

Und, wie war’s?

Ferdinand von Schirach ist ein Anwalt mit Schreibtalent. Juristische Fachausdrücke muss keiner kennen. Seine Geschichten erzählt er nicht über Aktzenzeichen, sondern mit viel Humor und Mitgefühl anhand der persönlichen Schicksale von Menschen, die er zumeist auf die Anklagebank begleitet hat.

Die Sprache ist dabei schnörkellos präzise, der Aufbau der Geschichten fesselnd. Dass die von ihm geschilderten Verbrechen nicht ausgedacht sondern tatsächlich geschehen sind, macht das Buch besonders. Hoffentlich gibt es davon bald einen Nachfolger.

Verbrechen, Ferdinand von Schirach
Piper, 205 Seiten, 16,95 Euro, ISBN 978-3492053624





Rezension: Bitterböse: Schokoladenkrimis vom Niederrhein (von Ina Coelen/Brigitte Glaser)

7 11 2009

Bitterböse: Schokoladenkrimis vom Niederrhein

Bitterböse: Schokoladenkrimis vom Niederrhein

gelesen von Astrid Walter

Worum geht’s?

21 Kurzkrimis haben Ina Coelen und Brigitte Glaser in diesem Buch versammelt und auch wenn alle von unterschiedlichen Autoren geschrieben wurden, haben sie doch eines gemeinsam: Schokolade als Mordmotiv, Schokolade als Tatwaffe, Schokolade als Witwentröster. Mal hat die Nascherei in den Kurzkrimis eine Hauptrolle, mal ist sie nur schmuckendes Beiwerk, aber dessen ungeachtet wird zu jeder Geschichte ein passendes und (fast immer) süßes Rezept mitgeliefert.

Und, wie war’s?

Wie immer bei Sammlungen von Kurzgeschichten gab es einige, die mir sehr gut gefielen und andere, die ich nach dem anlesen der ersten zwei Seiten überblättert habe. Bei „Bitterböse: Schokoladenkrimis vom Niederrhein“ sind aber nur zwei Geschichten durch mein persönliches Raster gefallen, die anderen Krimis konnten mich überzeugen. Einige waren richtig spannend, andere eher amüsant. Angeblich sind die Krimis von bekannten deutschsprachigen Krimiautoren geschrieben, zu meiner Schande muss ich aber gestehen, keinen einzigen davon zuvor gekannt zu haben. Z.B. bei Jürgen Ehlers und Jochen Brockmann habe ich aber vor, meine Wissenslücke jetzt aufzufüllen. Somit liefert einem das Buch auch noch zahlreiche Ideen für den Bücherwunschzettel.

Richtig überzeugt hat mich das Konzept mit den zur Geschichte passenden Rezepten. Die klingen nämlich durchweg lecker, kommen ganz ohne Gift aus ;-) und machen Lust aufs Ausprobieren. Deshalb wird das Buch vermutlich auch eher in meinem Küchenregal als im Bücherschrank landen.

Bitterböse, Schokoladenkrimis vom Niederrhein, Ina Coelen/Brigitte Glaser
Leporello Verlag, 286 Seiten, 9,90 Euro, ISBN 9783936783346