Rezension: Im Labyrinth der Fugger (von Rebecca Abe)

10 05 2011
Im Labyrinth der Fugger (Abe)

Im Labyrinth der Fugger (Abe)

gelesen von Astrid Walter

Worum geht’s?

Die Familie Fugger ist eine der reichsten und mächtigsten im Augsburg des 16. Jahrhunderts. Die Mutter ignoriert ihre Tochter Anna und deren unzähligen Geschwister großteils, doch der wissenschaftlich interessierte Vater nimmt Anna unter seine Fittiche, bringt ihr sogar Lesen und Schreiben bei. Fähigkeiten, die Anna in ihrem späteren Leben gut gebrauchen kann, denn als eines Nachts die Küchenmagd von einer dunklen Gestalt vergewaltigt wird, heißt es, der Teufel sei im Haus. Annas leicht beeinflussbare Mutter wird daraufhin ganz vom Jesuiten-Prediger Petrus Canisius vereinnahmt. Sie konvertiert nicht nur, sondern schickt auch ihre Kinder ins Kloster. Dass das genau in den perfiden Plan von Annas Onkel passt, ahnt zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Auch Anna wird erst misstrauisch, als ihre Geschwister der Reihe nach überraschend sterben.

Und, wie war’s?

Es hat eine Weile gedauert, bis ich in dem Buch drin war. Am Anfang prasseln sehr viele Namen aus der unglaublich großen Fugger-Familie auf den Leser ein. Dazu gibt es noch einen zweiten Erzählstrang über einen Kürschner und seine Tochter Bianca, der zu Beginn relativ viel Aufmerksamkeit bekommt und dessen Sinn sich mir bis zum Schluss nicht erschlossen hat. Alles in allem war mir das Buch ein bisschen zu überfrachtet, die Konzentration auf die Person Anna Fugger hätte völlig gereicht.

Die Erzählung des historisch großteils belegten Lebens der mutigen Frau fand ich sehr interessant. Die Autorin hat tolle Recherechearbeit geleistet und für historisch zumindest ein wenig interessierte Leser spannenden Lesestoff geschaffen. Sehr gut gefallen haben mir die Beschreibungen des Lebens im 16. Jahrhundert. Inquisition, Folter, karges Klosterleben, das alles schildert Rebecca Abe sehr eindrücklich und trotzdem nicht zu grausam.

Im Labyrinth der Fugger, Rebecca Abe
Gmeiner Verlag, 469 Seiten, 12,90 Euro, ISBN 978-3839211441

Herzlichen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar. :-)

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Rezension: Der Puppenkönig (von Wolf Serno)

22 12 2010

Der Puppenkönig (Serno)

Der Puppenkönig (Serno)

gelesen von Astrid Walter

Worum geht’s?

Der Bauchredner Julius Klingenthal sucht im Winter 1782 Unterschlupf in der Scheune des Pfarrers von Steinfurth. Mit Auftritten will er sich in der kleinen Stadt über Wasser halten. Doch die Bürger interessieren sich mehr für eine grausame Mordserie als für sprechende Puppen. Während Julius Klingenthal bald vermutet, der Mörder könne gezielt Männer töten, die ihre Kinder schlagen, hat der Amtsinspektor den Bauchredner als Täter im Verdacht.

Und, wie war’s?

„Der Puppenkönig“ ist ein klassischer historischer Kriminalroman. Die Suche nach dem Mörder steht dabei im Vordergrund, geschichtliche Hintergründe sind nur für die Atmosphäre wichtig. Der Roman ist zwar nicht sonderlich spannend, aber durchaus unterhaltsam und präsentiert eine schlüssige Auflösung. Gut gefallen haben mir die vom Bauchredner Klingenthal zum Leben erweckten Puppen. Die Dialoge zwischen Mensch und Puppe geben dem Buch einen schönen Witz.

Der Puppenkönig, Wolf Serno
Knaur, 496 Seiten, 8,95 Euro, ISBN 978-3426635455





Rezension: Aprilgewitter (von Iny Lorentz)

27 08 2010

Aprilgewitter

Aprilgewitter

gelesen von Astrid Walter

Worum geht’s?

Das Leben in Berlin gestaltet sich für Fridolin und Lore von Trettin schwieriger als gedacht. Während Fridolin im Bankhaus Karriere macht, ignoriert die feinere Gesellschaft Lore. So verbringt das Paar immer weniger Zeit miteinander, schließlich glaubt Lore sogar das Gerücht, Fridolin wolle sich von ihr scheiden lassen, um die Tochter des Bankdirektors zu heiraten. Als Fridolin Opfer einer Intrige wird und im Gefängnis landet, setzt seine Frau sich trotzdem für ihn ein.

Und, wie war’s?

Vor einigen Jahren habe ich „Die Kastellanin“ von Iny Lorentz gelesen und, soweit ich mich erinnern kann, mochte ich den Roman gerne. Auf die Lektüre von „Aprilgewitter“ habe ich mich entsprechend gefreut. Doch das wandelte sich schnell in Enttäuschung, denn als Leser habe ich mich nicht für voll genommen gefühlt. Entweder, das Autorenpaar Iny und Elmar Lorentz hat selbst ständig vergessen, welche Informationen schon gegeben wurden, und sich deshalb laufend wiederholt. Oder sie sind davon ausgegangen, dass ich als Leserin mir über fünf Seiten nicht merken kann, wer wem Hörner aufsetzt. Übrigens auch jedes mal in genau dieser Ausdrucksweise, was nicht gerade für sprachliche Vielfalt spricht. Auch werden die Beweggründe für jede, wirklich jede, Handlung der Hauptfiguren so ausführlich dargelegt und erklärt, dass der Leser sich jegliche eigene Interpretation sparen kann.

Reichlich eigene Fantasie muss man dagegen aufbringen, wenn es um das Leben in Berlin zum Ende des 19. Jahrhunderts geht. Darüber habe ich nämlich nur erfahren, dass die Damen damals nicht viel zu sagen hatten und Kleider trugen, dass die Herren gerne ins Bordell gingen und ohne Militärdienst geleistet zu haben nicht für voll genommen wurden, und dass alle sich mit Kutschen fortbewegten. Ein paar mehr Beschreibungen hätten die Geschichte lebendiger gemacht.

„Aprilgewitter“ ist einfache, leichte Lektüre. Sozusagen das Fast Food Menü unter den historischen Romanen. Wenn man gerade Lust hat, mal ein paar Stunden nicht zu denken, kann das Lesen durchaus Spaß machen. Mit Anspruch darf man an das Buch aber nicht heran gehen.

Aprilgewitter, Iny Lorentz
Knauf, 707 Seiten, 9,95 Euro, ISBN 978-3-426-50414-7

Obwohl „Aprilgewitter“ mich nicht überzeugt hat, danke ich dem Knauf Verlag herzlich für das Rezensionsexemplar.





Rezension: Die Maurin (von Lea Korte)

10 07 2010
Die Maurin (Korte)

Die Maurin (Korte)

gelesen von Astrid Walter

Worum geht’s?

Zahara ist 13, als das Schicksal ihrer Heimat Andalusien zum ersten Mal auf dem Spiel steht. Die Kastilier wollen das Land von den Mauren zurückerobern. Zahara gerät zwischen alle Fronten, als die Frau des Emirs sie zu ihrem Spitzel macht. Derweil entbrennt in ihrer eigenen Familie ein Streit darüber, ob die Mauren kämpfen oder um Frieden verhandeln sollten.

Zahara selbst plagt außer Angst um ihre Brüder noch ein ganz anderes Problem: Ihre Halbschwester wurde an einen Mann verheiratet, der sie schlägt, und will mit einem Sklaven durchbrennen. Ein dreistes Unterfangen, das schnell mit einem Todesurteil enden kann. Und auch Zaharas selbst träumt nachts nicht von dem für sie ausgewählten Ehemann. Und so nimmt sie früh den aussichtslos erscheinenden Kampf um Freiheit auf. Für sich und für ihr Land.

Und, wie war’s?

Bücher wie dieses, so es mehr von dieser Güte gibt, sollten ruhig auch mal im Geschichtsunterricht der Schulen gelesen werden. Dann fände das Fach kaum noch ein Schüler „öde“ oder „verstaubt“.

Natürlich ist das Leben von Zahara fiktiv, aber die Welt, in der sie lebt, existierte so wirklich. Die geschichtlichen Fakten sind keineswegs ausgedacht. Ich bin keine Historikerin, aber das ganze Buch wirkt sehr solide, fast schon akribisch recherchiert. Würde Günter Jauch mir morgen eine Million dafür geben, dass ich ihm sage, wer Boabdil war, oder wann die Mauren aus Andalusien vertrieben wurden, das Geld wäre mir sicher.

Einen direkteren Zugang zum 15. und frühen 16. Jahrhundert in Spanien als über „Die Maurin“ kann es kaum geben, da wird Geschichte wirklich lebendig. Besonders interessant finde ich die Einblicke in die Rolle der Frauen zur damaligen Zeit.

Trotz all des prallen Wissens, das Lea Korte in ihrem Buch vermittelt, ist „Die Maurin“ ein mitreißender Roman und kein trockenes Geschichtsbuch. Das Buch ist dick, die Seiten sind dünn, und doch war ich in wenigen Tagen durch und hätte gerne noch mehr über das Schicksal der jungen, leidenschaftlichen Maurin erfahren.

Die Maurin, Lea Korte
Knaur Taschenbuch, 663 Seiten, 9,95 Euro, ISBN 978-3-426-50230-3

Vielen Dank an Lea Korte für das Rezensionsexemplar. Wer mehr über die Autorin wissen möchte, kann mal bei  Twitter, auf ihrem Blog und der Webseite vorbeisehen. Hier ist auch noch ein Buchtrailer: