Rezension: Tausend strahlende Sonnen (von Khaled Hosseini)

5 01 2011
gelesen von Michele Rassinger
Tausend strahlende Sonnen (Khaled Hosseini)

Tausend strahlende Sonnen (Khaled Hosseini)

„Tausend strahlende Sonnen“ erzählt von dem schweren Schicksal zweier Frauen im zerrütteten Afghanistan der letzten Jahrzehnte. Die unehelich geborene Mariam ist noch ein Kind, als sie mit dem 30 Jahre älteren Raschid verheiratet wird und ins ferne Kabul ziehen muss. Mariams Ehejahre sind geprägt durch das Leid unzähliger Fehlgeburten. Als wäre diese Bürde nicht schon groß genug straft Raschid sie mit seinem unermesslichen Zorn und Willkür.
Zwei Jahrzehnte später tritt Laila in Mariams Leben, die in der Nachbarschaft aufgewachsen ist. Raschid sieht durch Laila nun endlich eine Möglichkeit, einen Nachfolger zu zeugen. Er umwirbt Laila mit süßen Zungen, doch als das Erstgeborene ein Mädchen und kein Junge ist, verändert Raschid sein bis dahin liebliches Wesen und zeigt auch Laila sein wahres Gesicht.

Und, wie war’s?

Khaled Hosseinis besondere Art zu schreiben und den Leser zu fesseln, habe ich schon in „Drachenläufer“ kennengelernt. Sein Talent hat er mit „Tausend strahlende Sonnen“ einmal mehr bewiesen. Es fiel mir schwer, das Buch überhaupt nur aus der Hand zu legen.

Ein weiterer Grund dafür ist sicherlich auch das sehr bewegende Familiendrama, dass Hosseini gespickt mit politischen Hintergrundinformationen erzählt. Sehr einfühlsam und authentisch schildert er die Gefühle der mutigen Protagonistinnen, die gestärkt durch ihre enge Freundschaft extreme Willensstärke und Überlebensdrang in einer Welt voll männlicher Brutalität und frauenfeindlichen Gesetzen beweisen.

Mich hat die Geschichte um Mariam und Laila wirklich sehr berührt. Mehrfach musste ich mir bewusst machen, dass die geschilderten Grausamkeiten in unserer Zeit passieren und nicht 100 Jahre zurück liegen. Während des Lesens empfand ich sogar eine gewisse „Dankbarkeit“, in der westlichen Welt aufgewachsenen zu sein, weil es mir einfach unvorstellbar schien, was afgahnische Frauen über sich ergehen lassen müssen.

Trotz oder gerade weil das Schicksal dieser beiden Frauen so sehr bewegt und aufrüttelt, würde ich dieses Buch jedem uneingeschränkt empfehlen.

Tausend strahlende Sonnen, Khaled Hosseini
384 Seiten, Bvt Berliner Taschenbuch Verlag, 10,90 €, ISBN 3833305894





Rezension: Operation Ismael (von Christian Schönborn)

31 08 2010
gelesen von Michele Rassinger

Operation Ismael (von Christian Schönborn)

Operation Ismael (von Christian Schönborn)

Worum geht’s?

Die westlichen Nationen sollen einen Denkzettel erhalten. Dafür, dass sie den Tod von unzähligen, unschuldigen Menschen im Kampf gegen den Terrorismus in Kauf nehmen. Um mit gleichem Maße zurückzuschlagen, lösen islamistische Terroristen eine Pockenepidemie in Europa aus, die vor allem Deutschland heftig trifft. Tausende Menschen sterben qualvoll an dieser Seuche.
Dies ist der Beginn eines weltumfassenden Krieges. Denn die „Soldiers of the Holy Crusade“ schlagen zurück und schießen beim Start auf dem Frankfurter Flughafen eine Boeing 777 der Saudi Arabian Airlines ab.

Der amerikanische Anti-Terror-Experte Deek Miller soll die deutsche Regierung beraten und unterstützen. Das Ausmaß dieser Krise ist ihm zu Beginn längst nicht bewusst…

Und, wie war’s?

Das Thema ist topaktuell und genauso spannend. Beängstigend real wirkt dieses fiktive Szenario, so dass man zwar von der Spannung gefesselt ist, sich allerdings auch insgeheim ängstlich fragt, ob Johannes Schönborn hier nicht eine perfekte Vorlage zur realen Umsetzung liefert.

Dass der Autor studierter Religionswissenschaftler ist, kommt diesem Werke natürlich zu Gute, denn die religiösen Hintergründe und internationalen Zusammenhänge sind gut und anschaulich in die Geschichte eingepflochten.

Die Lesespannung der packenden Story gedämpft haben für mich allerdings die sprachlichen Mängel und vielen Klischees. Manche Dialoge wirken sehr aufgesetzt und wenig real. Der amerikanische Anti-Terror-Experte war mir etwas zu intelligent, allwissend und erinnerte mich allzu oft an den in Filmen unsterblichen Bruce Willis.

Operation Ismael, Christian Schönborn
Heyne Verlag, 352 Seiten, 8,95 €, ISBN 3453406877

P.S. An dieser Stelle noch einen herzlichen Dank an Christian Schönborn, der mir sein Werk als Rezensionsexemplar zukommen ließ.





Rezension: Die einzige Wahrheit (von Jodi Picoult)

3 02 2010

gelesen von Michele Rassinger

Die einzige Wahrheit (Jodi Picoult)

Die einzige Wahrheit (Jodi Picoult)

Worum geht’s?

Amische lügen nicht. Amische betrügen nicht. Und Amische töten ganz gewiss nicht.
Doch genau das wird der jungen Katie vorgeworfen. Die Polizei findet auf dem Hof ihrer Eltern ein totes Neugeborenes unter Decken im Stall und alle Beweise sprechen eindeutig gegen Katie. Das amische Mädchen wird festgenommen und angeklagt. In der fremden Welt der Englischen fühlt sie sich völlig eingeschüchtert und verängstigt. Keiner glaubt ihr, dass sie das Kind nicht geboren und erst recht nicht geötet hat.

Ihre Tante, die vor Jahren aus der amischen Gemeinde verbannt wurde und seither ein normales Leben als Englische führt, steht ihr bei. Sie überredet ihre Nichte Ellie, Katie als Anwältin zu vertreten. Ellies eigene Zweifel werden durch das ablehnende Verhalten von Katies Vater und die Wiederstände durch die für sie befremdlichen Regeln und Ritualen der amischen Glaubensgemeinschaft verstärkt. Doch Ellie nimmt den Kampf gegen die Justiz und gewissermaßen auch gegen ihre eigene Klientin auf.

Und, wie war’s?

Eine Geschichte, die im Zentrum einer amischen Glaubensgemeinschaft spielt. Das hat mich auf „Die einzige Wahrheit“ sehr neugierig gemacht. Bis dato wusste ich über dieses Thema, was man eben so weiß: Amische leben abseits der zivilisierten Welt, sie fahren Kutschen statt Autos, sie versorgen sich fast auschließlich durch eigenen Anbau und Viehzucht, sie nutzen keinen elektrischen Strom und haben einige seltsam anmutenden Anschauungen und Regelungen.
Jodi Picoult brachte mir diese fremde Welt sehr anschaulich aus den verschiedenen Perspektiven nahe und die Geschichte, die im Leben dieser Leute spielt, ist sehr unterhaltsam. Der Konflikt durch die unterschiedlichen Weltanschauungen kommt durch Ellie und Katie sehr gut hervor, so dass ich mich beim Lesen automatisch damit auseinandergesetzt habe, was die Amischen von uns „normalen“ abgrenzt.

Neben ein paar wenigen Längen gibt es einige kleine Schönheitsfehler. Ellie wird als knallharte und professionelle Anwältin dargestellt. Allerdings stellt sie in den entscheidenden Momenten nicht die richtigen Fragen. Nicht, dass dadurch etwas total unlogisch erscheinen würde. Aber es gibt Kleinigkeiten, die wirklich auf der Hand liegen, die die Autorin aber einfach missachtet (z.B. warum brannte im Stall das Licht? Wie kann Ellie Katies Aussage kurz vor Prozessende so missdeuten?).

Insgesamt hat mich „Die einzige Wahrheit“ aber überzeugt. Das vermittelte Hintergrundwissen ist ungeheuer interessant und lehrreich. Und die Kriminalgeschichte ist spannend und gut aufgebaut.

Die einzige Wahrheit, Jodi Picoult
Piper, 464 Seiten, ISBN 3492237169, 9,95 €





Rezension: Drachenläufer (von Khaled Hosseini)

3 11 2009

gelesen von Michele Rassinger

Drachenläufer (von Khaled Hosseini)

Drachenläufer (von Khaled Hosseini)

Worum geht’s?

Amir ist der Sohn eines wohlhabenden Afghanen. Der schiitische Hausdiener Ali ist mit Amirs Vater aufgewachsen, ist seit jeher mit der Familie verbunden und lebt zusammen mit seinem Sohn Hassan in einer Hütte neben dem prächtigen Haus.
Hassan und Amir verbringen jede freie Minute miteinander, lassen Drachen steigen, entdecken die Umgebung oder ruhen sich unter ihrem Lieblingsbaum aus, während Amir dem Analphabeten Hassan Geschichten vorliest.
So sehr Amir die Gesellschaft von Hassan genießt, so sehr schämt er sich aber auch in der Öffentlichkeit für seine Freundschaft mit Hassan, denn ein Hazara ist bei den Paschtunen nichts wert und lediglich als Hausdiener geeignet. Obwohl sich Amir Hassans unendlicher Treue und Loyalität gewiss ist, schafft er selbst es nicht, in einer dramatischen Situation für seinen Freund einzustehen und verändert beider Leben damit unwiderruflich.

Und, wie war’s?

Mir fiel es anfangs recht schwer, einen Einstieg in das Buch zu bekommen. Doch mit dem Schlüsselerlebnis nach den ersten 60 Seiten hat mich die Handlung in ihren Bann gezogen. Die mir bis dahin weitgehend unbekannten Bräuche der afghanischen Kultur haben sich mir auf befremdliche, aber auch interessante Weise durch Hosseinis Erzählung gezeigt.

Khaled Hosseini erzählt so lebhaft, dass ich die Handlung wie einen Film vor meinem inneren Auge gesehen habe und Amirs Leben neugierig gefolgt bin.

Sehr tragisch ist Amirs lebenslanger Versuch, vor seinem Vater zu brillieren und seine Aufmerksamkeit und seinen Stolz auf sich zu ziehen. Die fehlende Anerkennung setzt ihm dermaßen zu, dass er sogar seinen besten Freund verrät. Diese unerträgliche Schuld verfolgt ihn sein ganzes Leben und beeinflusst seine Handlungen unbewusst.

Nicht nur Amir, sondern auch sein Vater und Hassan sind wunderschön und detailliert gezeichnete Charaktere, denen es an Menschlichkeit aufgrund all ihrer Stärken, Schwächen und Verfehlungen nicht mangelt.

„Drachenläufer“ ist so bewegend, traurig und menschlich, dass ich es jedem nur weiterempfehlen kann.

Drachenläufer, Khaled Hosseini
bvt, 385 Seiten, ISBN 383330149X, 10,50 €





Rezension: Jesus liebt mich (von David Safier)

14 06 2009
 

Jesus liebt mich (Safier)

Jesus liebt mich (Safier)

gelesen von Astrid Walter

Worum geht’s?

Gerade noch rechtzeitig erkennt Marie vorm Traualtar, dass sie den Mann an ihrer Seite nicht liebt. Sie macht einen Rückzieher und wird für so viel Ehrlichkeit offensichtlich belohnt, denn nur wenige Stunden später taucht ein Mann auf, der für die Mittdreißigerin der Richtige zu sein scheint. Der Handwerker Joshua ist zwar ein wenig merkwürdig gekleidet und zitiert ungewöhnlich viele Bibelverse, aber das hält Marie nicht davon ab, sich Hals über Kopf in den Fremden zu verlieben. Doch ihre Liebe wird schnell auf eine harte Probe gestellt. Joshua heißt nämlich eigentlich Jesus und ist von Gott zurück auf die Erde geschickt worden, um schon mal alles fürs Jüngste Gericht vorzubereiten.

Und, wie war’s?

Ähnlich wie in „Mieses Karma“ setzt David Safier ganz auf eine skurile Grundhandlung, viel Situationskomik und Wortwitz. Am Anfang war mir das stellenweise zu gewollt, aber mit der Zeit hat das Lesen richtig viel Spaß gemacht.

Sehr gut gefallen hat mir ein Nebenstrang, in dem auf Maries Verhältnis zu ihrer an einem Gehirntumor erkrankten Schwester eingegangen wird. Der liebevolle Umgang der Schwester miteinander und die Sorge umeinander gibt dem Buch abseits der Liebesgeschichte die nötige Tiefe.

Trotzdem kann ich „Jesus liebt mich“ nur eingeschränkt empfehlen. Denn vor allem zum Ende hin wird das Buch doch sehr religionslastig. Wer selbst nicht sonderlich gläubig ist, wird sich damit vermutlich schwer tun und ob Strenggläubigen die Vorstellung vom Nachmittagstee mit Gott gefällt, wage ich auch zu bezweifeln.

Jesus liebt mich, David Safier
Kindler/Rowohlt Verlag, 301 Seiten, 16,90 Euro, ISBN 978-3-463-40552-0




Rezension: Das Ende einer Affäre (von Graham Greene)

11 06 2009
gelesen von Michele Rassinger

Das Ende einer Affäre (Graham Greene)

Das Ende einer Affäre (Graham Greene)


 
Worum geht’s?

Während des Zweiten Weltkiegs lernt der Schriftsteller Maurice Bendrix bei der Recherche für sein neues Buch Sarah kennen. Obwohl sie die Frau des Staatsbeamten Henry Miles ist, entfacht sich schnell eine leidenschaftliche Beziehung zwischen den beiden, aus der eine tiefe Liebe entsteht. Doch Maurice fällt es schwer, zu teilen, und er bittet Sarah, sich von ihrem Mann zu trennen, damit sie heiraten können. Ein Bombenangriff, der Maurices Haus trifft, setzt ihrer Affäre ein jähes Ende.

Ein Jahr später trifft Maurice Henry zufällig wieder, der ihm von seiner Befürchtung berichtet, seine Frau könnte einen anderen haben. Also beauftragt Maurice einen Privatdektiv, um die Sache aufzudecken. Dabei wird ihm das Tagebuch von Sarah zugespielt und er erfährt nun endlich, warum sich Sarah damals so aprubt von ihm abgewendet hat.  

Und, wie war’s?

Obwohl die Geschichte wirklich interessant ist, war „Das Ende einer Affäre“ recht zäh zu lesen. Ich kann aber nicht festmachen, woran es lag. Denn die Sprache fand ich klasse – mit einer guten Portion Sarkasmus lässt Graham Greene seinen Protagonisten Maurice den Großteil des Geschehens erzählen. Die Handlung ist schlüssig und hat keine nennenswerten Längen.

Sehr gut dargestellt wird die emotionale Ebene. Der Protagonist wechselt zwischen markerschütterndem Hass, tief empfundener Liebe, zerreißender Eifersucht und ehrlich empfundener Freundschaft und lernt sich selbst dabei mehr und mehr kennen.

Doch nach und nach wird die Religion zum zentralen Thema und nimmt meiner Meinung nach viel zu viel Platz ein. Vielleicht macht dies den negativen Beigeschmack aus.

Auch wenn dieses Werk von Graham Grenne hochgelobt und sogar verflimt wurde, würde ich es nicht zwingend weiterempfehlen.  

Das Ende einer Affäre, Graham Greene
Rowohlt (1955), 170 Seiten, nicht mehr erhältlich
Dtv, 256 Seiten, 9,00 €, ISBN 3423127767





Rezension: Illuminati (von Dan Brown)

27 05 2009
gelesen von Michele Rassinger

Illuminati (Dan Brown)

Illuminati (Dan Brown)

Worum geht’s?

Einem Physiker ist das Unmögliche gelungen: Er hat gemeinsam mit seiner Tochter den Urknall rekonstruiert. Die künstliche Antimaterie, die er hergestellt hat, ist der Beweis dafür, dass die Entstehung des Universums auf die Wissenschaft zurückzuführen und nicht ein Werk Gottes ist. Kurze Zeit nach seiner Entdeckung wird der Wissenschaftler ermordet und die Antimaterie gestohlen. Auf der Haut des Toten ist das Zeichen der Illuminati eingebrandt. Diese auf die Renaissance zurückzuführende geheime Bruderschaft, der namhafte Wissenschaftler angehört haben, war längst totgeglaubt.

Robert Langdon, ein Havard-Professor für Geisteswissenschaften und Symbolik, und die Tochter des toten Physikers machen sich auf die Suche nach der Antimaterie. Schnell wird ihnen klar, dass ein teuflischer Plan hinter den Taten der Illuminati steckt, die immer noch aktiv sind. Denn diese wollen nun endlich das Ende des Vatikans herbeiführen und ermorden die aussichtsreichsten Kandidaten der bevorstehenden Papst-Wahl.

Und, wie war’s?

Physik und Katholizismus. Das waren bisher Themen, die mich nicht hinter dem Ofen vorlocken konnten. Doch aufgrund der unzähligen Empfehlungen aus dem Freundeskreis habe ich mich an „Illuminati“ gewagt. Und ich war tatsächlich positiv überrascht. Dan Brown erzeugt bereits ab der ersten Seite eine Hochspannung, die es mir schier unmöglich machte, diesen Thriller aus der Hand zu legen. Die unzähligen Wendungen bringen immer wieder neue Überraschungen und steigern das Tempo bis zum Schluss.

Die einzelnen Themen – Religion, Weltverschwörung, Wissenschaft, Okkultismus – werden so gekonnt miteinander verknüpft, dass selbst unrealistische und abstruse Details die Freude am Lesen nicht nehmen können.
Dan Browns bildhafte Sprache ermöglicht es dem Leser, die verschiedenen Schauplätze während der atemberaubenden Jagd durch Italien vor Augen zu haben.

„Illuminati“ wird alle Fans von spannender Literatur begeistern. Jene, die es wahrheitsgetreu lieben, wird es eher verschrecken. Ich würde es jedoch jederzeit als äußert spannende Unterhaltung weiterempfehlen.

Illuminati, Dan Brown
Lübbe, 701 Seiten, 9,95 €, ISBN 3404148665

P.S. Ab 13.05.2009 im Kino!