Rezension: Mummenschanz (von Terry Pratchett)

14 03 2013
Mummenschanz (Foto: audible.de)

Mummenschanz (Foto: audible.de)

gelesen von Astrid Kopp

Worum geht’s?

„Mummenschanz“, der 18. Band der Scheibenwelt-Reihe, entführt den Hörer in die Welt der Hexen und die mindestens ebenso magische und gefährliche der Oper. Alles beginnt mit einem freien Platz im Hexenzirkel. Nachdem Magrat in einem vorherigen Roman Lancres König Verence geheiratet hat, hängt sie die Zauberei an den Nagel. Nur mit Oma Wetterwachs und Nanny Ogg ist es kein ordentlicher Zirkel mehr, denn dazu gehören drei Hexen. Eine geeignete Nachfolgerin für Magrat kommt den beiden schnell in den Sinn, doch dummerweise ist die magisch begabte Agnes Nitt gerade in die große Stadt Ankh-Morpok gegangen, um dort eine berühmte Opernsängerin zu werden. Oma Wetterwachs und Nanny Ogg packen kurzerhand Proviant und schwarzen Kater ein und machen sich in der Kutsche auf den langen Weg nach Ankh-Morpok.

Dort ergeht es derweil Agnes Nitt nicht ganz so, wie es sich die junge Frau erhofft hatte. Zwar hört der Operndirektor natürlich sofort, was für eine wunderbare Stimme Agnes hat. Was er sieht, gefällt ihm aber so gar nicht. Deshalb bekommt die Solorolle in dem neuesten Opernstück eine bildhübsche, aber strohdumme und gesanglich gänzlich unbegabte Konkurrentin. Die pummelige Agnes soll sich im Chor verstecken – die Soloparts aber unbemerkt für die Andere singen. Agnes stimmt zu. Dabei ist ihr nicht bewusst, dass sie sich damit vielleicht sogar in Lebensgefahr bringt. Denn an der Oper treibt ein mörderisches Phantom sein Unwesen. Wie gut, dass Oma Wetterwachs und Nanny Ogg schon unterwegs sind, um nicht nur Agnes zurück nach Lancre zu holen, sondern vorher auch noch ordentlich im Opernhaus aufzuräumen.

Und, wie war’s?

„Mummenschanz“ spielt zwar in einer Fantasywelt, enthält aber so viele grandios komische Alltagsbeobachtungen zu Gegebenheiten und Charakteren aus dem realen Leben, dass es eine wahre Freude ist. Kurzweilig, satirisch, grandios geschrieben und noch besser gesprochen. Katharina Thalbach erweckt alle Figuren, egal ob Hexe, Mensch, Kater oder Phantom, derart gekonnt zum Leben, so dass ich jetzt schon meine, viele persönlich zu kennen.

Außer „Mummenschanz“ kenne ich bisher nur den 23. Band der Scheibenwelt-Reihe, „Ruhig Blut“. Bestimmt habe ich deshalb die ein oder andere Andeutung auf vorherige Bände überhört, mein Hörvergnügen wurde davon aber nicht gestört. Man kann also bedenkenlos mit diesem Hörbuch einsteigen und dann süchtig werden. „Lords und Ladies“ habe ich schon in meine Audible-App geladen…

Mummenschanz, Terry Prachtett
gelesen von Katharina Thalbach
SchallundWahn über audible.de, 6 Std 6 Min, 9,95 Euro
Taschenbuch: Goldmann Verlag, 352 Seiten, 8,95 Euro, ISBN 978-3442452606
Leselust war Mitglied im audible.de Rezensionsprogramm. Ich danke der audible.de GmbH für das kostenfreie Hörbuch.




Rezension: Schwarzer Mond über Soho (von Ben Aaronovitch)

28 01 2013
Schwarzer Mond über Soho (Aaronovitch)

Schwarzer Mond über Soho (Aaronovitch)

gelesen von Astrid Kopp

Worum geht’s?
So richtig kommt Constable Peter Grant nicht dazu, Latein zu lernen und Zaubersprüche zu üben. Kurz nachdem der Nachwuchszauberer und Bobby Aaronovitchs vorherigem Buch „Die Flüsse von London“ einen gefährlichen Geist zur Strecke gebracht hat, häufen sich in London schon wieder die Todesfälle mit magischer Aura. Eine geheimnisvolle und sehr gefährliche Dame raubt Männern ihr bestes Stück – und damit auch das Leben. Weniger grausam aber ebenso endgültig sterben mehrere Musiker. Dass Jazz etwas damit zu tun hat, ist für Peter Grant unüberhörbar, aber kann Musik denn tödlich sein?
Und, wie war’s?
Wie schon in „Die Flüsse von London“ startet die Geschichte eher behäbig, nimmt dann aber mächtig Fahrt auf bis zum spannenden und traurigen Finale. Ben Aaronovitch verschmilzt die Londoner Jazz-Szene in Soho mit einer Welt, in der Menschen zu Katzen werden, Tote reden und Magie über allem wabert. Gut gefällt mir, dass Peter Grant dabei trotz seiner besonderen Fähigkeiten sehr menschlich ist – mit allen Fehlern, Ängsten und Hoffnungen, die man als junger Mann eben vermutlich so hat, wenn man die Welt fast im Alleingang vor attraktiven Jazz-Vampiren retten muss.
Ein bisschen verwirrend fand ich die zwei parallel laufenden Fälle. Der eine endet auch sehr aprupt, ohne dass die Motiviation der Täterin befriedigend erklärt werden würde. Dafür war der andere Fall mit seiner schön ausgedachten Historie und dem traurigen Ende umso besser.
Schwarzer Mond über Soho,  Ben Aaronovitch
dtv, 413 Seiten, 9,95 Euro, ISBN 978-3-423-21380-6




Rezension: Totentanz für Dr. Siri (von Colin Cotteril)

18 06 2012

gehört von Michele Reble

Totentanz für Dr. Siri (von Colin Cotterill)

Totentanz für Dr. Siri (von Colin Cotterill)

Worum geht’s?

Der alternde, skurile und clevere Dr. Siri wird in die Provinz beordert, um dort einen Leichenfund aufzuklären. Mitten aus einem frisch angelegten Weg ragt eine Leiche raus, die offensichtlich lebendig einbetoniert wurde. Viel Zeit bleibt dem Pathologen nicht für des Rätels Lösung, denn eine wichtige Veranstaltung steht an und bis dahin soll von dem mysteriösen Leichenfund nicht mehr die Rede sein.
Auf der Suche nach der Wahrheit stößt er zusammen mit seiner Assistentin Dtui auf einen geheimen Bund der schwarzen Magie. Noch ist ihm nicht klar, wie das alles in Zusammenhang steht. Und was hat es mit der nächtlichen, ohrenbetäubenden Discomusik auf sich, die nur er zu hören scheint?

Und, wie war’s?

Die grandiose Art Liefers, banalen Sätze einnen hübschen, ironischen Wortwitz zu verleihen, hat mich wieder maßlos begeistert. Diese Stimme passt zu dem zynischen und brillianten Dr. Siri wie die Faust aufs Auge. Man hat fast den Eindruck, als würde der Pathologe selbst die Geschichte erzählen.

Die Charaktere, die Colin Cotteril geschaffen hat, sind für sich einzigartig und wunderschön herausgearbeitet. Etwas schade fand ich, dass der Pathologieassistent diesmal nicht am Geschehen beteiligt war.

Die Geschichte an sich hat mich nicht so gefangen genommen, wie „Dr. Siri und seine Toten“. Doch das nimmt man kaum wahr, weil die Geschichten um Dr. Siri und sein Team einfach ein absoluter Hörgenuss sind. Die Kombination Colin Cotteril und Jan Josef Liefers ist einfach nicht zu übertreffen.

Totentanz für Dr. Siri, Colin Cotteril
gelesen von Jan Josef Liefers
SchallundWahn über audible.de, 12,95 Euro, 4 Stunden und 53 Minuten (gekürzt)
Taschenbuch: Goldmann Verlag, 320 Seiten, 8,99 Euro, ISBN 978-3442466924
Leselust ist Mitglied im Rezensionsprogramm von audible.de. Ich danke der audible GmbH für das kostenfreie Hörbuch.




Rezension: Die Novizin (von Trudi Canavan)

21 11 2009


 

Die Novizin (Canavan)

Die Novizin (Canavan)

gelesen von Astrid Walter

Worum geht’s?

Seit sie mit ihrer Novizen-Ausbildung in der Gilde begonnen hat, belastet die junge Magiern Sonea ein gefährliches Geheimnis. Auch die anderen Novizen, die ihr, dem armen Mädchen aus den Hüttenvierteln, zuerst mit Neugierde, dann mit Gleichgültigkeit und Hass begegnen, machen ihr das Leben schwer. Nur in Gegenwart ihres Ausbilders Rothen, der ebenfalls von dem Geheimnis weiß, und dessen attraktiven Sohnes fühlt sie sich wohl. Als der mysteriöse und kalte Hohe Lord hinter das Geheimnis kommt, macht er Sonea zu seinem Schützling und verwehrt ihr auch noch diese Kontakte. Doch Sonea gibt nicht etwa auf, sondern nimmt den Kampf mit ihren Problemem auf.

Und, wie war’s?

In diesem Band ging mir alles zu einfach. Obwohl ihre Kollegen ihr teils brutale Streiche spielen, scheint Sonea selbst das nicht wirklich zu berühren. Entsprechend kalt ließ es mich. Ähnlich ging es mir mit allen anderen Bedrohungen. Gerade, wenn es spannend hätte werden können, war auch schon die Lösung gefunden, bzw. das Opfer gerettet.

Auch schien mir die gesamte Geschichte nicht richtig voran zu kommen. Das wird im dritten Band dann deutlich besser, so dass für mich „Die Novizin“ der schwächste Teil der Triologie ist.

Die Novizin, Trudi Canavan
cbt, 537 Seiten, 9,95 Euro, ISBN 978-3-570-30328-3





Rezension: Die Rebellin (von Trudi Canavan)

14 11 2009

Die Rebellin (Canavan)

Die Rebellin (Canavan)

gelesen von Astrid Walter

Worum geht’s?

„Die Rebellin“ ist der erste Band der Triologie „Die Gilde der schwarzen Magier“ (Rezension Band 2, Band 3).

Es ist der Tag der großen Säuberung. Jahr für Jahr schreiten dabei die Magier der schwarzen Gilde durch die Stadt und vertreiben auf Geheiß des Königs Bettler und Obdachlose in das ärmliche Hüttenviertel. Wütend wehrt sich das Mädchen Sonea gegen diese Aktion und wirft einen Stein nach den Magiern. Der Stein durchdringt den magischen Schutzschild der Gilde und lenkt so die Aufmerksamkeit der Magier auf das junge Mädchen. Sonea flüchtet Rache fürchtend in den Schutz der im Untergrund der Stadt lebenden Diebe, doch die Gilde begibt sich auf die Suche nach ihr. Denn wer ein Schutzschild durchdringen kann, hat magische Kräfte – und alle potentiellen Magier müssen zu ihrem und zu dem Schutz anderer gut ausgebildet werden.

Und, wie war’s?

Mitreißend. Dabei macht den Reiz des Buches weniger die Grundhandlung aus, vielmehr fasziniert mich die Welt, die Trudi Canavan geschaffen hat. Ohne die Skizze vorne im Buch auch nur angesehen oder gar das Glossar am Ende gelesen zu haben, erschien vor meinem inneren Auge ein Bild der Stadt Imardin, sah ich die Armut in dem Hüttenviertel und den Reichtum in der Stadt. Die Charaktere sind schön vielschichtig und entwickeln sich weiter.

Obwohl ich die Geschichte an sich stellenweise ziemlich vorhersehbar fand, habe ich die 537 Seiten in Rekordzeit gelesen. Richtig spannend wird es erst auf den letzten Seiten – weshalb ich übergangslos den Nachfolger „Die Novizin“ gelesen habe.

Die Rebellin, Trudi Canavan
cbt, 537 Seiten, 9,95 Euro, ISBN 978-3-570-30328-3





Rezension: The Witches/Hexen Hexen (von Roald Dahl)

6 07 2009
gelesen von Michele Rassinger
  
The Witches (Roald Dahl)

The Witches (Roald Dahl)

Worum geht’s?

Als Lukes Eltern bei einem Unfall ums Leben kommen, wird er von seiner Großmutter aufgezogen. Von ihr erfährt er, dass es in jedem Land Hexen gibt und dass der schwarze Umhang und der Besen nur ein Märchen sind. Echte Hexen sehen aus wie ganz normale Frauen. Es gibt nur einige wenige Auffälligkeiten (z.B. trage Hexen Perücken, weil sie keine Haare haben oder verstecken ihre Krallennägel unter Handschuhen), an denen man eine Hexe festmachen kann. Ihr Ziel ist es, sämtliche Kinder auf der Welt zu vernichten. Da sie Kinder durch ihren Duft ausfindig machen, verzichtet Luke fortan auf das Baden und achtet peinlichst genau auf all die Hinweise, die seine Oma ihm gegeben hat.

Während des Urlaubs in einem abgelegenen südenglischen Ort gerät Luke mitten in das jährliche landesweite Treffen mit der Oberhexe. Vor Angst fast gelähmt, versucht er sich zu verstecken…

Und, wie war’s?

„The Witches“ ist – wie auch die anderen Bücher von Roald Dahl – erfrischend unbelehrend im Vergleich zu deutschen Kinderbüchern. Wieder einmal wurde ich von Roald Dahls humorvollen Phantasie großartig unterhalten. Ich hätte allerdings starke Bedenken, ein 8-jähriges Kind „The Witches“ lesen zu lassen. Die Schilderung der Hexen (deren Zehen abgeschnitten sind) und vor allem die der Oberhexe (deren hübsches Gesicht nur eine Maske ist, die ein unbeschreibliches Grauen verdeckt), fand ich doch sehr gruselig. Einem Kind bescherrt es garantiert Albträume.

Aber jedem „großen Kind“ kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen. Ich musste ununterbrochen schmunzeln über die verrückten Ideen (damit ein Zaubertrank zu einer bestimmten Zeit wirkt, muss man diesem einfach einen eingestellten, geschmolzenen Wecker hinzufügen). Doch die unter dem Titel „Hexen Hexen“ verfilmte Geschichte ist nicht nur unterhaltsam und lustig, sondern auch spannend und garantiert somit ein Lesevergnügen der besonderen Art.

The Witches, Roald Dahl
Puffin, 208 Seiten, 5,54 €, ISBN 014241011X

Hexen Hexen, Roald Dahl
Rowohlt, 196 Seiten, 6,95 €, ISBN 3499205874





Rezension: Die schwarze Stadt (von Tamora Pierce)

23 12 2008

gelesen von Astrid Walter

Die schwarze Stadt (Pierce)

Die schwarze Stadt (Pierce)

Worum geht’s?

Tamora Pierce erzählt in insgesamt vier Bänden die Geschichte von Alanna, einem mutigen und sturen Mädchen, das es schafft, die erste Ritterin des Köngreichs Tortall zu werden. Da die Bände aufeinander aufbauen, sollte man sie (zumindest beim ersten Mal ;-) ) auch in der richtigen Reihenfolge lesen. Band 2 ist „Im Bann der Göttin“, Band 3 „Das zerbrochene Schwert“, Band 4 „Das Juwel der Macht“.

In „Die schwarze Stadt“ wird der Wildfang Alanna von Trebond von ihrem Vater ins Kloster geschickt, damit aus ihr ein braves Fräulein wird. Ihr Zwillingsbruder Thom, ein vergeistigter Weichling, soll dagegen am Königshof die gefährliche Ritterausbildung durchleben. Kurz entschlossen tauschen die Zwillinge Plätze: Alanna reist als „Alan“ verkleidet an den Königshof, Thom geht ins Kloster, um von den gelehrten Mönchen die Kunst der Zauberei zu erlernen. Ein Jahr lang quält Alanna als Page ihren Körper im harten Ritter-Training und ihren Geist im täglichen Studium. Bald gehört sie zur Clique des Thronerben Jonathan und lebt sich am Hof ein, doch dann zeigt sich, dass die Götter dem Mädchen ganz besondere Aufgaben zugedacht haben…

Und, wie war’s?

Die Zielgruppe der Alanna-Reihe sind Jugendliche, und obwohl Fantasy zumeist eher ein Jungen-Genre ist, dürfte die Geschichte der eigensinnigen Alanna vor allem Mädchen im Alter zwischen 11 und 14 ansprechen. Trotzdem empfehle ich „Die schwarze Stadt“ auch für Erwachsene, denn die Mischung aus Einblicken in die Welt des Mittelalters und der phantastischen Ebene rund um Götter und Magie lässt mich die Realität für Stunden vergessen. Tamora Pierce gelingt eine so liebevolle und facettenreiche Beschreibung des Königreichs und der Palastbewohner, dass man leicht komplett in das Phantasiereich Tortall abtauchen kann.

Die schwarze Stadt. Alanna von Trebonds Abenteuer, Tamora Pierce
Arena, 207 Seiten, 5,90 Euro, ISBN 978-3401018157