Rezension: Das Schicksal ist ein mieser Verräter (von John Green)

28 02 2013

gehört von Michele Reble

Das Schicksal ist ein mieser Verräter (John Green; Foto: audible.de)

Worum geht’s?

Hazel weiß, dass ihre Chancen auf Heilung gering sind, und trotzdem hat die 16-jährige mehr Lebensmut, als manch anderer, dessen Schilddrüse und Lunge nicht voller Krebs sind. Auf die doofe Selbsthilfegruppe hat sie allerdings keine Lust und geht dort eigentlich nur ihrer Mutter zuliebe hin. Doch dann lernt sie Augustus kennen, der Hazel von da an nicht mehr aus den Augen lässt. Die beiden freunden sich an und merken, dass sie die gleiche verschrobene Art haben, die Welt zu betrachten. Es dauert nicht lange und die beiden sind unzertrennlich. Ziemlich schnell realisiert Hazel, dass sie Augustus verletzen wird, denn sie ist eine tickende Zeitbombe und je mehr sie ihn an sich ranlässt, desto schwieriger wird sein Leben nach ihrem Tod. Augustus überzeugt sie aber, dass er jede gemeinsame Minute mit ihr nutzen und genießen möchte und so erfüllt er ihr ihren Herzenswunsch mit einer Reise zu Hazels Lieblingsautor nach Amsterdam. Der schöne Schein trügt aber leider nicht darüber hinweg, dass die gemeinsame Zeit begrenzt ist.

Und, wie war’s?

„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist keins der Bücher, in denen der Protagonist sein Leiden beklagt und von seinem schwierigen Tagesverlauf und kräftezehrenden Therapien erzählt. Hazel ist eine intelligente, starke, junge Frau, die sich nicht unterkriegen lässt und in dem attraktiven und sehr direkten Augustus einen ebenbürdigen Vertrauten findet.
Erfrischend fand ich die schonungslose Offenheit und Direktheit, mit der die Jugendlichen mit ihrer Krankheit umgehen und auch mal den ein oder anderen derben Witz reißen. Gerade die Dialoge zwischen Hazel und Gus sind humorvoll und spritzig und heitern das tragische Thema ungemein auf. Es ist sicherlich ein trauriges Thema, aber irgendwie doch kein trauriges Buch.

Die Stimme der Sprecherin hat mich hingehen nicht wirklich begeistert. Sie klang immer ein wenig gedrückt und nasal. Die unterschiedlichen Charaktere hat sie meist in einem einheitlichen Tonfall gesprochen, so dass es nicht immer ganz leicht war, sofort zu wissen, wer nun sprach.

Das Schicksal ist ein mieser Verräter, John Green
gelesen von Anna Maria Mühe
HHV GmbH über audible.de, 9,95 Euro, 6 Stunden 9 Minuten

Hardcover: Carl Hanser Verlag, 285 Seiten, 16,90 Euro, ISBN 978-3446240094

Leselust ist Mitglied im Rezensionsprogramm von audible.de. Ich danke der Audible GmbH für das kostenfreie Hörbuch.





Rezension: Hannes (von Rita Falk)

11 02 2013

gehört von Michele Reble

Hannes (von Rita Falk; Foto: audible.de)

Hannes (von Rita Falk; Foto: audible.de)

Worum geht’s?

Hannes und Uli sind von Kindesbeinen an beste Freunde und unzertrennlich. Daran ändert sich auch nichts, als Hannes nach einem Motorradunfall im Koma liegt. Uli steht ihm weiterhin treu zur Seite, besucht ihn Tag für Tag und schreibt ihm Briefe, in denen er ihm erzählt, was so in seinem Leben passiert. Darin schildert Uli frei Schnauze wie er sein Leben in der schweren Zeit zwischen all den Krankenhausbesuchen meistert und wie Freunde und Familie mit Hannes‘ Koma umgehen.

Und, wie war’s?

Rita Falk lässt den Protagonisten Uli die Handlung in Form von Tagebucheinträgen erzählen, so dass die Geschichte dem Leser/Zuhörer sehr authentisch und nah am Geschehen vermittelt wird. Etwas nervig fand ich Ulis häufige Redewedung „mein lieber Freund“, die vor allem am Anfang der Geschichte nach fast jedem zweiten Satz kam.

Die Figuren sind gut gezeichnet und obwohl manche etwas eigenartig erscheinen, passen sie doch gut ins Gesamtbild. Nach und nach lernt man die Menschen in Ulis Leben kennen und schätzen. Man leidet, freut und trauert mit ihm und das, obwohl er seine Erlebnisse in knappen, recht nüchternen Worten schildert. Auf kitschiges Gefühlsgedusel wird verzichtet – eben so, wie ein Mann es auch erzählen würde.

Übrigens kann ich die Kritiken einiger Rezensenten nicht verstehen, die bemängeln, dass Rita Falk in diesem Buch den bekannten Witz von den Franz-Eberhofer-Büchern nicht einbringt. Nun, einigen scheint nicht aufzufallen, dass die Autorin durchaus in der Lage ist, auch abseits der Eberhofer-Reihe ganz andere Bücher zu schreiben. Und beweist damit, dass sie nicht nur richtig witzige Bücher schreiben kann, sondern auch solche, die tief unter die Haut gehen.

Hannes, Rita Falk
Hörbuch gelesen von Johannes Raspe
Der Audio Verlag über audible.de,  9,95 €, 4 Stunden 27 min
Gebunde Ausgabe: dtv, 208 Seiten, 17,90 Euro, ISBN 3423280018

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Rezension: Afghanische Reise (von Roger Willemsen)

23 10 2012
Afghanische Reise (Willemsen)

Afghanische Reise (Willemsen)

gelesen von Astrid Kopp

Worum geht’s?

25 Jahre lang wurde Afghanistan von Krieg dominiert. Kurz nach Kriegsende begleitet Roger Willemsen eine afghanische Freundin auf eine Reise in ihr Heimatland. Von Kabul nach Kunduz führt die beiden ihr Weg, auf dem sie Verwandte von Nadia besuchen, aber auch Interviews mit ehemaligen Kriegshäftlingen führen, versuchen eine Kinovorstellung für Frauen auf die Beine zu stellen und erleben, wie der Alltag in einem von Angst und Zerstörung geprägten Land aussieht.

Und, wie war’s?

Ich weiß gar nicht, ob ich für so ein dünnes Buch schon mal so lange gebraucht habe. Es ist atmosphärisch und sprachlich dicht; Willemens packt derart viel Wissen, Eindrücke und Gedanken auf eine Seite, dass ich zahlreiche Absätze mehrfach lesen musste, um alle gegebenen Informationen aufnehmen zu können. Das war anstrengend und zugleich bereichernd. Fast wirkt es, als würde das Buch eine eigene Reise ersetzen, so realistisch wirkt der Eindruck von Afghanistan, der Kultur und den Menschen, den Willemsens vermittelt.

Manchmal fehlte mir allerdings ein bisschen eine klarere Gliederung, die das Lesen vereinfacht hätte. Die einzelnen Geschichten werden nicht für sich abgeschlossen erzählt, sondern alles scheint ungefiltert so in das Buch geflossen zu sein, wie es Willemens eben passierte und durch den Kopf ging. Wer sich ein bisschen dafür interessiert, was mit einem Land passiert, das ein Vierteljahrhundert im Krieg verbringt und dann von anderen Ländern gesagt bekommt, wie es künftig sein sollte, kommt an Willemsens „Afghanischer Reise“ trotzdem kaum vorbei.

Afghanische Reise, Roger Willemsen
S. Fischer, 222 Seiten, 9,95 Euro, ISBN 978-3-596-17339-6





Rezension: Vermiss mein nicht (von Cecilia Ahern)

11 10 2012

gelesen von Michele Reble

Vermiss mein nicht (Cecilia Ahern)

Vermiss mein nicht (Cecilia Ahern)

Worum geht’s?

Wer kennt das nicht? Aus der Waschmaschine kommt nur noch ein Socken, der kleine Regenschirm lässt sich nicht mehr finden und der Schlüssel scheint auch vom Erdboden verschluckt zu sein. Diese Ärgernisse beschäftigen einen eine Zeit lang und dann geraten sie in Vergessenheit. Nicht so bei Sandy Shortt. Seit ihre Schulfreundin mit 10 Jahren spurlos verschwunden ist, hat sie einen regelrechten Suchzwang entwickelt. Sie gründet eine Agentur für Personensuche und hilft somit den Menschen, die sämtliche Hoffnung verloren haben.
Bei einem ihrer Aufträge verschwindet sie jedoch selbst während des Joggens im Wald. Sie gelangt an einen Ort ohne Namen und trifft Menschen, die sie kennt. Nicht persönlich, aber von Fotos und aus Erzählungen ihrer Klienten. Denn dort an diesem seltsamen Ort findet sich nicht nur alles, was irgendwer einmal verloren hat, sondern auch all die Menschen, die spurlos verschwunden sind.

Und, wie war’s?

Einfühlsam und flüssig erzählt, hat mich die Geschichte und ihr Geheimnis sofort in ihren Bann gezogen. Ohne ein großer Freund von Fantasiegeschichten zu sein, war ich auf das Mysteriöse in „Vermiss mein nicht“ doch neugierig genug. Cecilia Ahern scheint für alles eine recht plausible Eklärung liefern zu können. Doch das hält sie leider nicth bis zum Schluss durch. Das Ende kommt holter die polter und lässt einfach zu viele Fragen unbeantwortet.

Cecilia Ahern schätzte ich bisher durch ihre äußert feinfühlig erzählten Geschichten und fein gezeichneten Charaktere. Möglicherweise ist das Fantasy-Genre nicht das ihre und sie sollte dabei bleiben, was sie gut beherrscht.

Vermiss mein nicht, Cecilia Ahern
Fischer, 440 Seiten, 8,95 €, ISBN 3596167353





Rezension: Verachtung (von Jussi Adler-Olsen)

7 09 2012
Verachtung (Jussi Adler-Olsen)

Verachtung (Jussi Adler-Olsen)

gelesen von Astrid Kopp

Worum geht’s?

„Verachtung“ ist der vierte Band der Reihe „Sonderdezernat Q“.

Carl Mørck widmet sich dem Fall, den Sekretärin Rose aus einem dicken Aktenstapel ausgewählt hat, erstmal nur widerwillig. Eine vor über 20 Jahren vermisste Prostituierte erscheint ihm weniger aufregend als seine zahlreichen privaten Probleme. Die Ex-Frau, die zur Scheidung auch noch viel Geld will, die neue Freundin, die scheinbar noch einen anderen hat, die böse Erkältung, die ihn flach zu legen droht, und nicht zuletzt die Ermittlungen seiner Kollegen in einem alten Fall. Vor einigen Jahren gerieten Carl und zwei Kollegen in einen Schusswechsel. Ein Kollege starb, der andere lebt nun gelähmt und von der Frau verlassen in Carls Wohnzimmer, nur Carl entkam ohne schlimmere Verletzungen. Das ist sowieso schon verdächtig genug, aber nun weisen auch noch neue Spuren darauf hin, er könnte mit den Gangstern gemeinsame Sache gemacht haben.

Erst als sein Assistent Assad und Rose herausfinden, dass zeitgleich mit der Prostituierten noch fünf andere Personen verschwunden und nie wieder aufgetaucht sind, wird Carls Aufmerksamkeit geweckt. Die Spur führt ihn und sein gewohnt schrulliges Team zu dem rechtsradikalen Politiker Curt Wad, und auf die Insel Sprogø, auf der jahrzehntelang Frauen weggesperrt und zwangssterilisiert wurden.

Und, wie war’s?

„Verachtung“ ist ein sehr (sehr!) gutes und erschütterndes Buch. Die atemlose Spannung, die ich aus den ersten drei Bänden der Reihe gewohnt war, hat mich zwar diesmal nicht ergriffen. Die Ermittlungen plätschern ein wenig dahin, die zahlreichen Rückblicke in die Vergangenheit einer Protagonistin sind hoch interessant, aber eben kein Kampf gegen die Zeit oder ums Überleben.

Dafür greift Jussi Adler-Olsen ein dunkles und mir bis dato unbekanntes Kapitel der dänischen Geschichte auf. Dass jahrzehntelang Frauen, die als schwachsinnig betitelt wurden, wie Arbeitssklaven auf einer Insel weggesperrt waren und nach Gutdünken der Ärzte sterilisiert wurden, um zu verhindern, dass sie sich „vermehren“, ist einfach nur erschreckend. Der Autor zeigt anschaulich, was Menschen mit anderen Grausames anstellen können, nur weil sie sich ihnen überlegen fühlen und die richtige Gelegenheit bekommen. Und er schafft es, in mir vollstes Verständnis für eine eiskalt planende Mörderin zu wecken, so eindringlich sind die Erlebnisse und daraus resultierenden Gefühle einer Protagonistin geschildert.

Als Thriller hat mich „Verachtung“ nicht ganz überzeugt, als grandiose Gesellschafts- und Charakterstudie dafür umso mehr.

Verachtung, Jussi Adler-Olsen
Deutscher Taschenbuch Verlag dtv, 544 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3423280020

Ich danke dtv herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.





Rezension: Nächsten Sommer (von Edgar Rai)

26 04 2012

gehört von Michele Reble

Nächsten Sommer (von Edgar Rai)

Nächsten Sommer (von Edgar Rai)

Worum geht’s?

Felix, Marc und Bernhard wissen noch nicht so richtig, wo sie im Leben eingentlich stehen und wo sie hingehören. Als Felix plötzlich von seinem verstorbenen Onkel dessen Haus in Südfrankreich erbt, setzen sich die drei kurzerhand in Marcs klapprig alten VW Bus und treten die Reise an. Dabei treffen sie auf die lebenslustige Lilith, die einsame und traurige Jeanne und schließlich schließt sich noch Zoe, Bernhards Schwarm und gute Freundin der drei Jungs, den Reisenden an.
Gemeinsam erleben sie verrückte Dinge, müssen vor der Polizei fliehen und können in letzter Minute vor dem Ertrinken gerettet werden.

Und, wie war’s?

„Nächsten Sommer“ ist das lässigste, schönste, traurigste, fesselnste, nachdenklichste und lustigste Roadmovie, das mir je untergekommen ist.
Die von Felix erzählte Geschichte braucht keine großen Worte, um den Leser/Hörer in seinen Bann zu ziehen. Felix‘ Gedanken, manchmal klar strukturiert und tiefgründig lehrreich, manchmal so flüchtig wie der Wind, lassen einen teilhaben an dem Leben und der Reise der jungen Leute. Dabei driftet die Erzählung nicht – wie so oft – ab in eine Suche nach sich selbst und philosophischen Ausschweifungen, sondern bleibt realitätsnah und zeigt auf, womit jeder der sechs Reisenden zu kämpfen hat.

Die Charaktere sind sehr unterschiedlich, aber jeder für sich authentisch und detailliert gezeichnet, so dass man als Leser am Ende des Buches den Eindruck hat, eine Reihe von Freunden dazugewonnen zu haben.

Ich hab allerdings auch was zu meckern: absolut überflüssig und sogar störend empfand ich die Musik, die zwischen einige Kapitel gespielt wurde.

Nächsten Sommer, Edgar Rai
Hörbuch gelesen von Andreas Petri
Jumbo Neue Medien Verlag über audible.de 13,95 €, 4 Stunden 35 min, ISBN383372580X

Taschenbuch: Aufbau Taschenbuch, 236 Seiten, 8,95 Euro, ISBN 374662732X

Leselust ist Mitglied im Rezensionsprogramm von audible.de. Ich danke der Audible GmbH für das kostenfreie Hörbuch.





Rezension: Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown (von Anne Helene Bubenzer)

17 04 2012

gelesen von Michele Reble

Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown (Anne Helene Bubenzer)

Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown (Anne Helene Bubenzer)

Worum geht’s?

Henry N. Brown ist kein einfacher Teddybär. Nein, Henry denkt, fühlt, riecht und sieht. Nur sprechen kann er nicht. Und auch, wenn ihn das manchmal schier zur Verzweiflung bringt, weil er so vieles sieht, was die Menschen nicht zu sehen vermögen, so weiß er doch, welch wichtige Aufgabe er erfüllt: er hört zu und er tröstet. Und solch einen Bären braucht jeder Mensch einmal.

So führt ihn seine Reise nicht nur über verschiedene Kontinente, sondern vor allem in die Häuser der unterschiedlichsten Menschen: arm und reich, fröhlich und traurig, hasserfüllt und voller Liebe, verzweifelt und hoffnungsvoll.

Und, wie war’s?

Dieses Buch ist eine echte Bereicherung. Von der ersten Seite an, habe ich „die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown“ in mich aufgesogen und bin eingetaucht in die Welt des liebevollen Teddybären. Ich habe mit ihm gelitten, wenn er von lieben Menschen getrennt wurde, war mit ihm zusammen wütend, wenn ihm oder seinen Lieben Ungerechtigkeiten widerfahren sind, bin mit ihm verzweifelt, wenn er dazu verdammt war, sich nicht äußern zu können und habe mich mit ihm gefreut, wenn ihm Gutes widerfahren ist. Dabei

Besonders gut gefallen hat mir die Mischung von Henrys Erzählungen und Beobachtungen, von geschichtlichen Ereignissen, die er miterlebt und bewertet und von unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und Charakteren, die Henry auf seiner Reise kennenlernt.
Absolute Kaufempfehlung!!

PS: Wer denken sollte, das es sich hierbei um ein Kinderbuch handelt, liegt daneben. Lediglich der Erzähler ist ein Teddybär.

Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown, Anne Helene Bubenzer
rororo, 480 Seiten, ISBN 978-3499252891, 9,99 €