Rezension: Collateral (von Tom Cain)

3 04 2013

gelesen von Michele Reble

Collateral (Tom Cain)

Collateral (Tom Cain)

Worum geht’s?

Collateral ist der 4. Band der Sam-Carver-Reihe.

Samuel Carver soll die entführte Nichte des wohlhabenden Klerk aus den Fängen des machthungrigen Afrikaners Moses befreien – und das in einem Land, in dem kein einziger Schritt, den man tut, sicher ist. Carver schreckt das nicht ab. Es fordert ihn eher heraus. Bei der Befreiung läuft nicht alles glatt, aber das Mädchen ist schließlich in Sicherheit.
10 Jahre später kommt Klerk erneut mit einem Auftrag auf Carver zu. Diesmal willig Carver nicht gleich ein, schließlich wird von ihm verlangt, bei dem Sturz des malembischen Diktator Gushungo zu helfen. Als er jedoch erfährt, wie Gushungo sein eigenes Volk nicht nur unterdrückt, sondern enteignet, foltert und in Gefängnissen verhungern lässt und einer dieser Betroffenen Carvers Freund samt Familie ist, ist Carver bereit, bei der Aktion zu helfen.

Und, wie war’s?

Nun ja, als Verfilmung wäre Collateral einer dieser Filme, den ich mir an einem (tatortfreien) Sonntagabend mal anschauen würde, weil er viel Action und Unterhaltung mit wenig Anspruch bietet.

Tom Cain scheint sein Pulver wohl zu Beginn der Sam-Carver-Reihe verschossen zu haben. Je mehr Bände ich aus dieser Reihe lese, desto enttäuschter bin ich. Das, was mich an den ersten beiden Bänden „Target“ und „Survivor“ noch begeisterte – die fiktive Ausgestaltung einer wahren Begebenheit – war schon bei „Assasin“ nicht mehr zu finden, ganz zu schweigen von „Collateral“. Natürlich gibt es diese bösen Diktatoren, die ihr Volk unterdrücken, aber eigentlich ist das nur die Nebenhandlung für rasante Verfolgungsjagten, riskante Befreiungsaktionen und ohrenbetäubende Schießereien und Explosionen.

Ein kleiner Hinweis zum Layout: die gleichbleibende Gestaltung und somit der größe Wiedererkennungswert dieser Reihe, hat der Verlag bei „Collateral“ leider nicht mehr beherzigt. Schade.

Collateral, Tom Cain
Bastei Lübbe, 416 Seiten, 9,99 €, ISBN 3404160762

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Rezension: Wer Wind sät (von Nele Neuhaus)

7 03 2013

gelesen von Michele Reble

Wer wind sät (Nele Neuhaus)

Wer wind sät (Nele Neuhaus)

Worum geht’s?

„Wer Wind sät“ ist der 5. Band der Bodenstein/Kirchhoff-Reihe.

Pia Kirchhoffs erster Arbeitstag nach dem Urlaub beginnt gleich mit einem Rätsel: ein toter Nachtwächter, der tagelang unentdeckt in einem Gebäude liegt, dazu ein toter Hamster auf einem Schreibtisch und offensichtlich hat sich der Täter vergebens bemüht, es nach einem Unfall  aussehen zu lassen. Gerade als Pia mit ihren Kollegen eine Verbindung zu der Initiative gegen den geplanten Windparks aufbauen kann, geschieht ein weiterer Mord: ein Landwirt, dessen Grundstück im zukünftigen Windpark-Areal liegt und urplötzlich Millionen wert ist, wird tot aufgefunden. Wurde er für den Windpark aus dem Weg geräumt? Und warum musste der Nachtwächter sterben?

Und, wie war’s?

Ich habe bisher alle Fälle der Bodenstein/Kirchhoff-Reihe gelesen und in der Regel haben mich alle begeistert oder zumindest gut unterhalten. Doch bei „Wer Wind sät“ habe ich kapituliert. Nachdem ich mich – wie gewohnt bei den Neuhaus-Büchern – durch eine Masse an (meist unglaubwürdigen) Charakteren gekämpft habe und langsam anfing, die Namen den richtigen Personen zuordnen zu können, musste ich feststellen, dass mich die Geschichte so gar nicht reizt. Nicht, dass ich die Thematik und Windparks uninteressant fände, das war okay. Aber mir war einfach völlig egal, wer nun der Mörder ist und ob er gefasst wird. Und das war der Moment, an dem ich das Buch zur Seite gelegt habe. Schließlich sollte ein Thriller so fesselnd und spannend sein, dass man die Auflösung um keinen Preis verpassen möchte.

Wie es nun weitergeht mit mir und der Bodenstein/Kirchhoff-Reihe kann ich noch nicht genau sagen. Da die Bücher immer einen ordentlichen Umfang haben, schreckt mich die letzte Erfahrung ein wenig davor ab, das neueste Werk „Böser Wolf“ zu kaufen.

Wer Wind sät, Nele Neuhaus
Ullstein Taschenbuch, 560 Seiten, 9,99 €,  ISB 3548284671





Rezension: Sein letzter Wille (von Harlan Coben)

6 02 2013

gelesen von Michele Reble

Sein letzter Wille (Harlan Coben)

Sein letzter Wille (Harlan Coben)

Worum geht’s?

„Sein letzter Wille ist der 10. Band der Myron-Bolitar-Reihe.

Suzze und Lex können auf einige gemeinsame turbulente Jahre blicken, doch mit der Zeit hat sich der Sturm gelegt und nun erwartet das glückliche Paar ihr erstes Kind. Als ein Kommentar auf Suzzes Facebook-Seite darauf hindeutet, dass Lex nicht der Vater des Kindes ist, verschwindet dieser spurlos. Die hochschwangere Suzze wendet sich verzweifelt an ihren langjährigen Freund und früheren Agenten Myron. Dieser findet Lex – doch nicht nur den, sondern auch eine Verbindung in seine familiäre Vergangenheit, die er lieber nicht wiederherstellen wollte.

Und, wie war’s?

Harlan Coben beweist mit dem 10. Band dieser Reihe, dass er des Geschichtenschreibens nicht müde wird. Er hält die Spannung erneut auf einem hohen Niveau, baut den üblichen Wortwitz ein und präsentiert dem Leser in gewohnter Manier eine unerwartete Wendung zum Ende der Geschichte.
Wie schon in „Von meinem Blut“ ist auch dieses Mal der Sportagent selbst in das Geschehen verwickelt. Zwar finde ich die familiären Verwicklungen und den Grund für die Kontaktsperre zwischen Myron und seinem Bruder etwas zu konstruiert, aber trotzdem macht es diesen Band wieder persönlicher und direkter.

Die Geschichte um Suzze und Lex ist durch allerlei Verstrickungen interessant gestaltet, verlangt dem Leser allerdings einige Geduld durch manch unnötige Längen ab. Zudem hat mich das ganze Drogen-Rockstar-Millieu auf Dauer genervt und gelangweilt.

Der wahre Held dieses Bandes ist Myrons bester Freund Win. Schon immer als treuer und hilfsbereiter Weggefährte, zeigt er zum Schluss, was für ihn wahre Freundschaft bedeutet. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten sein.

ACHTUNG SPOILER:
Die Myron-Fans unter den Lesern werden die letzten Seiten mit viel Wehmut gelesen haben, ist dies doch der letzte Band der Myron-Bolitar-Reihe. Ob die damit neu geschaffene Mickey-Bolitar-Reihe mit dem Hype mithalten kann, muss sich erst noch zeigen.

Sein letzter Wille, Harlan Coben
Goldmann Verlag, 384 Seiten, 9,99 €, ISBN 3442476585





Rezension: Schwarzer Mond über Soho (von Ben Aaronovitch)

28 01 2013
Schwarzer Mond über Soho (Aaronovitch)

Schwarzer Mond über Soho (Aaronovitch)

gelesen von Astrid Kopp

Worum geht’s?
So richtig kommt Constable Peter Grant nicht dazu, Latein zu lernen und Zaubersprüche zu üben. Kurz nachdem der Nachwuchszauberer und Bobby Aaronovitchs vorherigem Buch „Die Flüsse von London“ einen gefährlichen Geist zur Strecke gebracht hat, häufen sich in London schon wieder die Todesfälle mit magischer Aura. Eine geheimnisvolle und sehr gefährliche Dame raubt Männern ihr bestes Stück – und damit auch das Leben. Weniger grausam aber ebenso endgültig sterben mehrere Musiker. Dass Jazz etwas damit zu tun hat, ist für Peter Grant unüberhörbar, aber kann Musik denn tödlich sein?
Und, wie war’s?
Wie schon in „Die Flüsse von London“ startet die Geschichte eher behäbig, nimmt dann aber mächtig Fahrt auf bis zum spannenden und traurigen Finale. Ben Aaronovitch verschmilzt die Londoner Jazz-Szene in Soho mit einer Welt, in der Menschen zu Katzen werden, Tote reden und Magie über allem wabert. Gut gefällt mir, dass Peter Grant dabei trotz seiner besonderen Fähigkeiten sehr menschlich ist – mit allen Fehlern, Ängsten und Hoffnungen, die man als junger Mann eben vermutlich so hat, wenn man die Welt fast im Alleingang vor attraktiven Jazz-Vampiren retten muss.
Ein bisschen verwirrend fand ich die zwei parallel laufenden Fälle. Der eine endet auch sehr aprupt, ohne dass die Motiviation der Täterin befriedigend erklärt werden würde. Dafür war der andere Fall mit seiner schön ausgedachten Historie und dem traurigen Ende umso besser.
Schwarzer Mond über Soho,  Ben Aaronovitch
dtv, 413 Seiten, 9,95 Euro, ISBN 978-3-423-21380-6




Rezension: Die Marionette (von Alex Berg)

18 01 2013

gehört von Michele Reble

 

Die Marionette (Alex Berg, Foto: audible.de)

Die Marionette (Alex Berg, Foto: audible.de)

Worum geht’s?

Anderthalb Jahre sind vergangen, seitdem Valerie Weymann von der Regierung verschleppt, gefoltert zu unrecht der Terrorismusunterstützung beschuldigt wurde. Anderthalb Jahre lang hat sie den BND-Agenten Eric Meyer, ihren Lebensretter, nicht gesehen – und doch verging kein Tag, an dem sie nicht an ihn denken musste. Und nun, nach anderthalb Jahren, wird sie mit seiner Gegenwart eiskalt konfrontiert, wurde sie doch von ihrem Seniorpartner, der sich der „speziellen“ Verbindung zwischen Valerie und Eric bewusst ist, als Rechtsberaterin der Larenz-Werke zugeteilt. Eben jener Waffenlieferant, gegen den Eric ermittelt, nachdem Truppen der Bundeswehr von Taliban mit Waffen aus den Larenz-Werken angegriffen wurden.
Das Chaos ist perfekt, als sich bei einer verwundeten Soldatin eine posttraumatische Störung entwickelt, die zur echten Bedrohung wird.

Und, wie war’s?

Anfangs hat mich „Die Marionette“ nicht richtig begeistern können. Wenn man den Vorgänger „Machtlos“ noch im Sinn hat und sich an die atemberaubende Spannung erinnert, die das Buch von Beginn an beherrscht hat, dann steht „Die Marionette“ in einem schwachen Licht. Schon als ich dachte, mein endgültiges Urteil gefällt zu haben, kam frischer Wind in die Geschichte und die ersehnte Wendung. Ab diesem Moment wurde die Geschichte immer rasanter. Dieses Tempo konnte bis zum Schluss gehalten werden.

Die Anwältin Valerie wirkt zwar einerseits beherrscht und kühl, doch ist das nur ihr Eigenschutz, um nicht ihren weichen Kern offenlegen zu müssen. Das macht sie authentisch und menschlich. Zwar ist der BND-Agent Eric etwas Bruce-Willis-mäßig gezeichnet (attraktiver, kämpferischer und erfolgreicher Beschützer-Typ), doch auch er zeigt hin und wieder seine „echte“ Seite und gibt den Blick auf seine Schwächen und Verfehlungen frei.

Ich bin gespannt, ob und wie es mit dem Duo weitergeht.

Ein Hinweis noch zu dem Sprecher des Hörbuchs: Die sensationslüsternde Tonlage hat mich nicht so sehr genervt wie die Tatsache, dass er nicht in der Lage ist, unterschiedlichen Charakteren auch einen unterschiedlichen, aber wiedererkennbaren Tonfall zu geben. So war der hispanische Folterchef der CIA stimmlich zum verwechseln ähnlich mit der gut betuchten Gattin des Larenz-Vorstands.

Die Marionette, Alex Berg
Hörbuch gelesen von Detlef Bierstedt
Exklusiv über audible.de 13,95 €, 10 Stunden 32 min

Taschenbuch: Knaur TB, 384 Seiten, 9,99 Euro, ISBN 3426508990

Leselust ist Mitglied im Rezensionsprogramm von audible.de. Ich danke der Audible GmbH für das kostenfreie Hörbuch.





Kurzrezension: Ein sicheres Haus / Der Glaspavillon (von Nicci French)

15 01 2013

gelesen von Astrid Kopp

Ein sicheres Haus/Der Glaspavillon (Nicci/French)

Ein sicheres Haus/Der Glaspavillon (Nicci/French)

Kurz zusammengefasst: Auf dem Anwesen der Martellos wird bei Bauarbeiten die Leiche der seit Jahrzehnten verschollenen Tochter Natalie gefunden. Jane, eine der Familie eng verbundene Freundin von Natalie, macht sich selbst auf die Suche nach dem Mörder – und ist entsetzt als ihr klar wird, dass für ihre Suche wohl gar nicht weit gehen muss. (Der Glaspavillon); Samantha Laschen ist Expertin für posttraumatische Medizin. Als eine Familie grausam ermordet wird, bittet die Polizei sie, die einzige Überlebende des Angriffs bei sich aufzunehmen. Samantha sagt nach einigem Zögern ja – und bereut es bald, ihr einsam gelegenes Haus mit dem Mädchen geteilt zu haben. (Ein sicheres Haus)

♥♥♥♥ Handlung
♥♥♥♥♥ Sprache
♥♥♥♥ Charaktere
♥♥♥ Spannung
♥♥♥♥ Emotionen
♥♥♥♥♥ Humor
♥♥♥♥♥ Anspruch
♥♥♥♥♥ Glaubwürdigkeit

Ein sicheres Haus / Der Glaspavillon, Nicci French
Goldmann, 736 Seiten, ISBN 978-3442134298, 7 Euro





Rezension: Verstummt (von Karin Slaughter)

10 01 2013
Verstummt (Slaughter)

Verstummt (Slaughter)

gelesen von Astrid Kopp

Worum geht’s?

Ein perverser Serientäter treibt im Umkreis von Atlanta sein Unwesen. Er hat bereits mehrere Mädchen verwaltigt und ihnen die Zunge abgebissen, als es zum ersten Todesfall kommt. Eine Prostituierte erstickt an ihrem Blut. Kurz zuvor wurde nach langer Haftstrafe ein Straftäter entlassen, der vor 25 Jahren ein Mädchen auf ähnliche Art grausam getötet hat.

Der alteingesessene Detective Michael Ormewood bekommt bei den Ermittlungen Unterstützung von Special Agent Will Trent vom Georgia Bureau of Investigation. Beide Männer entwickeln schnell ein starkes  Misstrauen gegeneinander, was nicht besser wird, als sie begreifen, dass sie beide enger mit einer Kollegin bei der Sitte vertraut sind, als ihnen jeweils vom anderen lieb ist.

Und wie war’s?

So überrascht wie in „Verstummt“ wurde ich beim Lesen eines Krimis schon lange nicht mehr. Was man nach und nach über Opfer, Täter und Ermittler erfährt, lässt einen immer wieder mit ganz neuen Augen auf die Geschehnisse blicken. Dabei spielt Slaughter sehr geschickt mit der Vorstellungskraft und der Erwartungshaltung der Leser. Manchmal habe ich zurück geblättert, um sicher zu gehen, dass wirklich sein kann, was da plötzlich behauptet wird, dachte ich doch zuvor, es sei alles ganz anders.
„Verstummt“ ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend und deshalb eigentlich ein Muss für alle Krimifans. Allerdings macht Karin Slaughter ihrem Nachnamen in dem Buch auch mal wieder alle Ehre. Die Vorstellung, dass jemand Mädchen die Zungen abbeißt, fand ich ganz schön gruselig. Auch die beklemmende, deprimierende, gewältgesättigte Atmosphäre, die die ganze Geschichte einhüllt, hat mich stellenweise ganz schön runtergezogen. Das ist keineswegs ein Minuspunkt – spricht es doch sehr für die Qualität der Autorin, dass sie eine derartige Stimmung zu vermitteln mag.Ihr neuer Ermittler Will Trent ist ein verschlossener, von seiner persönlichen Geschichte stark belasteter Charakter, mit vielen Brüchen, von dem ich mir in folgenden Bänden der Reihe noch zahlreiche interessante und spannende Lesestunden erhoffe.

Verstummt, Karin Slaughter
blanvalet, 506 Seiten, 9,95 Euro, ISBN 978-3-442-37221-8